Das Jugendwort des Jahres - Was soll das?

Hamm - Das Jugendwort des Jahres 2018 wird jährlich gewählt, um den Wandel der Jugendsprache zu dokumentieren. yourzz wollte wissen, welche Bedeutung das Jugendwort des Jahres hat und was Jugendwörter eigentlich ausmacht. Um das herauszufinden, sprach yourzz-Reporterin Michelle Hutyra mit der 24-jährigen Germanistik-Studentin Sara Barszczowska.


Sara Barszczowska studiert Germanistik und beschäftigt sich mit Jugendsprache.

Was waren in deiner Jugend die bekanntesten und üblich verwendeten Jugendwörter?

Sara Barszczowska: Es gab viele. Aber die Wörter, die ich am meisten benutzt habe, waren: Alter, hartzen, schnorren, chillen, chill ma, fail, yolo, fame, läuft, gönn dir und in your face. 

Gibt es Wörter aus der Vergangenheit, über die du heute den Kopf schüttelst?
Sara: Yolo, alter, digga – diese ganzen Ausdrücke, um sich in einer bestimmten Gruppe zu profilieren. Welche Ausdrücke verwendest du noch ab und an? Sara: Läuft und fail manchmal, aber wenn, dann eher in einem lustigen Sachzusammenhang und nicht im ernsthaften Gebrauch. 

Sind die meisten Jugendwörter deiner Meinung nach totaler Schwachsinn?
Sara: Die meisten dieser Wörter und Ausdrücke ergeben sich aus einer Übernahme mancher Redensarten, oder aus dem Englischen. Da man durch die (sozialen) Medien immer mehr mit dem Englischen in Berührung kommt, erscheint es logisch, dass die Sprache auch das Deutsche beeinflusst. Wörter, die beleidigend verstanden werden können oder sich gegen eine bestimmte Personengruppe richten, finde ich unnötig. 

Im Vergleich, früher zu heute: welche Wörter sind aus deiner Sicht kreativer und verständnisvoller?
Sara: Es erklärt sich durch die Bezeichnung Jugendsprache von selbst, dass es um eine Sprache zwischen Jugendlichen geht und möglichst das Ziel hat, sich bewusst oder unbewusst von den älteren Altersgruppen abzugrenzen. Kreativität würde ich diesen Wörtern nur bedingt zusprechen, da es sich meistens um Abwandlungen und Anpassungen des Englischen ins Deutsche handelt. Die sogenannten Kofferwörter, die sich aus mehreren Begriffen zusammensetzen und so ihre Bedeutung erhalten, finde ich dagegen interessanter und kreativer. Auch Wörter, die nicht auf den ersten Blick eindeutig sind, finde ich interessant, da sie ein bestimmtes Hintergrundwissen verlangen, wie zum Beispiel merkeln, rumoxidieren, oder guttenbergen. 

Stimmst du der Kritik zu, dass in die letzten Jahren nur noch Wörter zum Jugendwort des Jahres gewählt wurden, die nie einen wirklichen Gebrauch in der Jugendsprache fanden?
Sara: Ja, ich habe schon immer mehr das Gefühl, dass das Jugendwort des Jahres nicht mehr wirklich den eigentlichen Sprachgebrauch der Jugendlichen widerspiegelt. Dies mag daran liegen, dass sämtliche Altersgruppen an der Abstimmung teilnehmen dürfen und dies logischerweise die Ergebnisse verfälscht.Die Wörter Smombie oder rumoxidieren habe ich vor der Verkündung des Jugendwortes zuvor noch nie in Gebrauch eines Jugendlichen gehört. Andere dagegen schon. 

Das Jugendwort 2017 wurde i bims. Hast du das jemals im Gebrauch eines Jugendlichen gehört?
Sara: Ja, obwohl ich manchmal den Eindruck habe, dass die Nominierung das Wort erst richtig präsent werden lässt und vorher gar nicht so viele Jugendliche dies benutzt haben. Es war auch nicht plötzlich im Gebrauch, sondern hat in Folge des steigenden Interesses zugenommen. 

Findest du die Entwicklung der Jugendsprache negativ? Kann die Entstehung neuer Wörter, durch Jugendliche, eine größere Mauer der Sprachbarriere bilden?
Sara: Ich würde die Entwicklung nicht uneingeschränkt als negativ beschreiben. Die gemeinsame Sprache, die sich auf aktuelle Geschehnisse oder Themen bezieht, hat zunächst einmal einen Gemeinschaftssinn unter den Jugendlichen zur Folge. Gefährlich wird es erst, wenn man sich nicht mehr seinem Alter und seiner sich verändernden Umgebung anpasst, sodass diese Ausdrücke in der Schule, beispielsweise in Aufsätzen, übernommen werden und man durch das ‘Denglische’ die eigene Sprache vernachlässigt.

Voting und Jury-Entscheid zum Jugendwort

Von Aleyna Kalayci

Auch dieses Jahr sucht der Münchner Langenscheidt-Verlag das Jugendwort des Jahres. Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben ihre Jugendwörter eingereicht. Aus den besten Wörtern wurde eine Top 30 Liste erstellt, bei der online jeder für seinen Favoriten voten konnte.
Letztendlich entscheidet heute die Jury, bestehend aus Jugendlichen, Medienvertretern und Sprachwissenschaftlern, über das Jugendwort 2018. Jedoch sind Voting- und Juryentscheidungen nicht immer identisch. Allgemein werden Begriffe als Jugendwörter bezeichnet, wenn man sie hauptsächlich im Wortschatz der Jugendlichen im Alter von 11 bis 19 findet.

Beispiele 

Einige Beispiele für bekannte Jugendwörter, die auch in der Liste stehen, sind: 

Auf dein Nacken = Du zahlst 

Ehrenmann/Ehrenfrau = Jemand, der etwas Besonderes für dich tut 

Gib ihm! = Ja man, mach das, richtig so! 

Ich küss dein Auge = Ich hab dich gern oder ein sehr starkes Danke 

Lauch = Trottel 

sheeeesh = Wirklich? Echt jetzt? Dein Ernst? 

Wack = uncool, langweilig 

2008 wurde „Gammelfleischparty“ (Ü-30-Party) als Jugendwort gewählt, 2013 „Babo“ (Chef), 2014 „Läuft bei dir“ und 2017 „I bims“ (Ich bin´s).

yourzz-Meinung - Jugendwörter sind im Kopf verankert

Von Aleyna Kalayci 

Mittlerweile gibt es so viele Jugendwörter, dass man schnell den Überblick verliert und gar nicht alle kennt. Doch wieso benutzen Jugendliche überhaupt Jugendwörter? 

Ab und zu verwendet jeder Jugendwörter, doch meistens sind es immer dieselben. Man benutzt meistens die Jugendwörter, die unter Freunden Insider sind, also durch gemeinsame Erlebnisse nur untereinander eine Bedeutung finden. Diese müssen aber nicht unbedingt ernst gemeint sein. 

Viele Jugendwörter sind schon so im Kopf verankert, dass man diese auch aus Versehen und unbewusst sagt. Es ist gar nicht so leicht, sich diese abzugewöhnen, da man sie oft von anderen Jugendlichen hört und so automatisch aufnimmt. Schlimm sind die Jugendwörter aber nicht, denn manchmal können sie helfen, um von anderen Jugendlichen akzeptiert zu werden, da sie zum Beispiel bestimmte Jugendwörter benutzen und man sich so besser in die Gruppe integrieren kann. Heutzutage verwenden nicht nur Jugendliche Jugendwörter, sondern auch gerne mal Erwachsene. Viele Jugendwörter werden aus dem Englischen und Türkischen hergeleitet, was für die Erwachsenen verwirrend sein kann. Doch auch sie haben Spaß an der Verwendung von Jugendwörtern – und oft macht das die Erwachsenen cooler und sympathischer. Jedoch sollte man nicht all zu viele Jugendwörter verwenden, da es komisch wirken kann und man nicht ernst genommen wird. Ab und zu Jugendwörter zu sagen ist in Ordnung, denn so läuft die Kommunikation zwischen Jugendlichen mittlerweile ab.

yourzz-Umfrage - Gehören Jugendwörter zum Sprachgebrauch?

Eine Umfrage von Joelle Thielsch

Gehören Jugendwörter zum Sprachgebrauch? - Wir haben Hammer Jugendliche gefragt

Sinja Koehne, 17 Jahre:

„Aus meinem Umfeld benutzen 11- bis 14-Jährige Jugendwörter häufig. So können sie sich unterhalten, ohne dass Außenstehende es verstehen. Unter Jugendlichen ist es auch ein Trend, immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben.“

Jeremy Edelmann, 16 Jahre:
„Meiner Meinung nach ist es einfach sinnlos, Jugendwörter zu erfinden, beziehungsweise zu verwenden. Diese führen sehr oft in Konversationen zu einem Missverständnis, da nicht alle die Bedeutungen der Wörter kennen.“

Madeline Uschok, 20 Jahre:
„Dass jedes Jahr ein Jugendwort gewählt wird, ist mir neu, sowie die Jugendwörter selbst. Gammelfleischparty, breiern oder Gymkie habe ich noch nie zuvor gehört und sie sind für den alltäglichen Sprachgebrauch unpassend.“

Robin Rose, 18 Jahre:
„Ich persönlich benutze im Alltag nie Jugendwörter, wie yolo, swag oder Besti. Auch aus meinem Bekanntenkreis benutzt keiner regelmäßig Jugendwörter. Von den meisten Jugendwörtern habe ich auch nie zuvor gehört.“
Marina Schwabbauer, 19 Jahre:
„Dass jedes Jahr ein Jugendwort des Jahres gewählt wir, ist mir bekannt. Die Jugendwörter zählen aber nicht zu meinem Wortschatz und selbst aus meinem Umfeld kenne ich keinen, der regelmäßig Jugendwörter in den Mund nimmt.“

Rubriklistenbild: © Thielsch

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