„Auf Jugendliche eingehen“

Hamm - Gehen nur die Älteren in die Kirche? Auf keinen Fall! Es gibt auch Jugendkirchen, in denen sich die Jugendlichen einbringen können. Doch andere Fragen bleiben: kann man Jugendliche heutzutage überhaupt noch von Kirche und Religion überzeugen? Wie stehen die Jugendlichen eigentlich zu dem Thema? Yourzz-Reporterin Aleyna Kalayci hat Jugendpfarrerin Katrin Berger (36) interviewt, die seit 2017 hier in Hamm als Pfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises tätig ist.

Katrin Berger ist seit 2017 Jugendpfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises.

Hat man als Pfarrerin in einer Jugendkirche nur mit Jugendlichen zu tun?
Katrin Berger: Obwohl die Zielgruppe die Jugendlichen sind und ich deshalb zum größten Teil mit ihnen arbeite, habe ich auch oft Kontakt zu Erwachsenen. Zum Beispiel sind manchmal auch die Eltern dabei. Oder unsere Kirchenmusikerin, unser Küster und Sozialarbeiter sowie unsere Pfarrerinnen und Pfarrer. 

Was meinen Sie, wie stehen Jugendliche heutzutage zur Kirche?
Berger: Wir haben Jugendliche im Alter von 12 bis 24 Jahren bei uns. Ich denke, dass Kirche heute nicht mehr selbstverständlich ist. Viele haben leider keinen Kontakt zu uns, da sie anderen Interessen und Hobbys nachgehen, die ihrer Meinung nach interessanter und cooler sind. Kirche steht nicht mehr so im Blickfeld wie in früheren Generationen. Viele denken, dass es langweilig bei uns ist und nur ältere Leute in die Kirche gehen. Genau aus diesen Gründen möchte der Evangelische Kirchenkreis Hamm offen auf die Jugendlichen zugehen und auf die religiösen, beziehungsweise ethischen Fragen von Jugendlichen eingehen. 

Wie reagieren also Jugendliche auf Kirche und Religion?
Berger: Am Anfang reagieren sie oft zurückhaltend und ablehnend gegenüber Fragen zu privaten Glauben. Doch nachdem hier in der Kirche offen über verschiedene Themen gesprochen wird, öffnen sich die Jugendlichen auch gegenüber den Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen und sehen es positiv über Gott und Glauben zu reden. 

Wann zeigen die Jugendlichen am meisten Interesse und worauf gar nicht?
Berger: Besonders sind sie an Fragen interessiert, die sie in diesem Alter beschäftigen.. Deshalb behandeln wir diese auch vornehmlich. Dazu gehört alles um Liebe, Freundschaften, Politik, Umwelt, Sinn des Lebens, Mobbing und den Körper. Was sie gar nicht interessiert sind Sachen von früher, zum Beispiel wie die Kirche traditionell ist. Doch uns ist auch wichtig, dass sie andere Kulturen kennenlernen und was anderen an Religion wichtig ist. 

Kann man alle Wünsche der Jugendlichen einbringen?
Berger: Wir versuchen immer, die jugendlichen Interessen mit Gott und Religion zu verbinden. Wir reden über so viele Themen, die sie beschäftigen, dadurch werden ihre Wünsche in der Regel berücksichtigt. Wir haben verschiedene Projekte, eine Band, einmal im Monat einen Gottesdienst, ein Mal im Jahr das Konfi-Camp, wo sich die Jugendlichen gut miteinbringen können. Wir machen hier Kirche mit Jugendlichen für Jugendliche, so sind sie beispielsweise im kompletten Prozess der Gottesdienstgestaltung beteiligt. Das fängt bei der Themenfindung an und hört beim Predigen im Jugendgottesdienst auf.

yourzz-Umfrage - Religion im Alltag

von Michelle Huyra

Die Religion spielt nach wie vor eine Rolle in unserer Gesellschaft. So gut wie jeder hat Kontakt zur Religion im Alltag, allein schon durch das Sehen von religiö- sen Bauwerken wie Kirchen und Moscheen. Dazu hat sich das yourzz-Team gefragt, wie dies die Meinung zur Religion von Jugendlichen beeinflusst, und dafür 100 Leute im Alter zwischen 14 und 24 befragt. Insgesamt verfolgen nur 60 Jugendliche von den 100 Befragten einen Glauben. 30 Prozent der nicht gläubigen Menschen geben an, dass sie durch das soziale Umfeld trotzdem mit der Religion konfrontiert werden. Kontakt zur Religion durch die Familie: 91 Prozent der Befragten sagen, dass sie einen religiösen Hintergrund durch die engere Familie allein haben. Dies wurde auch oft als Begründung genutzt, auf die Frage, wieso man denn einen Glauben verfolge (55 Prozent).
Eine weitere häufig genannte Antwort war, dass man durch die Religion den Sinn im Leben gefunden hätte.
„Der Sinn des Lebens“ wurde ziemlich häufig mit dem Glauben in Verbindung gesetzt. Auf die Frage, was man als erstes assoziieren würde mit dem Wort „Religion“, wurde dieser nämlich am häufigsten genannt. Mit 54 Prozent eine weitere Antwort war das Wort „Hoffnung“.
So gut wie jeder der Befragten hat in der Kindheit Kontakt zur Religion gehabt. 92 Prozent durchlebten schon mal eine religiöse Tradition, wie beispielsweise eine Kommunion.
Die Jugendlichen erzählten außerdem, an den traditionellen Feiertagen teilzunehmen, auch wenn sie den Glauben nicht verfolgen. Die Mehrheit sagte dazu, dass man dies nur wegen der Familie machen würde und auch wegen der Geschenke. An diesen Feiertagen gehen insgesamt 90 Prozent der Befragten jährlich zur Kirche oder zur Moschee, da es einfach eine Tradition sei.

yourzz-Meinung: Eigene Vorstellungen

von yourzz-Reporterin Joelle Thielsch 

„Wann hört der Gottesdienst endlich auf? Die lange Predigt und die laute Orgel...“ Genau solche Gedanken haben viele Jugendliche, wenn sie in der Kirche sitzen. Natürlich gibt es einige, die regelmäßig zu den Gottesdiensten gehen und ihren Glauben somit ausleben. Solche Personen werden allerdings immer seltener. Was auch auf den Wandel der Gesellschaft zurückzuführen ist. Jugendliche wollen nicht am Sonntag um 10 Uhr zum Gottesdienst gehen, um Predigten oder Lieder anzuhören, die sie nicht verstehen. Kirchen reagieren auf die sinkenden Mitgliederzahlen und wollen insbesondere Jugendliche animieren zur Kirche zu kommen. Sie gründeten unter anderem Jugendkirchen, wo den Jugendlichen ermöglicht wird, Gottesdienste nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten, wodurch auch die Inhalte zeitgemäß erfasst werden und eigene Musik kreiert werden kann. Letztendlich wird die Kirche immer eine wichtige Institution bleiben und auch immer für die Menschen da sein.

Rubriklistenbild: © Kalayci

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