Mehr als ein normaler Schrebergarten

+
Dieter Leder leitet den Generationengarten im Kleingartenverein Ontario.

Hamm - Für viele Menschen ist der Supermarkt einzige Nahrungsquelle. Wissen sie alle, wie unser Essen auf den Teller kommt und welchen Weg es da bereits hinter sich hat? yourzz- Reporterin Emely Kolodziej besuchte den Generationengarten des Kleingartenvereins Ontario e.V. und sprach dort mit Dieter Leder, dem Leiter des Gartens, über Nachhaltigkeit und kindliches Erforschen der Natur.

Seit meiner Kindheit gehe ich in einer Kleingartenanlage ein und aus, besuche und beobachte meine Großeltern, wie sie jedes Jahr Tomaten, Erdbeeren, Kartoffeln und andere Lebensmittel anbauen, voller Liebe und Hingabe. Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht, wie es wäre, wenn ich einmal Schippe und Samen in die Hand nehmen würde und selber etwas anpflanzen würde. Dafür gibt es doch den Supermarkt um die Ecke – und schmutzig machen muss ich mich auch nicht. 

Im Generationengarten einer Bockum-Höveler Kleingartenanlage gärtnern hingegen Groß und Klein selbstverständlich gemeinsam. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man diesen für einen ganz normalen Schrebergarten halten. Doch dahinter steckt ein Projekt, das Kindern und Jugendlichen wieder beibringen soll, wie unser Essen auf den Teller kommt und welche Arbeit dahintersteckt. Dieter Leder, Leiter des Generationengartens, kümmert sich seit Projektbeginn um den Generationengarten. 2009 gewann der Kleingartenverein Ontario den Kleingartenwettbewerb. So kam auch die Idee zu einem Mehrgenerationengarten. Der Preis des Wettbewerbes war der Zuschuss für diese noch junge Idee und die dazugehörigen Renovierungen. Nach rund einem Jahr begann der Betrieb. Im Generationengarten gibt es gerecht eingeteilte Beete, eine Hütte, an dessen Wand bunte Blumen sprießen.

Wir durften auch selber tatkräftig mit anpacken.

Das Projekt

Der Generationengarten im Kleingartenverein Ontario in Bockum- Hövel hat sich zum Ziel gemacht, Kinder, Jugendliche und Erwachsene näher an die Natur und an das Gärtnern zu bringen. Seit 2010 werden ganzjährig in einem der Kleingärten verschiedenste Gemüse- und Obstsorten gesät und geerntet, im Winter werden in Kooperation mit lokalen Künstlern und einem Altenheim Projekte zum Nachhaltigkeitsbewusstsein veranstaltet, zum Beispiel das Bemalen einer Hauswand mit Farben, hergestellt aus den Erträgen des Gartens. Der seit 2013 bestehende Verein finanziert sich nur durch Spenden örtlicher Unternehmen und wird von freiwilligen Helfern geleitet. Das Projekt gewann 2016 den Umweltpreis der Stadt und gehört zu „sevengardens“, einer kulturschaffenden Maßnahme der Unesco.

„Letzten Winter haben unsere Kinder zusammen mit einer Künstlerin diese Wand bemalt. Die Farben haben wir vorher aus Früchten und Gemüse des Gartens selbst hergestellt“, sagt Leder. Das ganze Schuljahr über bleiben die Kinder in ihren AGs und Projektgruppen zusammen und erleben somit den gesamten Prozess von der Saat über die Blüten bis zur Ernte mit. „Wir möchten gerne Kindern das Gärtnern beibringen und so auch zeigen, wie im Supermarkt ein Apfel den Weg ins Regal findet.“ Viele Kinder würden heute gar nicht wissen, dass Äpfel an Bäumen wachsen oder Kartoffeln unter der Erde sprießen. „Man geht davon aus, dass alles im Supermarkt hergestellt wird“, so Leder. 

Doch nicht nur Schüler, beispielsweise der Talschule oder der Albert-Schweitzer- Schule, besuchen im Rahmen ihrer AGs regelmäßig den Garten. Seit 2016 ist die Kita Uphof ebenfalls an den Ernteerträgen des Gartens beteiligt – genau so wie die Bewohner des Ludgeri-Stifts. Die Senioren haben zum Beispiel „Mini-Gärten“ aus Mandarinenkisten gebastelt. „So schließt sich der Kreis der Generationen“, erklärt Leder. Am Ende der Ernte kommen alle bei einem Fest zusammen. Es wird gegrillt und aus den geernteten Früchten und Gemüse zubereitete Speise gegessen. „Außerdem haben wir eine eigene Saftpresse, mit der wir beispielsweise Apfelsaft herstellen“, sagt Leder.

Kinder lernen im Generationengarten, dass Gemüse in der Erde wächst – und nicht im Supermarkt.

Während meines Besuchs in Bockum-Hövel durfte ich selbst ein wenig gärtnern: Zusammen mit ein paar Kindern bettete ich einige Erdbeerpflanzen ein. Die Kleinen waren um einiges fitter als ich und zeigten mir, wie ich die Pflanze am besten in die Erde legte und mit wie viel Erde ich die Wurzeln zudecken sollte. Von ihnen kann ich mir durchaus noch eine Scheibe abschneiden – und andere mit Sicherheit auch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare