Lebensmittel für 1200 Menschen

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Emely Kolodziej (Mitte) und Aleyna Kalayci (rechts) aus dem yourzz-Team halfen bei der Tafel mit. Der Besuch hat sie tief beeindruckt.

Hamm - Ein voller Kühlschrank oder mal kurz zur nächsten Pizzeria: Ein voller Magen ist für viele Menschen wie auch yourzz-Reporterinnen Aleyna Kalayci, Annika Voelpert und Emely Kolodziej eine Selbstverständlichkeit. Doch wie wird denjenigen geholfen, für die das anders ist? Die yourzz-Reporterinnen wollten es wissen und arbeiteten einen Tag lang bei der Hammer Tafel mit.

Ein früher Samstagmorgen. Normalerweise würden wir jetzt schlafen und hätten uns erst später an einen reich gedeckten Frühstückstisch zu unseren Familien gesellt. Heute nicht. Stattdessen stehen wir am Innenhof eines Hauses unweit des Hammer Bahnhofs. Hier öffnet gleich die Ausgabestelle der Hammer Tafel. Schon jetzt stehen hier Menschen Schlange, um ein paar Lebensmittel zu bekommen.
Seit rund 20 Jahren verteilen Mitarbeiter der Hammer Tafel Lebensmittel an Geringverdiener, Rentner, Alleinerziehende, Arbeitslose, Menschen, denen das Geld oftmals nicht zum Leben reicht. Ein Mitarbeiter ist fest angestellt und koordiniert die Arbeit von etwa 100 anderen Helfern, die ehrenamtlich arbeiten sowie an Programmen zur sozialen Teilhabe und Resozialisierung teilnehmen. An sechs Tagen pro Woche gibt das Team Lebensmittel an etwa 1 200 Bedürftige aus.
An diesem Samstag packen wir mit an. Wir helfen in drei Bereichen mit: der Warenausgabe, Anlieferung und Sortierung sowie der sogenannten „Gammelecke“.
Die Warenausgabe bildet das Herzstück des Vereins. Bevor man hier Lebensmittel erhält, melden sich die Kunden an. Dabei erhalten die Kunden eine Karte, auf der vermerkt ist, wie viele Personen in ihrem Haushalt leben – so dass an jeden Kunden nur so viel Ware herausgegeben wird, wie sein Haushalt benötigt.
Bei jedem Besuch ziehen die Kunden an der Anmeldung eine Nummer, werden dann der Reihe nach zur Vergabe der Lebensmittel weiter- geleitet. Jeder der Helfer hat seinen eigenen Zuständigkeitsbereich: einer verteilt Gemüse, ein anderer Bananen und so weiter. Auch Tiefkühlkost gibt es und kann gegen eine Spende erworben werden.

Viele der Lebensmittel, die die Tafel-Mitarbeiter verteilen, wurden in Supermärkten aussortiert und wären sonst im Müll gelandet. So kommt Obst und Gemüse in die sogenannte „Gammelecke“: Hier trennen Mitarbeiter haltbare Lebensmittel von nicht mehr genießbaren, bis nur noch schöne Erdbeeren, Tomaten und Mandarinen für die Verteilung übrig bleiben.
Die anderen Waren kommen in der Sortierung an. Mitarbeiter der Tafel prüfen Zustand und Haltbarkeit. Palettenweise Nüsse, Süßigkeiten, Drogerieartikel und Tiernahrung packen sie in Kisten und lagern sie im Trockenlager ein. Große Kühlboxen und Gefriertruhen, in denen schnell verderbliche Waren wie Molkereiprodukte, Fisch oder Fleisch lagern, reihen sich in einem weiteren Lagerraum aneinander. Viele der Lebensmittel sind auf den ersten Blick völlig in Ordnung: So waren einige davon für den Müll bestimmt, weil eine Packung in einer Charge beschädigt war oder ein Etikett falsch aufgedruckt wurde.
Während die Kunden auf ihre Lebensmittel warten, bieten ihnen die Tafel-Mitarbeiter außerdem in einer Cafeteria frischen Kaffee und belegte Brote an.
Wenn die Lebensmittel verteilt sind und die Arbeit getan ist, gibt es ein leckeres Mittagessen für die Mitarbeiter. Dann berichtet uns Georg Vögeding von der Arbeit: Der Rentner und gelernte Einzelhandelskaufmann engagiert sich seit vier Jahren bei der Tafel. „Lebensmittel sind mein Leben. Ich habe jahrelang als Filialleiter eines großen Discounters gearbeitet und wollte im Rentenalter auch noch etwas Gutes tun. Da lag es nahe, zur Tafel zu gehen“, sagt Vögeding. Mittlerweile hat er viel erlebt. „Ich kann mich nicht an richtig negative Ereignisse erinnern. Natürlich kommt es mal zu Streitigkeiten, aber das ist normal.“

„Da geht einem echt das Herz auf“
Doch eine Sache bleibt ihm in Erinnerung: „Am allerschönsten ist die Verteilung der Weihnachtspakete. Oftmals können sich Familien keine Geschenke für ihre Kinder leisten. Es war sehr rührend, als mich ein Kind plötzlich fragte, ob es das Geschenk wirklich behalten dürfe. Da geht einem echt das Herz auf.“ Außerdem erzählte er, dass nicht nur zwischen den Mitarbeitern ein sehr freundschaftliches Verhältnis herrscht, sondern auch zwischen ihnen und den Kunden. „Alles läuft in einer sehr entspannten und dankbaren Atmosphäre“, sagt der Ehrenamtliche.

Der Besuch wühlt uns auf. Was für uns selbstverständlich ist - ein voller Kühlschrank, Essen zu gehen – ist nicht für alle alltäglich. Viele stehen am Rande der Existenz. Wir sind dankbar für die tollen Leute, die täglich versuchen, unsere Stadt zu einem Ort zum Leben zu machen, für uns alle.

yourzz-Meinung - "Dankbar für das, was man hat"

Von yourzz-Reporterin Aleyna Kalayci

Entweder hat man von anderen schon etwas über „die Tafel“ gehört oder man war selber dort, ob als Helfer oder Bedürftiger. Dennoch: Die Tafel bekommt zu wenig Interesse und Aufmerksamkeit. Das sollte so nicht sein. Diese Chance, dass einem geholfen wird, sollte geschätzt werden, statt sich dafür zu schämen. Es ist toll, dass es in Hamm diese Möglichkeit gibt. Die Hilfe wird in allen Städten benötigt. Auch sollte das Thema Hilfe für Bedürftige ganz allgemein mehr Interesse, Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen. Durch größeres Interesse kann mehr ermöglicht werden. Bei der Tafel arbeiten außerdem freiwillige Helfer. Freiwillig zu arbeiten ist heutzutage gar nicht mehr selbstverständlich. Die Sicht eines Bedürftigen und eines Helfers ist auch noch mal komplett anders. Wer dort war, kann die Situation beschreiben und vieles besser nachvollziehen. Man bekommt mit dieser Erfahrung eine andere Denkweise auf bestimmte Themen. Man ist dankbar für das, was man hat, und schätzt, wie gut es einem geht, was man manchmal als selbstverständlich ansieht. Schön, dass Bedürftigen auf diese Art geholfen wird.

Was denkst du über die Hammer Tafel?                                                             

von links: Philip Urner, Baran Savas, Sofie William, Lea Romburch, Julien Urner

Phillip Urner, 18 Jahre:

„Die Hammer Tafel ist eine echt gute Sache, die viele Menschen glücklich macht. Angenommen es gäbe so etwas nicht, dann wüssten mehrere Menschen nicht, was sie machen sollen. Ich finde daher, dass es einfach gut ist so etwas in unserer Stadt zu haben."

Baran Savan, 14 Jahre:

„Ich finde eine Hilfsorganisation wie die Hammer Tafel gut, weil viele Menschen die nicht so viel Geld haben zu essen bekommen.“

Sofie William, 15 Jahre:

„Meiner Meinung nach ist es echt gut, wenn armen Menschen, die nicht so viel Geld haben und nicht wissen, was sie machen müssen, geholfen werden kann. Ich denke auch, dass die Arbeiter dort einfach glücklich sind, den armen Menschen zu helfen.“

Lea Romburch, 16 Jahre:

„Ich finde es immer gut, wenn armen Menschen geholfen werden kann. Durch so etwas bekommen sie weiterhin Hoffnung.“

Julien Urner, 14 Jahre: 

„Es ist wirklich hilfreich für Menschen, die in Not sind oder denen es wirklich schlecht geht. Es ermöglicht armen Menschen, glücklich zu sein durch so eine Hilfsorganisation."

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