Nie allein: Leben mit Geschwistern

Die yourzz-Redaktion beschreibt, wie es das Leben beeinflusst, mit Brüdern oder Schwestern aufzuwachsen.

„Wie Feuer und Wasser“

Auch wenn es mal kracht: Ihr Bruder und sie gehören zusammen, schreibt Michelle Hutyra.

yourzz-Autorin Michelle Hutyra hat einen großen Bruder

„Es hat Vor- und Nachteile, einen zwei Jahre älteren Bruder zu haben. Wir waren schon immer wie Wasser und Feuer. Vor zehn Jahren teilten wir uns ein Zimmer, eine Seite pink und voller Puppen, die andere blau und voller Lego-Steine. Das hat uns nicht abgehalten, die Sachen des anderen zu nehmen. Wir mussten einfach teilen, auch wenn wir mal nicht wollten – Geschwister machen das so. Bei einigen Sachen fällt es uns das Teilen auch heute schwer, etwa beim Essen und beim Geld.
Manchmal führen unsere Diskussionen zu wochenlangem Schweigen, da Streitigkeiten oft mehr als nur Auseinandersetzungen sind. Um es einfach zu beschreiben: Ich hasse meinen Bruder, aber er ist wie ein bester Freund. Ich weiß, dass ich mit ihm über alles sprechen und immer auf ihn zählen kann. Habe ich einen schlechten Tag, bringt er mich zum Lachen. Wir passen aufeinander auf, auch wenn wir uns dabei tierisch auf den Geist gehen. Wir könnten einfach niemals ohne einander, weil es sonst langweilig wäre.“

„Begleiter fürs Leben“

Ihr fast gleichaltriger Bruder hat Hannah Hartmann ihr halbes Leben begleitet. Ihre jüngeren Brüder sieht sie nun aufwachsen.

yourzz-Autorin Hannah Hartmann hat gleich drei Brüder

„2000 kam der erste, 2013 der zweite und 2016 der dritte – meine Brüder. Richtig aufgewachsen bin ich nur mit einem von ihnen. Das Haus stand ständig Kopf. Wenn ich mich an meine Kindheit mit meinem Bruder erinnere, fallen mir unsere unzähligen kleinen Streitereien um die Fernbedienung, den Platz vorne im Auto und Spielzeug ein. Natürlich haben wir viel miteinander unternommen. Geheimverstecke und Sofakissenburgen bauen, mit Kreide auf der Straße malen und mit Lego und Playmobil spielen. Auch zu den „Nintendo DS-Treffen“ mit meinen Freundinnen kam er häufig mit. Wir haben uns bei Nintendogs um unsere Hunde gekümmert. Die Liebe zu Computer- und Konsolenspielen ist uns geblieben.

Meine jüngeren Brüder von Geburt an heranwachsen zu sehen, ist erstaunlich. Zu sehen, wie sie jeden Tag etwas lernen, ist atemberaubend. Geschwister zu haben, kann in der Kindheit ziemlich anstrengend und manchmal nervig auch sein. Jedoch hat man mit den Geschwistern Wegbegleiter fürs Leben.“

„Ich habe viel gelernt“

Unsere Yourzz-Reporterin mit ihrer Schwester am Tag der Einschulung: „Ich werde nie wieder alleine sein“, sagt Aleyna Kalayci.

yourzz-Autorin Aleyna Kalayci hat eine kleine Schwester.

„Zehn Jahre lang war ich Einzelkind und dann bekam ich – nachdem mir all die Jahre alleine langweilig war – eine Schwester. Nun bin ich 18 Jahre alt und sie schon acht. Doch es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass sie geboren wurde. In den acht Jahren mit ihr habe ich vieles dazugelernt, was den Umgang mit kleinen Kindern angeht. Auch wenn wir im Gegensatz zu den meisten Geschwistern ganze zehn Jahre Altersunterschied haben, streiten wir uns auch ab und zu.
Jedoch gibt es natürlich auch schöne, unvergessliche Erlebnisse. Als große Schwester versuche ich sie zu beschützen und immer für sie da zu sein. Es ist toll zu sehen, wie sie wächst und jeden Tag etwas Neues dazu lernt. Ich versuche, ihr so viel es geht beizubringen und eine tolle Kindheit zu ermöglichen. Ganz besonders freue ich mich auf die Zukunft mit ihr, wenn ich ihr Tipps für das Leben geben und mehr mit ihr unternehmen kann. Ich bin froh darüber, eine Schwester zu haben, denn ich werde nie alleine sein.“

Yourzz-Meinung - "Nicht voreilig urteilen"

von Robin Funke

Einzelkinder sind oft nicht leicht, heißt es. Obwohl dieses Klischee längst überholt ist, werden Einzelkindern häufig negative Eigenschaften angehängt. Sie seien selbstbezogen und altklug. Allerdings stammen diese Vorurteile aus einer Zeit, in der es verrufen war, nur ein Kind zu haben.
Blickt man einige Jahrzehnte zurück, könnte man sagen, dass diese Klischees einen Funken Wahrheit in sich trugen. Einzelkinder waren sehr auf ihre Eltern und andere Erwachsene konzentriert und entwickelten sich tatsächlich anders. Mit der steigenden Akzeptanz des Einzelkindes wurden diese Eigenschaften verringert. Denn das Leben als Einzelkind ist längst nicht so unbeschwert, wie man sich es häufig vorstellt. Gerade im Kindesalter müssen Einzelkinder sich viel selbst beschäftigen. Experten gehen mittlerweile aber davon aus, dass es keinen Unterschied in der sozialen Entwicklung von Einzel- und Geschwisterkindern gibt.
Beide Gruppen haben besonders ausgeprägte Eigenschaften. Dennoch sollte man nicht zu voreilig über Einzel- oder Geschwisterkinder urteilen, denn eins ist klar: Klischees sind längst nicht der Regelfall.

Sind Einzelkinder schlauer?

Die Studie eines Forscherteams um den Psychologen Jiang Qiu legt nahe, dass Einzelkinder intelligenter als Geschwisterkinder sind – dafür aber sozial weniger kompetent. Qiu ließ 250 Studenten testen und scannte ihre Gehirne. Das Ergebnis: Die Einzelkinder schnitten bei den Intelligenz- und Kreativitätstests besser ab, „zeigten aber bei den Verhaltenstests mehr negative Eigenschaften wie Abhängigkeit und Egoismus“, schreibt die „Huffington Post“ über die Untersuchung.
Die Unterschiede ließen sich laut den Forschern in den Gehirnscans zeigen. Unterschiede gebe es demnach in den Hirnregionen, die für Flexibilität, Vorstellungskraft und Gefühlskontrolle zuständig sind. Die Forscher behaupten, Einzelkinder würden durch die intensive Aufmerksamkeit der Eltern und den fehlenden Konkurrenzkampf besser gefördert. Das führe dazu, dass höhere Erwartungen an sie gestellt würden und ermögliche ein intensiveres Ausleben der Kreativität. Die Folge: mehr Intelligenz und Kreativität.
Andererseits fehle es Einzelkindern an der Interaktion mit Geschwistern, weshalb es ihnen schwerer falle, soziale Fähigkeiten aufzubauen. Der Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten widerspricht der Einschätzung: „Teilen fällt ihnen (Einzelkindern) leichter, weil sie es nicht ständig müssen“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Einzelkinder würden, solange sie früh und ausgiebig mit anderen Kindern Kontakt hätten, ebenso soziale Fähigkeiten entwickeln.
Auf der Internetseite familienhandbuch.de schreibt Kasten: „Es gibt keine wissenschaftlich fundierte Berechtigung dafür, Einzelkinder in einen Topf zu werfen und zu vergleichen mit einem anderen großen Topf Geschwisterkinder.“ Die Unterschiede zwischen allen Individuen – egal ob Einzel- oder Geschwisterkind – seien zu groß, um typische Merkmalsunterschiede zwischen den Gruppen festzulegen. Entscheidender seien laut Kasten die alltäglichen Erfahrungen der Kinder und wie sie diese wahrnehmen und verarbeiten.

In Hamm gab es Ende 2017 etwa 88 000 Haushalte. In Knapp 70 000 lebten keine Kinder, in etwa 9 400 ein Kind, in etwa 6 700 zwei Kinder, in etwa 2 500 mindestens drei Kinder.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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