„Eine kurze Auszeit vom privaten Leben nehmen“

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Miss Chrono oder bürgerlich Svenja Stein ist in ihrer Freizeit Cosplayerin

Hamm -  Cosplay ist ein Verkleidungstrend aus Japan. Besonders junge Menschen verkörpern dabei ihre Idole aus Mangas, Comics oder Videospielen. Svenja Stein, auch unter ihrem Künstlernamen Miss Chrono bekannt, hat mit yourzz-Reporterin Aleyna Kalayci über ihre Leidenschaft gesprochen. Die 27-Jährige ist Integrationskraft, nebenbei modelt sie. Bei Cosplay geht es ihr hauptsächlich um den Spaß. Sie verkleidet sich nicht unbedingt als Figuren, die aktuell im Trend liegen, sondern verkörpert auch mal ältere Figuren. Sie schaut dabei auch darauf, welcher Charakter auch optisch zu ihr passt.

Wann hast du mit Cosplay angefangen und warum? 

Svenja Stein: 2009 bin ich durch Freunde zum ersten Mal auf eine Convention, also ein Treffen von Gleichgesinnten, gegangen. Mir hat es dort so gut gefallen, dass ich 2013 aktiv mit „Cosplayen“ angefangen habe. Die Gründe sind, dass ich zum einen aus einer Familie komme, die Rock sehr mag. Außerdem finde ich die japanische Rockszene sehr interessant und allgemein passt Cosplay sehr gut zu mir.

Hast du durch Cosplay neue Freunde kennengelernt?

Stein: Ja, zum Beispiel habe ich durch Cosplay meine beste Freundin kennengelernt. Auch sind einige Fotografen zu Freunden geworden. Dadurch, dass man sich auf Conventions oder durch das Internet kennenlernt und die gleichen Interessen und Hobbys teilt, versteht man sich direkt besser und kann gut miteinander reden.

Wie war die Reaktion von Familie, Freunden und Fremden auf Cosplay?

Stein: Für meine Eltern war es erst mal eine neue Situation, da ich mich anders und ungewohnt angezogen habe und zeitgleich auch noch in eine andere Stadt gezogen bin. Doch nach meinem ersten professionellen Fotoshooting hat meine Familie mich unterstützt. Meine Freunde haben gar nicht negativ darauf reagiert, sondern eher im Gegenteil. Von fremden Leuten bekommt man beide Reaktionen – positive und interessierte Fragen, aber auch negative Sprüche. Inzwischen weiß ich auch, wie man damit umgeht.

Wie viel Geld gibst du für ein Cosplay-Outfit aus?

Stein: Natürlich schaut man, vor allem wenn man es als Hobby macht und nicht beruflich, wie man am preisgünstigsten ein Outfit herstellen kann. Mal bestellt man Sachen, kann Klamotten neu verwenden oder tauscht sie mit anderen aus. Aber grob kann ich sagen, dass ich für ein Outfit zwischen 50 und 200 Euro ausgebe.

Welche Bedeutung hat das Cosplayen für dich?

Stein: Dass ich eine kurze Auszeit vom privaten Leben nehmen kann, in andere Rollen schlüpfe und Spaß an erster Stelle steht. Ich kann mich vom ersten Kauf eines Teils an austoben. Durch viele Operationen habe ich Narben an meinem Körper, die durch Abszesse verursacht wurden. Dafür schäme ich mich nicht. Ich möchte allen sagen, dass jeder Mensch wunderschön ist, wie er ist – trotz Makel. Jeder Mensch ist besonders und einzigartig.

Trend aus Asien schwappt nach Amerika und Europa

Der Begriff Cosplay setzt sich aus den englischen Wörtern Costume (Kostüm) und Play (Spiel, Schauspiel) zusammen.
Ein Cosplayer oder eine Cosplayerin ist eine Person, die eine Figur aus Anime, Manga, Videospiel, Comic oder Film durch Verkleidung und Verhalten bestmöglich nachahmt. Die Kostüme und Accessoires werden hier entweder gekauft, mit herkömmlichen Kleidungsstücken zusammengestellt oder sogar selbst genäht und gebastelt. Dafür muss man hin und wieder ziemlich tief in die Tasche greifen. Auch Masken oder Makeup sind unverzichtbar für Cosplayer.
Der Trend kommt aus Japan und ist seit dem großen Durchbruch der Anime- und Mangaszene in den USA und in Europa weltweit verbreitet – besonders unter jungen Menschen. Es finden regelmäßig Wettbewerbe auf Messen und Conventions statt. In Deutschland gibt es solche Wettbewerbe beispielsweise auf der Comic Con, der jährlichen Gamescom in Köln und auf den Buchmessen in Frankfurt oder Leipzig. Aber nicht nur für die Wettbewerbe legen die Cosplayer ihre Kostüme an.
Viele Cosplayer spielen ihre Lieblingscharaktere auch einfach nur zum Spaß. Daher sieht man auf solchen Veranstaltungen oft Figuren wie Captain America, Prinzessin Elsa oder Jinx. Beim Cosplayen geht es hauptsächlich um den Spaßfaktor, den das Spielen seines Lieblingscharakters mit sich bringt.

yourzz-Meinung - „Den Helden ganz nah"

von yourzz-Reporterin Hannah Hartmann

Beim Cosplay geht es darum, einen Charakter aus Anime, Manga, Comic, Videospiel oder Film möglichst realistisch darzustellen. Die teilweise selbst gemachten Kostüme stehen dabei im Vordergrund und sind ein echter Blickfang.
Am wichtigsten ist natürlich, dass es einem Spaß macht. „Cosplayer“ lieben es, sich in Figuren und Charaktere hineinzuversetzen und diese, auch in abgewandelter Form, zum Beispiel mit gegensätzlichem Geschlecht, zu spielen. Die Cosplay-Gemeinschaft ist dabei eine sehr starke Community. Trotz der vielen Wettbewerbe respektieren sich die „Cosplayer“ gegenseitig. Konkurrenzkampf: Fehlanzeige.
Einige von ihnen nähen und basteln ihre Kostüme komplett selbst. Das kann je nach Aufwand ziemlich teuer werden, da auch Teile wie Hosen und Jacken selbst genäht werden. Man benötigt dafür eine Menge Stoff, geschickte Hände und ziemlich viel Geduld. Definitiv ist das nicht bloß ein Hobby, sondern eine echte Leidenschaft. Durch Cosplay kommt man seinen Helden ein kleines Bisschen näher. Es gibt auch organisierte Gruppen von „Cosplayern“, die sich zusammengeschlossen haben, um Kindern in Krankenhäusern und Hospizen eine kleine Freude zu machen – stark!

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