Skandal um DAX-Unternehmen

Wirecard: Neue Enthüllung um flüchtigen Ex-Manager Marsalek - Geheiminformationen an die FPÖ?

Das Wirecard-Logo an der Firmenzentrale in München
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Der Skandal um das insolvente DAX-Unternehmen Wirecard nimmt kein Ende.

Der Bilanzskandal um Wirecard weitet sich aus. Im Mittelpunkt der neuen Entwicklungen stehen der flüchtige Ex-Manager Marsalek - und Geheimdienstdokumente. 

  • Das DAX-Unternehmen Wirecard* schlitterte durch einen Bilanzskandal ungeahnten Ausmaßes in die Insolvenz.
  • Ex-Manager Jan Marsalek ist weiter flüchtig und entzieht sich der Strafverfolgung.
  • Gegen den Österreicher werden nun weitere Vorwürfe laut - auch Geheimdienste sind involviert.

München - Der Fall Wirecard zieht immer weitere Kreise. Nachdem der Absturz des DAX-Konzerns im Zuge eines Bilanzskandals für weltweite Schlagzeilen gesorgt hatte, werden weitere Vorwürfe gegen den untergetauchten Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek laut. 

Wie die österreichische Zeitung Die Presse von einem Insider erfahren haben will, soll Marsalek über einen Mittelsmann an geheime Informationen aus Österreichs Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT) und dem Innenministerium gekommen sein. Diese habe der Österreicher dann an die rechtspopulistische Partei FPÖ weitergegeben. 

Wirecard: War Ex-Manager Marsalek ein geheimer Informant der FPÖ?

Protokolle von SMS-Chats zwischen Ex-FPÖ-Politiker Johann Gudenus und dessen Vertrautensmann Florian S. sollen Marsaleks Weitergabe vertraulicher Informationen belegen. In den Chats werde Marsalek erwähnt.

Dem Bericht zufolge benennt S. in den Unterhaltungen als Quelle für seine brisanten Informationen aus dem Innenministerium, die er an Gudenus weitergegeben haben soll, einen gewissen "Jan". 

Das österreichische Innenministerium reagierte bereits auf die Vorwürfe gegen Marsalek und kündigte Untersuchungen an. Man schließe aber aus, dass Marsalek unter seinem echten Namen als Informant tätig gewesen sei, so ein Sprecher des Ministeriums.

Wirecard: Flüchtiger Ex-Manager Marsalek soll geheime Unterlagen zum Fall Skripal herumgezeigt haben

Unterdessen konkretisiert die Financial Times, welche Geheimdienstdokumente Marsalek in die Hände geraten sein könnten. So habe der Finanz-Manager regelrecht vor anderen Menschen mit seinem Zugang zu heiklen Dokumenten geprahlt und diese sogar offen herumgezeigt. 

Unter anderem habe dabei die Formel für das Nervengas Nowitschok die Runde gemacht. Mit dem Gift wurden 2018 im britischen Salisbury der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter attackiert. Großbritannien vermutete hinter dem Angriff einen Akt von Russlands Geheimdienst, die russische Regierung bestritt dies.

Mit dem Herumzeigen der Dokumente wollte Marsalek offenbar vor Vertretern der Londoner Finanzbranche Eindruck schinden und sich wichtig machen, glaubt die Financial Times. Von dem mit internationalem Haftbefehl gesuchten 40-Jährigen fehlt weiter jede Spur.

Übrigens: Bei dem Musik-Streaming-Dienst Spotify kam es an diesem Freitag (10. Juli) zeitweise zu einer Störung. Die App konnte auf iOS-Geräten nicht geöffnet werden. Doch durch einen Trick konnten iPhone- und iPad-User trotzdem Musik hören.

Video: Ex-Wirecard-Manager Bellenhaus stellt sich den Behörden

Während die Münchner Staatsanwaltschaft dem Ex-Chief-Operating-Officer und Vorstandsmitglied von Wirecard Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Untreue vorwirft, entzieht sich Marsalek der Strafverfolgung. Ende Juni machten Gerüchte die Runde, der Österreicher sei über die Philippinen nach China geflohen - doch diese waren wohl fingiert. Der aktuelle Aufenthaltsort Marsaleks bleibt ein Rätsel. 

Wegen der durch das Coronavirus ausgelösten Konjunkturkrise könnte der Finanzstandort Deutschland in eine Bankenkrise schlittern. Das ist das Ergebnis eines renommierten Instituts. 

(kh) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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