Winterwetter: Gewinner und Verlierer in der Wirtschaft

Berlin - Den Textilhandel freut der Schnee, den Streusalzproduzenten auch. Spediteure, Baufirmen und Versicherer leiden dagegen. Am Ende bedeutet ein harter Winter ein Milliarden-Minus für die Wirtschaft.

Der Tiefbau liegt auf Eis, die Logistikbranche kämpft mit dem Schnee und die Versicherer stellen sich auf Zusatzkosten ein. Doch nicht alle Wirtschaftsbranchen leiden unter der Kälte: Winterkleidung verkauft sich gut, in Baumärkten werden Eiskratzer und Schneeschippen knapp und Streusalz wird beim K+S- Konzern im Drei-Schichtbetrieb produziert. Unter dem Strich aber, so rechnet DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier vor, kostet ein harter Winter die deutsche Wirtschaft rund drei Milliarden Euro.

“Ein Winter, wie wir ihn zu Jahresanfang erlebt haben, führt zu Einbußen von bis zu 0,5 Prozentpunkten im Quartalswachstum“, erklärte Treier am Montag. Vor allem die Bauindustrie sei in der Periode Januar bis März lahmgelegt worden. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet für 2010 denn auch ein Umsatzminus, wegen des Wetters dürfte es nun noch etwas heftiger ausfallen, sagte Pressesprecher Heiko Stiepelmann. “Wir sind vom Winter schon jetzt hart gebeutelt. Zumal wir bis in die zweite Märzhälfte hinein Schnee und Eis hatten, wodurch ganz erhebliche Produktionsvolumina ausgefallen sind.“

Auch die Versicherungsbranche hat bei anhaltenden Minusgraden höhere Ausgaben. Mehr Unfälle, geplatzte Wasserleitungen und sonstige Sachschäden summieren sich. Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft verweist auf Zahlen des letzten Winters: “In der Zeit von Dezember 2009 bis März 2010 hatten wir zusätzliche Ausgaben in der Kfz-Versicherung von rund 230 Millionen Euro und bei den Sachversicherungen von rund 500 Millionen Euro.“

Die gesamte Transportbranche ist vom Winter ebenfalls hart getroffen. Neben Bahn und Fluggesellschaften kämpfen auch die Spediteure mit dem Wetter. Das landesweite Fahrverbot für Lkw auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen dürfte einiges kosten. Denn wenn die Fahrzeuge nicht rollen, können sie auch kein Geld verdienen, sagte Christoph Kösters vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW. Die Mitgliedsunternehmen dieses Verbandes kommen allein auf 16 000 Fahrzeuge.

Doch es gibt auch Unternehmen, da brummt das Geschäft. Beim Dax- notierten K+S-Konzern aus Kassel läuft die Streusalz-Produktion auf Hochtouren. Seit Dezember 2009 wird im vollem Drei-Schichtbetrieb Auftausalz hergestellt. Unternehmenssprecher Ulrich Göbel berichtete, dass im Laufe des Jahres schon 120 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt wurden, die Produktion wurde im Vergleich zum Vorjahr um 100 000 auf 900 000 Tonnen hochgefahren. Trotzdem sei nicht auszuschließen, dass Streusalz doch noch knapp werde in diesem Winter.

Auch im Handel gibt es Profiteure. Gerade am letzten Adventswochenende deckten sich viele Kunden mit Winterwaren ein, wie Kai Falk vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels berichtete. Wintersportartikel verkauften sich bestens. Mancherorts waren Jacken, warme Stiefel und Skiunterhosen oder Rodelschlitten sogar ausverkauft. In den Baumärkten wiederum drohten Eiskratzer und andere Winterprodukte knapp zu werden, wie Stefan Michell vom Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte sagte. Allerdings sei auch alles nachbestellt worden, “ich bin ganz optimistisch, dass die Leute nicht vor leeren Regalen stehen werden“.

dpa

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