WestLB lagert Ballast aus - Bankerinnen rücken in Aufsichtsrat

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Mit der Auslagerung von Aktivitäten wirft die WestLB Ballast ab.

Düsseldorf - Die WestLB steht unmittelbar vor der Übergabe ihres milliardenschweren Hauptpaketes an die erste “Bad Bank“ Deutschlands.

Die Auslagerung von Papieren im Volumen von rund 70 Milliarden Euro dürfte Thema der WestLB-Aufsichtsratssitzung am Freitag in Düsseldorf gewesen sein. Daran anschließend fand die Hauptversammlung der WestLB-Eigentümer statt. Die Übertragung riskanter und nicht mehr zum Kerngeschäft zählender Papiere im Gesamtvolumen von rund 77 Milliarden Euro sollte bis Ende April besiegelt werden. Ein erstes kleines Paket mit Papieren im Volumen von 6,2 Milliarden Euro und Verbindlichkeiten von 5,5 Milliarden Euro war schon zum Jahreswechsel in die “Bad Bank“ überführt worden.

Die Hauptversammlung der WestLB AG wählte Hildegard Müller und Annette Messemer zu neuen Mitglieder des Aufsichtsrates, teilte die Bank mit. Sie vertreten ab dem 1. Mai den Bund im Kontrollgremium. Müller ist Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft. Eine Station im Berufsleben der Diplom-Kauffrau war die Dresdner Bank. Messemer ist Investmentbankerin, zuletzt tätig bei Merrill Lynch Deutschland. Der Bund beteiligt sich mit einer stillen Einlage von drei Milliarden Euro an der WestLB-Kernbank. Der Großteil ist schon in den vergangenen Monaten geflossen. Im Aufsichtsrat wurden Plätze durch das Ausscheiden der Vertreter der kommunalen Landschaftsverbände, Wolfgang Kirsch und Harry Voigtsberger, frei.

Mit der Auslagerung von Aktivitäten wirft die WestLB Ballast ab. Marktschwankungen bei diesen Papieren schlagen künftig nicht mehr auf die WestLB-Bilanz durch. In dem Paket befinden sich unter anderem strukturierte Wertpapiere, Kredite und Anleihen. Die WestLB lagert auch den Großteil der von ihr gehaltenen griechischen Staatsanleihen aus, deren Gesamtvolumen auf etwa 1 Milliarde Euro geschätzt wird. Die Zusammensetzung des Paketes wurde schon 2009 bestimmt und ist keine Reaktion auf die Entwicklung der vergangenen Tagen. Die WestLB- Kernbank, die mit der Auslagerung Konturen annimmt, ist laut Vorstand profitabel. Sie muss 2011 nach den EU-Auflagen verkauft werden.

Die WestLB verbuchte 2009 noch einen hohen Verlust von gut einer halben Milliarde Euro. Bereinigt um Sondereffekte wie den Umbau des Konzerns hätte die Kernbank aber einen Vorsteuer-Gewinn von fast 300 Millionen Euro erzielt, sagte Bankchef Dietrich Voigtländer im März. Die nordrhein-westfälische Landesbank hat bisher fünf Eigentümer: Größter Aktionär ist das Land Nordrhein-Westfalen mit direkt und indirekt 48,2 Prozent. Die Sparkassen-Verbände Rheinland und Westfalen halten je gut 25 Prozent und die Landschaftsverbände je 0,9 Prozent. Der Bund hat bei der stillen Einlage eine Wandel-Möglichkeit in Aktien. Er will aber nicht die unternehmerische Führung innehaben und deshalb höchstens knapp 50 Prozent an der Kernbank übernehmen.

dpa

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