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BDI-Präsident Kempf verteidigt Forderung nach Weltraumbahnhof in Deutschland

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Eine Ariane-Rakete startet vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) ins All. (Archivbild)

Der BDI fordert einen Weltraumbahnhof in Deutschland, Wirtschaftsminister Altmaier will das prüfen. Doch ist Deutschland überhaupt dafür geeignet? BDI-Präsident Kempf verteidigt die Forderung.

Update vom 11.11.2019: BDI-Präsident Dieter Kempf verteidigt im Interview die Idee eines Weltraumbahnhofs in Deutschland. „Manche haben den Vorstoß ja eher belächelt. Dabei ist die Sache kein Witz: Satelliten- und Weltraumtechnik sind eine Schlüsseltechnologie für die gesamte Industrie“, so Kempf. „Wir wollen keine Ariane-Raketen von der Berliner Friedrichstraße aus starten. Ein kleiner Weltraumbahnhof ist wirtschaftlich sinnvoll für Deutschland. Den werden wir brauchen, da bin ich sicher“, so der BDI-Präsident weiter.

Bundesverband der Deutschen Industrie fordert Weltraumbahnhof für Deutschland

Erstmeldung, 21.10.2019: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert die Errichtung eines Weltraumbahnhofs in Deutschland - und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will diese Forderung nun überprüfen. „Raumfahrt begeistert viele Menschen und sichert tausende Arbeitsplätze in Deutschland“, so Altmaier gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Doch eignet sich Deutschland überhaupt für einen Weltraumbahnhof? Das ist umstritten. Es gibt gute Gründe, warum die bisher bestehenden Weltraumbahnhöfe (mit Ausnahme von Esrange im Norden Schwedens) sich nicht in Europa befinden. Es ist viel Energie nötig, bis eine Rakete von der Erde abheben kann. In der Nähe des Äquators ist die Erdrotation schneller - das bedeutet, dass die Rakete beim Start weniger beschleunigen muss, um auf die benötigte Geschwindigkeit zu kommen. Das bedeutet, dass ein Start in Äquatornähe einfacher und günstiger ist, außerdem ist es so leichter, eine äquatornahe Umlaufbahn zu erreichen.

Europäischer Weltraumbahnhof für Äquatorialstarts: Kourou

Ein Beispiel für einen Weltraumbahnhof, der sich gut für Äquatorialstarts eignet, ist der europäische Weltraumbahnhof in Kourou im französischen Überseegebiet Französisch-Guayana. Der Ort befindet sich sehr nahe am Äquator, außerdem ist die Region sehr dünn besiedelt - ein wichtiges Kriterium, da man bei Weltraumbahnhöfen auch immer mit Fehlstarts und herabstürzenden Trümmern, aber auch mit abgetrennten Raketenstufen und Boostern rechnen muss.

Die russischen Weltraumbahnhöfe (Kosmodrome) liegen für äquatoriale Umlaufbahnen zu weit im Norden, weshalb russische Raketen meist vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan starten. Für Satelliten mit polaren Umlaufbahnen ist ein Start in der Nähe eines Pols von Vorteil - beispielsweise vom Kosmodrom Plessezk in Russland und dem Pacific Spaceport Complex in Alaska.

Europäische Weltraumbahnhöfe sollen in Schottland und Italien entstehen

All diese Voraussetzungen haben Deutschland und Kontinentaleuropa nicht vorzuweisen. Trotzdem könnte es bald die ersten Weltraumbahnhöfe in Europa geben: Schottland plant einen Weltraumbahnhof auf der Halbinsel A‘Mhoine*, das private Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic will einen Weltraumbahnhof im Süden Italiens errichten. Und auch Portugal denkt über einen eigenen Weltraumbahnhof auf den Azoren nach.

Der BDI hatte vergangene Woche eine „Berliner Weltraumerklärung“ vorgestellt und darin unter anderem auch eine Erhöhung des nationalen Raumfahrbudgets von 285 Millionen auf 726 Millionen Euro gefordert. „Die Bundesregierung sollte die Voraussetzung für den Bau eines privaten Weltraumhafens in Deutschland schaffen und eine deutsche Trägerrakete für kleine Nutzlasten durch Ausschreibung und Auftragsvergabe fördern“, heißt es in einer Pressemitteilung des BDI.

BDI: Deutscher Weltraumbahnhof soll nicht in Konkurrenz zu Kourou stehen

Konkret stellt sich der BDI einen Micro-Space-Port vor, von dem aus kleinere Lasten gestartet werden können. Dieser Weltraumbahnhof solle jedoch nicht in Konkurrenz zum Weltraumbahnhof in Kourou stehen, sondern diesen ergänzen.

In der „Berliner Weltraumerklärung“ finden sich insgesamt acht Vorschläge - darunter auch die Idee, 2024 eine deutsche Astronautin mit den USA zum Mond fliegen zu lassen. Die USA wollen mit dem Programm „Artemis“ 2024 auf den Mond zurückkehren - von einer deutschen Astronautin war bisher nie die Rede. „Eine gemeinsame bemannte Mondmission mit einer deutschen Astronautin wäre ein starkes transatlantisches Signal, würde die Begeisterung für Raumfahrt und MINT-Berufe stärken und neue technologische und wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen“, betont jedoch BDI-Präsident Dieter Kempf.

Von Tanja Banner

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