Studie: Mehr als 100.000 deutsche Firmen insolvenzgefährdet

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Rund 113.000 Unternehmen sind laut Creditreform insolvenzgefährdet.

Düsseldorf - Keine Entwarnung bei den Firmenpleiten trotz Konjunkturaufschwung: Rund 113.000 Unternehmen sind laut Creditreform insolvenzgefährdet.

Nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise sind in Deutschland laut einer Studie mehr als 100 000 Unternehmen insolvenzgefährdet. Die Zahl der risikobehafteten Unternehmen sei trotz der deutlichen Konjunkturerholung im ersten Halbjahr 2010 nur leicht zurückgegangen, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag in Düsseldorf mit. Sollte es zu einem erneuten Einbruch der Konjunktur kommen, drohe ein kräftiger Anstieg der Pleiten. Für das laufende Jahr erwartet Creditreform unverändert eine leichte Zunahme der Unternehmensinsolvenzen auf 34 000 bis 36 000 Fälle.

Nach der Untersuchung verfügten im ersten Halbjahr 2010 bundesweit insgesamt 113.000 Unternehmen nur über eine sehr schwache Bonität, also Zahlungsfähigkeit. Das seien 3,46 Prozent von 3,3 Millionen Unternehmen. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2009, als 115.000 Firmen oder 3,54 Prozent als risikoreich eingestuft wurden, sei das nur ein kleiner Rückgang. Insgesamt zeigten sich die Unternehmen anfälliger als in den Jahren 2006/2007, als die Quote unter 3 Prozent gelegen habe und 91.000 beziehungsweise 90.500 Firmen dazu gezählt wurden. Die Spanne der ausfallgefährdeten Unternehmen reiche von knapp 2 Prozent in der Chemieindustrie bis zu fast 9 Prozent im Gastgewerbe.

“Die gegenwärtig gut laufende Konjunktur darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass erst 2011 das Jahr der Wahrheit sein dürfte“, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht. Rückschläge drohten vor allem dann, wenn der Exportmotor stottern sollte. 2010 könne sich der Aufschwung auf Sondereffekte wie milliardenschwere Konjunkturpakete des Staates und Nachholeffekte aus dem Rezessionsjahr 2009 stützen. Nach den Erfahrungen aus früheren Konjunkturverläufen müssten die Firmenpleiten 2011 in Deutschland stagnieren oder zurückgehen.

Der Mittelstand habe sich als “Puffer“ in der Krise erwiesen. Diese Bild habe auch die Untersuchung ergeben. Die Bonität dieser Unternehmen sei nicht so stark gesunken wie bei Großunternehmen. Viele kleine und mittelgroße Unternehmen hätten allerdings die Jahre vor der Wirtschaftskrise nicht genutzt, ihre Eigenkapitalbasis zu verbessern. Im Gastgewerbe wiesen sogar vier von zehn Unternehmen eine “dürftige“ Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent aus.

In Nordrhein-Westfalen stiegen die Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2010 zweistellig um 13 Prozent auf rund 5900 Fälle, wie das Statistische Landesamt unabhängig davon in Düsseldorf mitteilte. Creditreform geht davon aus, dass NRW mit seiner exportabhängigen Wirtschaft diesmal einen Sonderfall darstelle. Der Anstieg der Firmenpleiten dürfte im Bundesdurchschnitt deutlich niedriger ausfallen. Das Statistische Bundesamt will an diesem Mittwoch Halbjahreszahlen zu den Insolvenzen in Deutschland bekanntgeben.

Der Höchststand der Firmenpleiten lag laut Creditreform 2003/2004 bei knapp 40.000 Fällen. Ursprünglich hatte die Wirtschaftsauskunftei mit dieser Größenordnung an Firmenpleiten auch für 2010 gerechnet. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit rund 33.000 Firmenpleiten.

dpa

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