Siemens macht 4,1 Milliarden Euro Gewinn

München - Siemens hat seinen Gewinn im Geschäftsjahr 2010 um zwei Drittel auf 4,1 Milliarden Euro gesteigert und die Aktionäre mit einer noch stärkeren Dividendenerhöhung überrascht.

Sein Betriebsergebnis verbesserte Europas größter Elektronikkonzern gar auf den Rekordwert von 7,8 Milliarden Euro. Vorstandschef Peter Löscher kündigte am Donnerstag für 2011 einen weiteren Gewinnsprung um mindestens 25 Prozent an und erklärte: “Wir kommen mit vollem Schwung aus der Krise. Unser Wachstum gewinnt an Fahrt.“ Das Sparprogramm mit dem Abbau von 17.000 Stellen habe Siemens wieder profitabel gemacht, sei aber jetzt abgeschlossen, sagte Löscher. Nach zweijährigem Umsatzrückgang schlage Siemens jetzt “ein völlig neues Kapitel in der Firmengeschichte auf“. Für 2011 kündigte er ein moderates Umsatzwachstum, ein deutliches Auftragswachstum und mehr als 5,0 Milliarden Euro Gewinn an.

Dividende erhöht sich auf 2,70 Euro

Die Dividende macht einen Sprung von 1,60 auf 2,70 Euro - damit schüttet Siemens fast die Hälfte des Gewinns an die Aktionäre aus. Auch in Zukunft werde Siemens 30 bis 50 Prozent des Gewinns als Dividende ausschütten, sagte der Konzernchef. “Mit der neuen Dividendenpolitik setzen wir für langfristig orientierte Anleger einen weiteren Anreiz, in Siemens zu investieren“, erklärte Löscher. Die Siemens-Aktien legten am Donnerstagvormittag gegen den Trend im DAX mehr als 2,5 Prozent zu. Den weltweit 400.000 Mitarbeitern hatte der Konzern bereits am Mittwoch eine Sonderzahlung von 310 Millionen Euro zugesagt; die 128.000 Mitarbeiter in Deutschland profitieren zudem von einer vorgezogenen Tariferhöhung und einer Beschäftigungsgarantie.

Kraftwerke füllten die Kasse

Der Umsatz sank im Ende September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr zwar auf Jahressicht um ein Prozent auf 75,9 Milliarden Euro, legte aber seit dem Sommer wieder kräftig zu. Der Auftragseingang stieg um drei Prozent auf 81,2 Milliarden Euro. Die Kunden kauften vor allem fossile Kraftwerke, Automatisierungs- und Steueranlagen für die Industrie sowie Computertomografen. Diese Bereiche lieferten die höchsten Gewinne. Den größten Ergebniszuwachs verbuchte Osram, das dank der Nachfrage nach Automobillampen und LED-Leuchten seinen Gewinn versechsfachte. Den größten Auftragszuwachs verzeichnete Siemens mit Windkraftanlagen. “Die Erfolgsgeschichte bei erneuerbaren Energien hält weiter an“, sagte Löscher. Umsatzwachstum erzielte Siemens vor allem in Brasilien, Indien und China. Den größten Ergebnisbeitrag lieferte erneut der Energiesektor mit 3,6 Milliarden Euro, gefolgt vom Industriesektor mit 3,5 Milliarden Euro. Die Abschreibung in der Labordiagnostik ließ den sonst ebenfalls guten Ergebnisbeitrag der dritten Sparte Medizintechnik auf 0,7 Milliarden Euro schrumpfen.

Rote Zahlen im dritten Quartal

Nachdem der Konzern “in den vergangenen Jahren auf Profitabilität getrimmt“ worden sei, werde sich Siemens jetzt auf Wachstum konzentrieren, erläuterte Löscher. Wichtigste Treiber seien die Umwelttechnik, maßgeschneiderte und auch einfachere Produkte für Schwellenländer sowie das Service-Geschäft. Außerdem wolle Siemens den weltweit wachsenden Städten mehr nachhaltige Infrastrukturlösungen verkaufen. In den vergangenen zwei Jahren hatte Siemens Umsatz eingebüßt. Mit dem neuen Zielsystem “'One Siemens ' werden wir nun durchstarten und unsere Position nachhaltig ausbauen“, sagte Löscher. “Nun spielen wir offensiv.“ Einen höheren Jahresgewinn als 2010 hatte Siemens nur 2000 mit dem Infineon-Börsengang und 2007 mit dem VDO-Verkauf erzielt. Jetzt hatte die Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro auf drei vor Jahren zu teuer übernommene Medizintechnik-Firmen ein noch besseres Ergebnis verhindert: Die Wertberichtigung in den Büchern ließ Siemens im vierten Quartal in die roten Zahlen rutschen - unter dem Strich stand ein Quartalsverlust von 396 Millionen Euro. Trotzdem schaffte Siemens das beste operative Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte.

dapd

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