Rentenalter

Bundesbank will Rente mit 69

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In Rente das Leben genießen - davon träumen viele. Doch in welchem Alter darf man in Rente gehen? Die Bundesbank will das Rentenalter auf 69 Jahre und vier Monate anheben.

Die Bundesbank fordert die Anhebung der Altersgrenze für die Rente auf 69 Jahre und vier Monate. So soll unter anderem der steigenden Lebenserwartung Rechnung getragen werden.

Ab einem gewissen Alter fangen Arbeitnehmer an, sich mit dem Thema Rente auseinanderzusetzen. Rente mit 63? Rente mit 65? Rente mit 67? Die Bundesbank regt nun an, das Renteneintrittsalter bis 2070 auf 69 Jahre und vier Monate anzuheben. „Durch die demografische Entwicklung gerät die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung künftig unter erheblichen Druck, insbesondere ab Mitte der 2020er Jahre“, stellt die Notenbank in ihrem Monatsbericht Oktober fest - und sieht „Anpassungsbedarf bei den zentralen Stellgrößen der Rentenversicherung“. Ein wichtiger Ansatzpunkt sei dabei das Rentenalter.

Bundesbank schlägt Rente mit 69 vor

Derzeit wird die Altersgrenze der gesetzlichen Rente schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre angehoben. Doch ab Mitte der 2020er Jahre erreichen die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter, weshalb die Anhebung auf 67 Jahre nicht reichen dürfte, sagen Experten. Deshalb schlägt die Bundesbank vor, das Rentenalter an die zunehmende Lebenserwartung zu koppeln und sie nach 2030 so anzuheben, „dass die Relation von Renten- zu Beitragsjahren in etwa stabil bleibt“.

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Der Vorschlag der Bundesbank würde bedeuten, dass Menschen mit Geburtsjahrgang 2001 ab Mai 2070 mit 69 Jahren und vier Monaten in Rente gehen. Diese Anpassung würde die Rentenkasse entlasten - und gleichzeitig „das gesamtwirtschaftliche Potenzial stärken und damit die Bemessungsgrundlagen für Steuern und Sozialbeträge stützen“. Auch die EU-Kommission, der IWF und die OECD hätten nahegelegt, „das Rentenalter mit steigender Lebenserwartung weiter anzuheben“, heißt es bei der Bundesbank.

Rente mit 69: Experte befürwortet den Vorschlag der Bundesbank

Der Chef des Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, befürwortet den Vorstoß der Bundesbank - mit Einschränkungen. Die Anpassung solle „nicht allein durch ein höheres Rentenzugangsalter erfolgen, sondern nur in dem Maße, in dem die Lebenserwartung steigt“, so Fuest gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er weißt außerdem darauf hin, dass mit körperlich belastenden Berufen oder einem niedrigen Einkommensniveau eine im Vergleich etwa zu Akademikern geringere Lebenserwartung einhergehe.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), plädiert gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ für einen flexiblen Renteneintritt. Er betont jedoch auch: „Ohne eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit wird ein nachhaltiges Rentensystem nicht möglich sein.“

Bundesbank-Vorschlag zur Rente mit 69 ist umstritten

SPD, Grüne und Linke halten von dem Vorschlag der Bundesbank zur Rente mit 69 nicht viel. Der Grünen-Rentenexperte Markus Kurth fordert eine „Strategie für ein gesünderes längeres Arbeiten und keine Rente mit 69 für alle“. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch fordert, die Beitragsbasis für die Rentenkasse zu verbreitern: Man müsse hinterfragen, warum es für Beamte, Selbstständige und Politiker Extra-Systeme zur Altersvorsorge gebe, so Bartsch.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) weist den Vorschlag der Bundesbank zurück. „Bereits die Rente mit 67 war ein Fehler“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Schon heute würden viele ältere Arbeitnehmer nicht das gesetzliche Rentenalter erreichen, würden vorher arbeitslos oder chronisch krank und „retten sich nach Bezug von Arbeitslosengeld I und II oder Krankengeld nur mit Mühe in eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen", so Buntenbach.

Außerdem sei das Sterblichkeitsrisiko bei den Menschen höher, die schwer arbeiteten. „Wer also das Renteneintrittsalter anhebt, kürzt all diesen Menschen eiskalt deren Rente. Gerecht geht anders“, erklärt Buntenbach weiter.

Rente mit 69: Bundesbank will Erhöhung des Eintrittsalters

Bundesbank will Rente mit 69 - Arbeitgeberverband und FDP stimmen zu

Der Arbeitgeberverband BDA befürwortet den Vorschlag der Bundesbank dagegen. „Die gewonnene Lebenserwartung muss auch zu einer längeren Erwerbsphase führen und darf nicht nur einen immer längeren Ruhestand bedeuten“, sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Weg dahin sei zweitrangig: „Eine Indexierung des gesetzlichen Rentenalters ist ebenso denkbar wie eine schrittweise gesetzliche Anhebung.“

Auch FDP-Vizefraktionschef Michael Theurer begrüßt die Forderung der Bundesbank. Sie sei „ein wichtiger Impuls in der Debatte um Generationengerechtigkeit“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ein flexibles Renteneintrittsalter würde den Fehler der großen Koalition korrigieren, das Alter für den Eintritt in den Ruhestand abzusenken.“ Andernfalls werde die durch Umlagen finanzierte Rente sehr bald an ihre Grenzen stoßen. (mit dpa/afp)

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Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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