Nach Machtkampf:

Reitzle neuer Chef bei Continental

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Wolfgang Reitzle ist neuer Aufsichtsratschef bei Continental.

Herzogenaurach - Der Conti-Aufsichtsrat hat mit der Berufung von Linde-Chef Wolfgang Reitzle zum neuen Vorsitzenden und der Neubesetzung lange vakanter Vorstandsposten wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.

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Neuer Finanzvorstand wird zum 1. Januar 2010 der 50-jährige Geschäftsführer des Stuttgarter Autozulieferers Behr, Wolfgang Schäfer. Ebenfalls in den Vorstand berufen wurde José Avila (54), der zum 01. Januar 2010 die Leitung der Antriebssparte Powertrain übernehmen soll. Avila ist studierter Ingenieur und führt bisher beim US-Zulieferer Delphi den Bereich Dieselsysteme. Die Personalentscheidungen teilte Conti am Montag in Hannover mit.

Conti-Großaktionär Schaeffler begrüßte die Entscheidungen. “Mit dieser starken Führungsmannschaft sind wir für die anstehenden Aufgaben bei der Continental AG hervorragend aufgestellt“, erklärte Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler in einer Mitteilung in Herzogenaurach. Nun könnten die großen Potenziale umgesetzt werden, die im Zusammenschluss von Schaeffler und Conti lägen. Hohe Erwartungen richten sich vor allem an Reitzle.

Der 60 Jahre alte frühere Auto-Manager soll den Konzern nach dem dramatischen Machtkampf mit seinem Großaktionär gemeinsam mit dem neuen Conti- Vorstandschef Elmar Degenhart wieder in ruhigeres Fahrwasser führen.

Die Unternehmen ringen seit über einem Jahr um eine gemeinsame Zukunft. Reitzle tritt die Nachfolge des Schaeffler-Beraters Rolf Koerfer an, der dem Aufsichtsrat aber als Mitglied des Präsidiums weiterhin angehören wird. Continental und Schaeffler hatten Mitte August mit einem grundlegenden Umbau der Conti-Spitze ihre monatelangen Querelen beendet. Der Kompromiss sah vor, dass Vorstandschef Karl-Thomas Neumann durch den Schaeffler-Manager Degenhart abgelöst wird. Neumann hatte das Vertrauen von Schaeffler verloren.

Zugleich sah die Einigung vor, dass Koerfer seinen Posten als Aufsichtsratschef aufgibt. Enorme Herausforderungen stellen sich auch dem neuen Finanzvorstand. Der studierte Betriebswirt, der seit 2001 Geschäftsführer beim Familienunternehmen Behr in Stuttgart ist, kennt sich in der Branche zwar gut aus. Die Aufgabe, die bei der großen börsennotierten Conti auf Schäfer wartet, ist jedoch gewaltig. Das Unternehmen ist wegen der Übernahme der früheren Siemens-Tochter VDO mit über zehn Milliarden Euro hoch verschuldet. Im August 2010 wird ein Kredit von 3,5 Milliarden Euro fällig. Wie die Finanzierung aufgebracht werden soll, ist bisher noch unklar. Nach der Aufsichtsratssitzung am Montag wurde zu diesem Thema zunächst nichts bekannt.

Im Mittelpunkt steht die Frage einer möglichen Kapitalerhöhung und ihr Volumen. Der Aufsichtsrat hatte Ende Juli grünes Licht für die Vorbereitung einer Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro gegeben. Conti braucht dringend frisches Geld. Bei der Ausgabe neuer Aktien würden auch die Anteile von Großaktionär Schaeffler verwässert. Diskutiert wird über ein Gesamtkonzept zur Finanzierung, dessen Ausgestaltung im einzelnen noch nicht bekannt ist.

Das Familienunternehmen Schaeffler aus Herzogenaurach hält knapp die Hälfte der Conti-Aktien, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt. Schaeffler war wegen des Erwerbs der Mehrheit an Conti in eine finanzielle Schieflage geraten, hatte sich aber Mitte August mit seinen Gläubigerbanken auf ein neues Finanzierungskonzept geeinigt.

dpa

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