Neuer Riese am Mobilfunk-Markt

O2-Mutter Telefónica kauft E-Plus

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Das undatierte Foto zeigt die Zentrale des Mobilfunkanbieters Telefonica/O2 in München (Oberbayern).

Frankfurt am Main - Der Mobilfunkanbieter KPN verkauft seine deutsche Tochter E-Plus an das spanische Unternehmen Telefónica. Dessen deutsche Tochter ist O2. Auch die Details des Deals wurden bekannt:

Mit der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) entsteht ein neuer Marktführer im deutschen Mobilfunk: Zusammen kommen E-Plus und O2 auf 43 Millionen Kunden - das ist mehr als ein Drittel des Marktes. Wenn die Wettbewerbshüter sowie die Hauptversammlungen von Telefónica Deutschland und der niederländischen E-Plus-Mutter KPN zustimmen, lässt das neue Unternehmen die bisherigen Platzhirsche T-Mobile und Vodafone hinter sich.

Wie KPN am Dienstag mitteilte, zahlt Telefónica Deutschland für die Übernahme 8,1 Milliarden Euro. Die Niederländer erhalten 5 Milliarden Euro in bar und halten nach Abschluss der Transaktion 17,6 Prozent an Telefónica Deutschland. Mit dem Schulterschluss will Telefónica Deutschland endlich Größenvorteile nutzen, die bisher T-Mobile und Vodafone vorbehalten waren. Die Münchner versprechen sich Kostenersparnisse in Vertrieb, Kundenservice und den Netzen in Höhe von 5 bis 5,5 Milliarden Euro. Jährlich sollen es 800 Millionen Euro sein.

Telefónica Deutschland ist hierzulande vor allem durch seine Kernmarke O2 bekannt. Ob sich Name und Preisstruktur nach einem Zusammengehen ändern, konnte ein Telefónica-Deutschland-Sprecher auf Anfrage nicht sagen: „Dafür ist es noch zu früh.“ Auch über die Zukunft der einzelnen Marken sei noch nicht entschieden.

An der Börse fiel die Aktie von Telefónica Deutschland bis zum Mittag um 1,0 Prozent auf 5,64 Euro. Allerdings hatte die Aktie am Montagabend stark zugelegt. Börsianer bewerten die Übernahme positiv, da die Kostenersparnisse die Ausgaben übersteigen dürften.

Die T-Aktie stieg indes um 2,34 Prozent auf 9,34 Euro. Einige Experten halten es für möglich, dass Telefónica Deutschland und E-Plus Zugeständnisse an die Wettbewerbshüter machen müssen. Die Kosten für Auktionen von Mobilfunkfrequenzen könnten sinken, wenn es statt vier nur noch drei Netzbetreiber gibt.

Trotzdem dürfte die Deutsche Telekom nach Ansicht von Experten am Ende der Verlierer dieser Hochzeit sein. Der Wettbewerb wird härter. Der Ex-Monopolist hatte bisher nur einen Mobilfunk-Konkurrenten auf Augenhöhe: Vodafone. Nun kommt ein zweiter Wettbewerber hinzu, der auch auf Qualität setzt und die Mobilfunknetze der neuen Generation (LTE) ausbaut.

Noch stehen die Zustimmung der Hauptversammlungen von KPN und Telefónica Deutschland sowie die Genehmigung der Wettbewerbshüter aus. Grünes Licht durch die Behörden ist keine ausgemachte Sache, da die Kartellwächter in der Verringerung von vier auf drei Konkurrenten einen Schaden für den Wettbewerb sehen könnten. Eine geringe Anzahl von Anbietern zieht gemeinhin höhere Preise für Handy-Kunden nach sich.

Eine Ehe der beiden kleinen deutschen Mobilfunker war bereits vor einem Jahr im Gespräch. KPN und Telefónica konnten sich dem Vernehmen nach aber nicht einigen. Damals ächzte die spanische Konzernmutter Telefónica unter ihrem Schuldenberg. Seitdem hat sich die Lage wieder entspannt und Telefónica bekommt wieder neue Kredite.

dpa

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