Neue Hoffnung für Teile von Quelle

Nürnberg - Für einige hundert Beschäftigte des insolventen Versandhauses Quelle gibt es überraschend neue Hoffnung: Zwei Investoren haben Interesse.

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Es handelt sich bei den relevanten Bereiche um den Kern des Deutschlandgeschäfts Möbel, Küchen, Haus- und Heimtextilien sowie Küchengeräte. Dies bestätigten am Freitag übereinstimmend der Nürnberger Wirtschaftsreferent Roland Fleck (CSU) und der Quelle- Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel der Deutschen Presse- Agentur dpa.

“Damit könnten möglicherweise die Arbeitsplätze von einigen hundert Beschäftigten gerettet werden“, sagte Fleck. Es handle sich um zwei sehr ernsthafte Interessenten mit plausiblen Konzepten. Sie hätten ihr Interesse bereits formell bekundet. Der Wirtschaftsreferent appellierte an den Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, dem Konzept eine faire Chance zu geben.

Laut Sindel ist der Insolvenzverwalter bereits eingebunden. Görgs Sprecher Thomas Schulz sagte der dpa dagegen: “Wenn es diese Investoren gibt, sollen sie sich schleunigst beim Insolvenzverwalter melden.“ Fleck und Sindel bestätigten mit ihren Äußerungen einen Bericht der “Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Laut SZ soll die Ware den Konzepten zufolge wie bisher über Katalogversand, Internet und eigene Läden vertrieben werden.

Unterdessen verscherbelt die insolvente Quelle ihre restliche Ware im Internet. Auf der Internet-Seite des Fürther Versandhauses wurden am Freitag teils sagenhafte Preisnachlässe angeboten. So soll eine dreiteilige Möbelgarnitur mit Sitzecke, Couchtisch und Anrichte am Freitag nur 55 Euro anstatt 3200 Euro kosten. “Bei mehr als 10 Bestellungen entscheidet das Los“, hieß es. Viele andere Produkte sind ebenfalls mit Rabatten ausgezeichnet. So kostet ein Damenkleid 27,99 statt 69,99 Euro, eine Herren- Armbanduhr 64,99 statt 129,99 Euro, und eine Waschmaschine gibt es für 499,99 statt 699,99 Euro.

Mit den Erlösen aus dem Ausverkauf hofft der Insolvenzverwalter diejenigen Beschäftigten bezahlen zu können, die für die Abwicklung noch einige Wochen lang gebraucht werden. Mehrere tausend Quelle-Beschäftigte werden ihren Job verlieren. Die Bundesagentur für Arbeit will die gekündigten Mitarbeiter von Montag an in einer eigenen Außenstelle im Quelle-Versandzentrum in Nürnberg beraten.

Schon am Freitag waren die Auszubildenden dran: Rund 150 junge Leute wurden über offene Stellen und Leistungsansprüche informiert. Die Arbeitsagentur zeigte sich zuversichtlich, dass alle Auszubildenden untergebracht werden könnten. Allein der Handelskonzern Metro will bis zu 50 junge Menschen übernehmen. Auch der zum Otto-Konzern gehörenden Baur- Versand im oberfränkischen Burgkunstadt will Quelle-Azubis einstellen.

Für den erwarteten Ansturm von Arbeitslosen sieht sich die Nürnberger Arbeitsagentur gerüstet. Bislang hätten 850 Quelle- Mitarbeiter ihre Kündigung in der Hand; sie sollen gleich am Montag betreut werden. Dann folgen die Mitarbeiter der Versandgruppe Primondo und die weiteren Quelle-Beschäftigten, sagte der zuständige Geschäftsführer der Regionaldirektion für Arbeit, Klaus Beier.

Der Interessenverband der Quelle-Shop-Inhaber bemüht sich derweil um einen Fortbestand der Läden in Eigenregie. Er habe mit Branchenkennern einen Einkaufsring gegründet, sagte der Verbands- Vorsitzende Detlef Stechert dem Sender MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt. Er bestätigte damit einen Bericht der “Bild“-Zeitung (Freitag). Das Interesse bei den Betreibern der bundesweit 1500 Quelle-Shops sei riesig.

Die “Bild“-Zeitung berichtete unterdessen, Insolvenzverwalter Görg werde möglicherweise auf seine Bezahlung für das Quelle-Verfahren verzichten. Er beabsichtige, mit seinen Vergütungsansprüchen auf einen hinteren Gläubigerrang zurückzutreten. Der Insolvenzverwalter gab dazu keine Stellungnahme ab. Görg will mit seinem Team die Sanierung der ebenfalls insolventen Warenhaus-Kette Karstadt vorantreiben. Den Beschäftigten stehen harte Einschnitte bevor. Sie sollen zur Sanierung des Unternehmens über drei Jahre verteilt insgesamt 150 Millionen Euro beitragen.

Die zuständige Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi habe beschlossen, mit der Karstadt-Geschäftsführung über einen entsprechenden Sanierungstarifvertrag zu reden, sagte die Verdi-Vizevorsitzende Margret Mönig-Raane. Die Gespräche seien in der kommenden Woche von Dienstag bis Donnerstag in Essen geplant. Der Insolvenzverwalter verlangt demnach zur Rettung des Unternehmens Beiträge von allen Beteiligten, also Mitarbeitern, Vermietern der Häuser, Lieferanten und Banken.

In welcher Form dies erbracht werde - Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Mehrarbeit oder andere Einschnitte - sei noch offen. Mönig-Raane: “Klar ist aber eins: Wir greifen auf keinen Fall in Monatsgehälter ein.“

dpa

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