Munich Re: 1 Milliarde Verlust wegen Katastrophen

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Ein umgekipptes Haus liegt auf Schutt und Trümmern, aufgenommen am 02.05.2011 in Ofunato, Japan. Der mächtige Tsunami zerstörte die japanische Hafenstadt Ofunato Anfang März vollständig.

München - Es war keine Frage mehr des “Ob“, sondern nur noch des “Wie viel“: Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat wegen der Naturkatastrophen in Japan, Australien und Neuseeland im ersten Quartal hohe Verluste aufgetürmt.

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Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re muss um seinen Gewinn für 2011 bangen: Die Naturkatastrophen in Australien und Neuseeland zu Jahresbeginn und vor allem Erdbeben und Tsunami in Japan haben dem Konzern im ersten Quartal einen Verlust von knapp einer Milliarde Euro eingebrockt. Mit einer Dividende von 6,25 Euro je Aktie zählte das Unternehmen bisher zu den profitabelsten Dax-Werten.

Unter dem Strich stand nach den ersten drei Monaten ein Fehlbetrag von 947 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war es noch ein Plus von 482 Millionen Euro . “Wir wollen und können selbst nach diesen verheerenden Naturkatastrophen einen Gewinn für das Gesamtjahr erzielen“, betonte Finanzchef Jörg Schneider bei der Präsentation der Quartalszahlen am Montag in München. Wie hoch dieser ausfallen soll, ließ das Management jedoch offen. Schneider musste auch einräumen, dass es für einen Überschuss am Jahresende nur noch einen Spielraum von 700 bis 750 Millionen Euro für Schäden aus Naturkatastrophen gebe.

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In den ersten drei Monaten des Jahres schlugen Erdbeben und Überschwemmungen in Australien, Neuseeland und Japan mit 2,7 Milliarden Euro zu Buche. Allein die Schäden in Japan kommen Munich Re mit vorläufig geschätzten 1,5 Milliarden Euro fast so teuer wie die bei dem Konzern rückversicherten Schäden aus Naturkatastrophen für das gesamte Jahr 2010. Diese Summe sei “noch nicht der Deckel“, sagte Schneider. Der Schadensschätzprozess werde wohl noch sechs Monate andauern.

Die Konzernführung baut nun darauf, dass der Schock über die Wucht der Katastrophe in Japan zu einer höheren Nachfrage nach Rückversicherungen weltweit und vor allem in der Region führt und sich deutlich höhere Preise durchsetzen lassen. In Japan seien im April erneuerte Erdbebenversicherungen zum Teil um die Hälfte teurer gewesen, sagte Schneider. Für noch ausstehende Vertragsneuverhandlungen mit einigen Großkunden rechnet er mit zwischen 25 und mehr als 50 Prozent Aufschlag je nach Ausmaß der erlittenen Schäden.

Auch im ersten Quartal 2010 hatte Munich Re außergewöhnliche Belastungen insbesondere wegen des schweren Erdbebens in Chile verkraften müssen. Damals konnte das Unternehmen aber noch mit Gewinnen vor allem aus dem Verkauf von Unternehmensanleihen gegenhalten und einen Gewinn von 482 Millionen Euro präsentieren. Von den Finanzmärkten kam dieses Mal jedoch keinerlei Hilfestellung, im Gegenteil: Im Vergleich zum Vorjahreszeitrum schumpften die Gewinne aus Kaptalanlagen um ein Fünftel auf knapp zwei Milliarden Euro.

Auch in der Erstversicherung hatte Munich Re Belastungen zu verkraften. Die Tochter Ergo, zu der auch der Krankenversicherer DKV, die Rechtsschutzversicherung D.A.S und die Reiseversicherung ERV gehören, musste Abschreibungen von 34 Millionen Euro auf ihr Südkorea-Geschäft vornehmen.

Hauptkonkurrent Swiss Re hatte vorige Woche ein Minus von 665 Millionen Dollar (448 Mio Euro ) bekanntgegeben. Die Hannover Rück rettete sich mit Anlagegewinnen sowie einer Steuergutschrift zwar in die schwarzen Zahlen, senkte aber ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr.

dpa

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