Mehr Geld für Arbeitnehmer: die Konsequenzen des Mindestlohns

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Bleibt Arbeitnehmern 2015 nun tatsächlich mehr Geld? Das ist eine Frage, die wohl zahlreiche Deutsche rund zehn Wochen nach Jahresbeginn beschäftigt. Schließlich hat das neue Jahr etliche Neuerungen mit sich gebracht, welche Lohn- und Gehaltsabrechnungen beeinflussen.

Doch die Senkung des Renten- und Krankenversicherungsbeitrags bedeuten weder für Arbeitnehmer noch Arbeitgeber eine Entlastung, denn die Erhöhung des Beitrags zur Pflegeversicherung und der Beitragsbemessungsgrenzen sowie die Zusatzbeiträge der Krankenkassen reduzieren die Ersparnisse wieder. Positiv könnte sich allerdings die Einführung des Mindestlohns auswirken. Zahlreiche Arbeitnehmer werden nun ein Einkommen erzielen, das ihre Existenz sichert. Jedoch schätzen nicht nur Experten den Mindestlohn problematisch ein. Denn er bringt auch negative Folgen mit sich.

Bedeutung des Mindestlohns

Die Einführung des Mindestlohns erfolgte zwar flächendeckend in allen Branchen und Regionen, jedoch gibt es für manche Branchen beispielsweise für Land- und Forstwirtschaft, Friseurhandwerk und bei Leih- und Zeitarbeitsfirmen in der Übergangszeit Ausnahmen. Bis zum 31. Dezember 2016 ist es möglich durch einen allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrag Löhne unterhalb der Grenze von 8,50 Euro zwischen den Tarifpartnern zu vereinbaren. Darüber hinaus haben bestimmte Personengruppen wie Jugendliche unter 18 Jahren und Auszubildende keinen Anspruch auf den Mindestlohn.

In anderen Branchen haben sich Konsequenzen insbesondere bei geringfügigen Beschäftigungen eingestellt, denn der Mindestlohn erhöht den bisherigen Stundenlohn teilweise deutlich. Das führt zu einer Überschreitung der Grenze von 450 Euro, wodurch diese sozialversicherungspflichtig werden. Die tatsächliche Arbeitszeit der Minijobber wird nun ausschlagend, denn nur wenn diese eingehalten wird, ist eine Gesetzeskonformität möglich. Arbeitet ein geringfügig Beschäftigter mehr als 52,9 Stunden im Monat gelten für seine Lohnabrechnung die Regularien der Gleitzone (Löhne bis 850 Euro/Monat). Unehrliche Arbeitgeber wenden nun vermehrt Tricks an, um den Mindestlohn zu umgehen. Die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen wird jedoch von der Zollbehörde streng kontrolliert. Sie kann Verstöße mit Geldbußen von bis zu 300.000 Euro und ein Abweichen vom Mindestlohn mit bis zu 500.000 Euro bestrafen.

Positive Auswirkungen

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsordnung verdienten ungefähr 5,2 Millionen Arbeitnehmer 2012 Brutto weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Ab dem 1.1.2015 profieren insbesondere Arbeitnehmer mit einfachen Tätigkeiten, Minijobber, Schüler und Studenten, erwerbstätige Rentner aber auch andere Vollzeit-Erwerbstätige mit niedrigeren Löhnen von dem festgesetzten Stundenlohn. Da insbesondere Vollzeit-Beschäftigten das bislang erzielte Einkommen für die Sicherung ihrer Existenz nicht ausreichte, ist die Zahl mit Nebenjob in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. Zwar muss der Arbeitgeber nicht jede Aushilfstätigkeit akzeptieren, nähere Informationen gibt es hier, jedoch nutzten zahlreiche Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich über einen Minijob oder die Selbstständigkeit Geld dazu zu verdienen. Diese Notwendigkeit kann 2015 durch ein höheres Einkommen wegfallen. Das bedeutet gleichzeitig, dass ohne Mehrarbeit durch Zweitjob und ohne Existenzsorgen, die Motivation für die eigentliche Erwerbstätigkeit wieder ansteigen kann. Von einer größeren Produktivität können dann auch die Arbeitgeber profitieren. Jedoch haben diese aufgrund des Mindestlohns höhere Personalkosten.

Negative Prognosen

Im Osten Deutschland stehe bereits fest, dass der Mindestlohn das dortige Lohngefüge durcheinander bringt und trotz des Wirtschaftswachstums weniger neue Arbeitsstellen entstehen werden. Zu diesem Ergebnis kam vor ein paar Wochen eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages unter 27.000 Betrieben in ganz Deutschland. Nachweise für die beklagte „Jobbremse“ gibt es allerdings noch keine.

Trotzdem halten sich die Befürchtungen hartnäckig. Derartige Prognose gibt es bereits seit Ankündigung der Einführung von Mindestlohnexperten. Die Chancen stünden vor allem für geringfügig Beschäftigte, Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss und solche mit geringen Qualifikationen schlecht. Diese könnten ihre Anstellung verlieren beziehungsweise große Schwierigkeiten haben, eine Beschäftigung zu finden. Befürworter halten mit steigender Kaufkraft und wachsendem Konsum dagegen. Eine handfeste Beurteilung der Folgen kann allerdings frühestens Ende 2016 erfolgen, das bestätigt auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

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