Keine neue US-Hilfe für gefährdeten Finanzierer CIT

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Dem amerikanischen Mittelstandsfinanzierer CIT droht die Insolvenz: Die Rettungsgespräche mit der US-Regierung sind gescheitert.

New York - Nach dem Scheitern von Rettungsgesprächen mit der US-Regierung droht dem für Amerikas Wirtschaft wichtigen Finanzierer CIT die rasche Insolvenz.

Der für rund eine Million Unternehmen tätige Mittelstandsfinanzierer bekommt vom Staat keine neuen Hilfen. Unter Hochdruck verhandelte CIT in der Nacht zum Donnerstag mit den Gläubigerbanken über eine Milliardenspritze in letzter Minute.

Ein Aus des gut 100 Jahre alten Finanzierers wäre der größte Zusammenbruch einer US-Geschäftsbank seit der Pleite der Sparkasse Washington Mutual im vergangenen Jahr. Ein Insolvenzantrag stehe womöglich schon an diesem Freitag bevor, spekulierten US-Medien. Die Gespräche mit der Regierung zu weiteren Hilfen seien beendet, teilte CIT selbst mit. Die Regierung habe klar gemacht, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach vorerst keine neue Unterstützung geben werde.

Auch US-Präsident Barack Obama war laut US-Medien eingeschaltet. CIT hatte bereits früher rund 2,3 Milliarden Dollar aus dem staatlichen Banken-Rettungsprogramms bekommen. Eine Sprecherin des US-Finanzministeriums sagte US-Medien, die Probleme bei CIT seien zu schwerwiegend, als dass die vorgesehenen Hilfen ausgereicht hätten. Der Staat wolle kein weiteres Geld in den Finanzierer pumpen, weil er offenbar kein nachhaltiges Konzept habe.

Unter Regierungsvertretern hatte es laut US-Medien zuletzt einen Streit darüber gegeben, ob CIT nochmals geholfen werden müsse. CIT habe nun seine Kreditgeber um Notdarlehen binnen 24 Stunden von mindestens zwei Milliarden Dollar (1,4 Mrd Euro) gebeten, berichtete das “Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider. Sonst drohe ein Gläubigerschutzverfahren.

Immer mehr Kunden schöpfen demnach aus Sorge um die Zukunft von CIT ihre Kreditlinien aus und ziehen Gelder ab. Bei einer weiteren Verschlechterung der Konjunktur benötige CIT nach staatlichen Tests sogar vier Milliarden Dollar.

Die genauen Folgen eines CIT-Zusammenbruches sind in ihrem Ausmaß selbst für Experten schwer abzuschätzen. Warnendes Beispiel ist die Pleite der der Investmentbank Lehman Brothers im vergangenen Jahr, deren Konsequenzen die US-Regierung unterschätzte. Der Zusammenbruch riss die Welt tiefer in die Wirtschaftskrise. CIT ist jedoch weit weniger international verflochten.

Das Institut benötigt das frische Milliardenkapital zur Refinanzierung. Wegen der Kreditklemme bekommt CIT derzeit nicht genug kurzfristiges Geld, das es für seine langlaufenden Darlehen an Unternehmen benötigt. Zusätzlich belasten den Finanzierer die steigenden Zahlungsausfälle und Pleiten von Firmenkunden.

Zusätzliche Millionenlöcher reißt bei CIT US-Medien zufolge ein Ansturm besorgter Firmenkunden auf. Allein in dieser Woche hätten Kunden rund 775 Millionen Dollar über ihre Kreditlinien bei CIT abgezogen. Im laufenden Jahr gingen in den USA wegen der Krise bereits 53 zumeist kleinere oder mittlere Institute in die Knie. Dies waren mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. CIT hatte zuletzt eine Bilanzsumme von etwas mehr als 75 Milliarden Dollar.

dpa

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