25.000 Beschäftigte bangen: Ringen um Karstadt

Essen - Zerschlagung oder Rettung? Kurz vor Ablauf der Frist für Karstadt verhandelt der Gläubigerausschuss über immer neue Nachbesserungen der Angebote für die Warenhauskette. 25.000 Beschäftigte bangen.

Es wird ernst für die Karstadt-Mitarbeiter: Nach monatelangem Ringen um um die insolvente Warenhauskette sind die Verhandlungen in der entscheidenden Phase. Bei der Suche nach einem Investor zeichnete sich sich am Montag nach stundenlangen Gesprächen zunächst keine schnelle Entscheidung ab. Erst unmittelbar vor Beginn der vermutlich entscheidenden Sitzung des Gläubiger-Gremiums hatten die drei Interessenten Berggruen, Highstreet und Triton ihre Angebote noch einmal nachgebessert. Immer wieder war die zunächst für Ende April geplante Entscheidung verschoben worden, zunächst auf den 28. Mai, dann noch einmal auf den 7. Juni. Auch die Frist für die Unterzeichnung eines Kaufvertrags wurde auf den 9. Juni verlängert. “Letztmalig“, wie Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geradezu beschwörend betont hatte. Einen Tag später soll das Essener Amtsgericht dann endlich grünes Licht für den Insolvenzplan geben. Nach dem Aus der zweiten großen Arcandor-Handelstochter Quelle im vergangenen Jahr setzt der Insolvenzverwalter alles daran, wenigstens die Rettung von Karstadt zum Erfolg werden zu lassen.

Dabei hat er sich mit dem Erhalt der Warenhauskette als Ganzes ein anspruchsvolles Ziel gesetzt. Doch fast genau ein Jahr nach dem Insolvenzantrag vom 9. Juni 2009 ist das Schicksal der Warenhauskette mit bundesweit 120 Standorten und 25 000 Beschäftigten noch immer unklar. Nachdem in monatelangen Verhandlungen mit 94 Kommunen endlich die notwendige Mehrheit für einen Gewerbesteuerverzicht erreicht werden konnte, erweist sich Suche nach einem Investor zunehmend als Verwirrspiel mit vielen Unbekannten. Immer wieder machen neue Gerüchte die Runde. Mal ist einer der Investoren angeblich bereits aus dem Rennen, mal geht es um angebliche Geheimverhandlungen hinter den Kulissen.

Sicher ist eigentlich nur, dass sich niemand vorzeitig in die Karten schauen lassen will. Ihre aktuellste Offerte legen die Bieter dabei grundsätzlich kurz vor Beginn der jeweiligen Sitzung vor. Zu unterschiedlich sind die Interessen, die hinter den jeweiligen Vorstößen stehen. Während der mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörende Karstadt- Vermieter Highstreet Leerstände in seinen 86 Warenhaus-Immobilien befürchtet, setzten die beiden anderen Interessenten Triton und Berggruen die Immobilienbesitzer mit Forderungen nach deutlichen Mietsenkungen unter Druck. Für die im Gläubigerausschuss vertretenen Beschäftigten geht es nach einem bereits zugesagten Sanierungsbeitrag von 150 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren um mögliche weitere Einschnitte.

Aufmerksam beobachtet werden die Geschehnisse in Essen auch bei Metro: Der Düsseldorfer Konzern stellt mit seiner eigenen Warenhaustochter Kaufhof derzeit den größten Karstadt-Konkurrenten zum Verkauf. Immer wieder diskutiert wurde in der Vergangenheit ein möglicher Zusammenschluss der beiden deutschen Warenhausriesen, der auch in den Augen möglicher Kaufhof-Interessenten reizvoll sein könnte. Auf eine eigene Offerte für Karstadt hat Metro jedoch bislang trotzdem verzichtet. Die von Görg geforderte Übernahme aller 120 Karstadt-Filialen passt nicht in das Konzept der Düsseldorfer. Ins Spiel kommen könnte der Konkurrent dagegen bei einer Zerschlagung von Karstadt. Der Metro wird nachgesagt, lediglich Interesse an der Übernahme von 45 Karstadt-Warenhäusern und 27 Karstadt-Sporthäusern zu haben.

dpa

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