Guttenberg kritisiert General Motors

Hamburg - Mit Enttäuschung hat die Bundesregierung auf die Vertagung der Entscheidung über die Zukunft des Autobauers Opel reagiert. 

Lesen Sie auch:

General Motors vertagt Entscheidung über Opel

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erklärte, er bedauere, dass sich der Verwaltungsrat der Opel-Mutter General Motors (GM) in Detroit am Freitag nicht wie erhofft auf einen Bieter festgelegt habe. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz forderte GM auf, die “Hängepartie“ zu beenden und rasch eine Entscheidung zu treffen. Die Geduld der Beschäftigten sei am Ende. Guttenberg sagte, Bund und Länder hätten GM alle nötigen Informationen zur Verfügung gestellt. “Auch die Bieter haben noch einmal nachgebessert und unterschriftsreife Verträge vorgelegt“, sagte der Minister der Online-Ausgabe des “Hamburger Abendblatts“. Dem Vernehmen nach stellten die Mitglieder des GM-Verwaltungsrats das von der Bundesregierung für den Deal erarbeitete Hilfspaket infrage, weil es sich nur auf die Option für den kanadischen Autozulieferer Magna beziehe.

Gespräche sollen nächste Woche fortgesetzt werden

Trotz der Vertagung sehe er weiter Raum für eine Einigung, sagte Guttenberg. Nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen sollen die Gespräche mit GM Anfang kommender Woche fortgesetzt werden. Man sei zuversichtlich, dass für die noch offenen Punkte eine Lösung gefunden werde, hieß es. Die Bundesregierung bevorzugt nach eigenem Bekunden eindeutig Magna. Daneben ist aber auch noch der belgische Finanzinvestor RHJ im Rennen, der von GM favorisiert wird. Guttenberg erklärte, es zahle sich nun aus, dass Opel und die anderen europäischen GM-Tochtergesellschaften in eine Treuhandgesellschaft eingebracht worden seien: “Damit haben wir einen stabilen Rahmen, in dem die Gespräche jetzt fortgesetzt werden können.“ Opel-Betriebsratschef Franz forderte GM auf, alsbald eine Entscheidung zu treffen: “Die Geduld der Beschäftigten ist absolut am Ende“, sagte Franz am Samstag der Nachrichtenagentur AP. “Wir appellieren ganz nachdrücklich dafür, Schluss mit der Hängepartie und der Verzögerungspolitik zu machen.“ Spätestens Montag oder Dienstag müsse GM die verbliebenen Fragen mit der Bundesregierung klären. Die Entscheidung laufe seiner Ansicht nach auf Magna hinaus, erklärte Franz.

“Grundeinschätzung“ war erwartet worden

Vor der GM-Verwaltungsratssitzung hatte es geheißen, es werde keine definitive Entscheidung vor nächster Woche erwartet. Es sei aber möglich, dass der Verwaltungsrat schon eine Empfehlung abgebe. Guttenberg hatte am Freitag gesagt, er erhoffe sich eine “Grundeinschätzung“. Der vom Österreicher Frank Stronach gegründete Zulieferer Magna ist mit der russischen Sberbank und dem russischen Autohersteller GAZ im Bunde. Das Konsortium will 55 Prozent an Opel übernehmen. 10 Prozent sind für die Opel-Mitarbeiter vorgesehen, 35 Prozent bleiben im Besitz von GM. Magna will etwa 10.560 der europaweit etwa 50.000 Jobs bei Opel und Vauxhall abbauen; in den deutschen Opel-Werken sollen 3.045 Jobs gestrichen werden. Magna setzt auf 4,5 Milliarden Euro Staatsbürgschaften. Der belgische Finanzinvestor RHJ hat seine Ansprüche auf staatliche Garantien auf weniger als 3 Milliarden Euro heruntergeschraubt. Der Finanzinvestor will europaweit rund 9.900 Stellen abbauen, davon schätzungsweise die Hälfte in Deutschland. Im Gegensatz zu Magna setzt RHJ auf eine Fortsetzung der engen Kooperation zwischen Opel und General Motors.

ap

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare