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Kampf gegen hohe Inflation: EZB hebt Leitzins erneut an - Konjunktur-Aussichten hellen sich auf

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Von: Thomas Schmidtutz

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EZB-Zentrale in Frankfurt: Im Kampf gegen die hohe Inflation haben die Währungshüter den Leitzins am Donnerstag erneut angehoben.
EZB-Zentrale in Frankfurt: Im Kampf gegen die hohe Inflation haben die Währungshüter den Leitzins am Donnerstag erneut angehoben. © Boris Roessler/dpa

Die EZB hat die Zinsen zuletzt mehrfach angehoben. Am Donnerstag legten die Währungshüter erneut nach, aber nicht mehr ganz so kräftig wie zuvor.

Frankfurt/Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) kämpft mit der vierten Zinserhöhung in Folge gegen die Inflation. Der Leitzins im Euroraum steigt um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatten die Währungshüter die Zinsen zweimal in Folge um jeweils 0,75 Prozentpunkte angehoben.

Mit dem jüngsten Schritt notiert der Leitzins, zu dem sich die Banken frisches Geld bei der EZB besorgen können, auf dem höchsten Stand seit Dezember 2008. Zugleich tritt die Notenbank bei ihren milliardenschweren Anleihekäufen auf die Bremse. Der Einlagensatz, den Kreditinstitute für bei der EZB geparkte Gelder erhalten, erhöht sich auf 2,0 Prozent.

EZB in der Zwickmühle

Die EZB steckt seit Monaten in einem Dilemma. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremst und so hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann. Steigende Zinsen können aber zugleich die Wirtschaftsentwicklung im Währungsraum dämpfen, der seit Monaten mit den Folgen des Ukraine-Krieges und einem massiven Anstieg der Energiepreise zu schaffen hat. Dennoch fordern Volkswirte seit Monaten einen harten EZB-Kurs. Zur Begründung verweisen sie auf mögliche Risiken. Sollte sich die Inflationserwartung verfestigen und die Preise weiter steigen, müsste die Notenbank künftig einen noch härtere Gangart einlegen – mit womöglich noch schwerer wiegenden Folgen für die Konjunktur, mahnen viele Ökonomen.

Nach jüngsten Prognosen der EZB wird sich die Inflationsrate im Euroraum erst 2025 - und damit ein Jahr später als noch vor drei Monaten erwartet - in Richtung der Zielmarke der EZB bewegen. Die Notenbank strebt für den Euroraum mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate von zwei Prozent an. Im November des laufenden Jahres lag die Teuerung im Währungsraum der 19 Länder bei 10 Prozent. Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern.

Die EZB rechnet auf Jahressicht für dieses Jahr inzwischen mit 8,4 Prozent Inflation. 2023 werden die Verbraucherpreise nach Einschätzung der EZB noch um 6,3 Prozent über Vorjahresniveau liegen, 2024 wird eine Teuerungsrate von 3,4 Prozent erwartet.

Sparkassen-Präsident: Harter EZB-Kurs alternativlos

Das entschiedene Vorgehen der EZB sei „ohne Alternative“, kommentierte Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis: „Die Preissteigerungsraten pendeln sich auf sehr hohem Niveau ein, das darf so nicht weitergehen.“ Friedrich Heinemann vom ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mahnte: „Diese Zinserhöhung sollte trotz der Sorgen um die Konjunktur nicht der letzte Schritt gewesen sein.“ Der Realzins - also der Zins abzüglich der Inflation - liege immer noch „klar im negativen Bereich“.

Lagarde betonte die Entschlossenheit der Währungshüter: „Insbesondere sind wir der Meinung, dass die Zinssätze noch deutlich und stetig steigen müssen, um ein Niveau zu erreichen, das ausreichend restriktiv ist, um eine rechtzeitige Rückkehr der Inflation zu unserem mittelfristigen Ziel von zwei Prozent zu gewährleisten.“

EZB: Konjunktur-Aussichten hellen sich auf

Die Aussichten für die Konjunktur sind nach Einschätzung der EZB nicht mehr ganz so düster wie zuletzt von vielen Volkswirten vorhergesagt. Zwar könnte die Wirtschaft im Euroraum im laufenden und im kommenden Quartal schrumpfen. Allerdings werde eine Rezession „relativ kurz und milde sein“. Der EZB-Prognose zufolge wird die Euro-Wirtschaft 2023 um 0,5 Prozent wachsen - nach 3,4 Prozent Plus im laufenden Jahr. Die Wirtschaftsweisen erwarten für 2023 ein BIP-Minus von 0,2 Prozent.

Neben einer weiteren Zinsrunde wollen die Währungshüter auch die Wertpapierkäufe zurückfahren.  Von März 2023 an sollen die seit 2015 von den Euro-Notenbanken aufgekauften, milliardenschweren Bestände an Staats- und Unternehmensanleihen schrittweise verringert werden. Gelder aus auslaufenden Wertpapieren des Kaufprogramms APP werden dann nicht mehr in vollem Umfang in den Kauf neuer Anleihen gesteckt. Bis zum Ende des zweiten Quartals 2023 sollen die Bestände monatlich im Durchschnitt um 15 Milliarden Euro verringert werden.

Nach längerem Zögern hatte der EZB-Rat bei seiner Sitzung am 21. Juli erstmals seit elf Jahren die Zinsen im Euroraum wieder angehoben. Die Euro-Währungshüter hatten die hohe Inflation lange als vorübergehend interpretiert und leiteten den Kurswechsel erst später ein als etwa die US-Notenbank Fed. Die Fed hatte am Mittwoch den Leitzins in den USA um 0,5 Prozentpunkte in eine Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent nach oben gesetzt. Die britische Notenbank erhöhte ihren Leitzins am Donnerstag von 3,0 Prozent auf 3,5 Prozent. (dpa/utz)

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