Späte Korrektur

EZB-Zinssenkung treibt Dax auf Rekordhoch

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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, begründete den Schritt mit der Aussicht auf niedrigere Inflationsraten.

Frankfurt/Main - Eine überraschende Zinssenkung in der Eurozone und starke US-Konjunkturdaten haben den Dax am Donnerstag auf Rekordkurs gesetzt.

Nach der Zinsentscheidung war der Leitindex erstmals über die Marke von 9100 Punkten gestiegen und hatte am frühen Nachmittag bei 9193 Punkten den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht. Im späten Handel büßte er im Zuge einer fallenden Wall Street den Großteil seiner vorherigen Gewinne ein.

Letztlich gewann der Dax 0,44 Prozent auf 9081,03 Punkte, verbuchte damit am Ende aber immer noch ein Rekordhoch seines Schlusskurses. Der MDax mittelgroßer Werte verlor hingegen 0,58 Prozent auf 16 122,12 Punkte, nachdem er zuvor auf ein Allzeithoch von 16 283 Zählern hochgeklettert war. Der Technologie-Index TecDax stieg um 0,01 Prozent auf 1141,91 Punkte.

Mit ihrem Zinsschritt reagierte die Europäische Zentralbank (EZB) auf den ungewöhnlich schwachen Preisauftrieb im Euro-Währungsraum und senkte den Leitzins auf ein Rekordtief. „Die EZB bleibt im Wettlauf der Währungen voll dabei und hat die Geldschleusen noch deutlicher geöffnet. Begründet durch niedrige Inflation und gar Deflationsrisiken vollzieht sie aber einen Schritt, der angesichts der Wirtschaftserholung selbst in Südeuropa überzogen erscheint“, sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research.

Auch aus den USA erhielt der Dax am Nachmittag Rückenwind, denn die Konjunktur in der weltgrößten Volkswirtschaft hatte im dritten Quartal überraschend an Fahrt aufgenommen. Börsianer hatten außerdem die Quartalszahlen vieler Unternehmen - darunter allein sieben Dax-Konzerne - zu verarbeiten. Commerzbank-Aktien feierten eine überraschend gute Quartalsbilanz und den bestätigten Ausblick mit einem Kurssprung von mehr als zehn Prozent. Die Anteile an dem Geldinstitut stiegen erstmals seit März über 10 Euro.

Continental-Papiere notierten mit plus 6,77 Prozent auf einem Rekordhoch. Damit hat sich der Börsenwert des Reifenherstellers binnen eines Jahres fast verdoppelt. Seit ihrem Tief Anfang Februar 2009 verteuerten sich die Conti-Aktien sogar um mehr als 1300 Prozent. Getrieben von wachsender Nachfrage und günstigen Einkaufspreisen hatte der Autozulieferer seine Margen-Prognose erhöht. Der Umsatz war vom starken Euro belastet worden.

Adidas-Titel reagierten mit einem Plus von knapp vier Prozent auf die vorgelegten Zahlen. Analyst Herbert Sturm von der DZ Bank hob die überraschend gute Rohertragsmarge des Sportartikelherstellers hervor.

Die Papiere von Siemens verteuerten sich nach der Zahlenvorlage des Elektrotechnikkonzerns und einem angekündigten Programm zum Aktienrückkauf um 3,38 Prozent auf den höchsten Stand seit Mai 2011. Titel von HeidelbergCement rutschten dagegen nach Quartalszahlen und wegen eines vorsichtigeren Ausblicks am Dax-Ende um 3,79 Prozent ab.

Die Telekom-Aktien gerieten trotz überraschend guter Kennziffern mit minus 2,28 Prozent unter Druck. Papiere von Munich Re wurden um knapp zwei Prozent billiger. Dabei bleibt der Rückversicherer trotz Flut und Hagel im Sommer zuversichtlich und kauft eigene Aktien zurück. Größter Verlierer im MDax waren die Titel von ProSiebenSat.1 mit minus 6,38 Prozent. Das Ergebnis soll hier im Schlussquartal nicht mehr so stark zulegen wie in den ersten neun Monaten.

Andere wichtige Börsen in Europa präsentierten sich im Minus. Der EuroStoxx 50 schloss 0,44 Prozent tiefer bei 3042,98 Punkten. Die Leitindizes in Paris und London verloren zwischen 0,14 und 0,66 Prozent. In den USA lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsende rund 0,3 Prozent unter dem Schlusskurs vom Mittwoch.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,42 (Vortag: 1,41) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,05 Prozent auf 133,90 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,52 Prozent auf 141,86 Punkte. Der Euro fiel nach der EZB-Zinssenkung deutlich. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,3365 (Mittwoch: 1,3517) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7482 (0,7398) Euro.

dpa

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