Deutsche Wirtschaft von Spionage massiv bedroht

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Vor allem Russland und China sind bei der Wirtschaftsspionage besonders aktiv.

Frankfurt/Main - Der Verfassungsschutz warnt vor Wirtschaftsspionage durch Geheimdienste. Russland und China sind besonders aktiv. Vor allem Cyber-Angriffe haben ein besorgniserregendes Maß angenommen.

Die deutsche Wirtschaft sieht sich nach Einschätzung des Verfassungsschutzes massiver Wirtschaftsspionage durch ausländische Geheimdienste ausgesetzt. “Staaten investieren enorme Summen, um an unsere Forschungsergebnisse zu gelangen“, sagte der Leiter der Abteilung Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln, Herbert Kurek.

Vor allem Nachrichtendienste aus Russland und besonders China seien aktiv, um durch Spione oder über Cyber-Angriffe per Internet an wertvolles technisches Wissen deutscher Firmen zu kommen, erklärte Kurek am Dienstag bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt am Main. Die russischen Geheimdienste seien etwa 25.000 Mann stark, das chinesische Staatssicherheitsministerium MSS verfüge sogar über 800.000 Mitarbeiter.

Und dieser Dienst arbeite mit allen Mitteln daran, die Technologielücke zum Westen zu schließen. Aus China erreichten seit etwa dem Jahr 2005 massive Cyber-Angriffe besorgniserregendes Ausmaß, sagte Kurek. Allein auf Bundesbehörden habe es im Jahr 2010 über 2.100 elektronische Attacken gegeben. Wie oft mit Spähprogrammen oder Trojanern in Computer von Unternehmen eingebrochen wurde, wisse der Verfassungsschutz nicht.

Geld und menschliche Unzulänglichkeiten

Aber auch konventionellere Mittel der Spionage kommen nach den Worten von Kurek zum Einsatz. Praktikanten interessieren sich mitunter zu sehr für ihre Gastfirma. Und: “Wer nach Russland reist, muss wissen, dass seine Kommunikation überwacht wird.“ Die Dienste suchten nach Hinweisen, ob ein westlicher Firmenvertreter ansprechbar oder aber sich erpressbar gemacht habe. Ideologie spiele bei Wirtschaftsspionage keine Rolle mehr, sagte der altgediente Spionenjäger aus Köln. “Geld spielt eine Rolle, und menschliche Unzulänglichkeiten.“

Kurek forderte die Unternehmen auf, ihre “Kronjuwelen“, ihr wichtigstes Know-how, in Sicherheit zu bringen. Bei jeder Firma fielen mindestens fünf Prozent des Wissens unter die Kategorie “besonders wertvoll“. Es müsse in besonderer Weise gesichert werden. Dabei gelte das Prinzip des “need to know“: Nicht jeder Beschäftigte müsse alles wissen, betonte Kurek.

Leutheusser-Schnarrenberger gegen “Regulierungswahn“

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lehnte ins einzelne gehende Gesetzesregelungen zu Datensicherheit und Persönlichkeitsrechten im Internet ab. Bei der gleichen Veranstaltung sagte sie: “Wir wollen national nicht in einen Regulierungswahn verfallen.“

Die FDP-Politikerin setzt auf den mündigen Bürger, den vom nächsten Jahr an eine “Stiftung Datenschutz“ mit Aufklärung und Informationen unterstützen solle. Der Gesetzgeber könne sich auf einige wichtige Grundsätze beschränken, wenn der einzelne Nutzer sich seiner Datensicherheit bewusst sei und selbst entscheide, was er preisgebe und was nicht.

dapd

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