Umfrage

Handel: Jedes zweite Unternehmen kämpft ums Überleben – Branche warnt vor schärferem Corona-Lockdown

Shopping nach Vorbestellung: Im Kampf gegen massive Umsatzeinbrüche hilft Click & Collect dem Handel kaum weiter.
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Shopping nur bei Vorbestellung: Im Kampf gegen massive Umsatzeinbrüche hilft dem Handel auch Click & Collect kaum weiter.

Die Corona-Pandemie hat den stationären Einzelhandel mit voller Wucht getroffen. Laut einer aktuellen Umfrage herrscht inzwischen die nackte Existenz-Angst.

Berlin – Im Einzelhandel in Deutschland wird die wirtschaftliche Lage immer desaströser. Nach einer aktuellen Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter 1000 Unternehmen steht inzwischen fast jedes zweite Unternehmen am Abgrund. Insgesamt sähen mittlerweile 45 Prozent der Befragten ihre unternehmerische Existenz im Laufe des Jahres „in akuter Gefahr“, teilte der HDE am Montag mit.

Die Umsätze der klassischen Innenstadthändler* hätten in der vergangenen Woche um 60 Prozent unter dem Vor-Krisen-Niveau gelegen. Selbst Händler, die Kunden mit negativem Corona*-Test empfangen dürften, beklagten Umsatzeinbußen von 62 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum vor Corona. In Läden, in denen die Kunden mit Terminvereinbarung einkaufen durften, lag das Minus immer noch bei 50 Prozent.

Handelsverband: Bund muss bei Staatshilfen nachbessern

Angesichts der massiven Umsatzverluste forderte der HDE erneut Nachbesserungen bei den staatlichen Nothilfen. „Wenn die Hilfsmaßnahmen jetzt nicht schnell greifen, erreichen viele Handelsunternehmen einen Kipppunkt, ab dem es sehr schnell abwärts geht“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Montag.

Handelsverband: Händler verlieren „jegliche Perspektive“

Zugleich warnte Genth erneut eindringlich vor einer möglichen Verschärfung des Lockdowns. „Viele Nicht-Lebensmittelhändler verlieren aufgrund der angekündigten Veränderungen im Infektionsschutzgesetz jegliche Perspektive. Die Geschäfte ab einem Inzidenzwert von über 100 wieder zu schließen, wird der Lage nicht gerecht“, sagte Genth.

Die Bundesregierung plant wegen der unterschiedlichen Auslegung der jüngsten Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels eine Novelle des Infektionsschutzgesetzes. Danach müssen künftig bundeseinheitlich alle Geschäfte in einem Landkreis ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 schließen. Ausgenommen bleiben weiterhin Lebensmittelhändler, Apotheken und Drogerien.

Dazu sieht der Gesetzentwurf automatisch strengere Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren von 21 Uhr bis fünf Uhr vor. Außerdem will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Unternehmen zu verbindlichen Tests ihrer Mitarbeiter verpflichten. Die Arbeitgeber und die Union lehnen eine Testpflicht bislang ab. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach für freiwillige Tests eingesetzt.

Testpflicht: Führende Ökonomen plädieren für verbindliche Vorgaben für Unternehmen

Viele Ökonomen plädieren hingegen für eine gesetzliche Vorgabe. Am Arbeitsplatz komme es zu vielen Kontakten. Daher halte er eine verpflichtende Testung „für richtig“, hatte etwa ifo-Chef Clemens Fuest Anfang April gegenüber Merkur.de* erklärt. Auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm befürwortet eine gesetzliche Vorgabe. Es sei nicht zu erwarten, dass „flächendeckende Tests auf freiwilliger Basis mit ausreichender Konsequenz umgesetzt werden können“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Daher müsse der Gesetzgeber hier tätig werden. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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