Bericht: Milliardenklage gegen Hypo Real Estate

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Am 29. September 2008 hatten der Bund und mehrere Banken die HRE mit Bürgschaften in Höhe von 35 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt.

München - Die verstaatlichte Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) wird für die künftige Bundesregierung zu einem immer größeren Risiko. Laut eines Medienberichts fordern Aktionäre einen Schadensersatz in Milliarden-Höhe.

Nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) fordern Aktionäre jetzt in der Summe eine Milliarde Euro Schadenersatz, weil sie getäuscht worden seien. Es gebe neue, schwere Vorwürfe gegen den alten Vorstand um den früheren Bankchef Georg Funke. Die HRE weist die Vorwürfe zurück. Die Gesellschaft habe sich stets korrekt verhalten und gehe deshalb davon aus, dass die Klagen ohne Erfolg blieben, sagte ein Sprecher der Zeitung. Der Staat hat die Immobilienbank, die durch die Finanzkrise und die Übernahme der Depfa vor dem Zusammenbruch stand, mit Milliardensummen und Bürgschaften gerettet und zuletzt verstaatlicht.

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Funkes Anwälte wollten sich nicht zu den neuen Vorwürfen äußern. Die Hypo Real Estate hatte bis zum Januar vergangenen Jahres wiederholt beteuert, von der US-Finanzkrise nicht betroffen zu sein. Erst am 15. Januar 2008 räumte der damalige Konzernchef Funke Abschreibungen ein und schockte damit Anleger und Börse.
Der Kläger mit den größten Forderungen, der Jurist Christian Wefers aus Nordrhein-Westfalen, werde seine bereits bei Gericht anhängige Klage in der kommenden Woche deutlich ausweiten, berichtet die “SZ“. Dadurch belaufe sich der Schaden, den er für zahlreiche Kapitalanlagefonds geltend mache, nunmehr auf fast eine Milliarde Euro, sagte Wefers der Zeitung. Bei den klagenden Fondsgesellschaften gehe es um Hunderttausende, wenn nicht sogar mehrere Millionen Privatanleger.

Wefers hatte bisher der Zeitung zufolge 200 Millionen Euro Schadenersatz gefordert. Bei einer Verhandlung Anfang August hatte das Landgericht München einen für die HRE günstigen Vergleich angeregt. Wefers sagte der Zeitung, er habe aber inzwischen zahlreiche, zusätzliche Informationen und Beweise. So habe die HRE im vergangenen Jahr verschwiegen, dass die deutsche Bankenaufsicht bei einer Sonderprüfung auf gravierende Mängel bei der Bank gestoßen sei. Diese Information wäre für die Anleger wichtig gewesen. Die Klage werde, um eine Verjährung zu vermeiden, bis zum kommenden Dienstag beim Landgericht eingereicht.

Am 29. September 2008 hatten der Bund und mehrere Banken die HRE mit Bürgschaften in Höhe von 35 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt. Inzwischen belaufen sich die staatlichen Garantien auf fast 100 Milliarden Euro. Außerdem muss der Bund mindestens zehn Milliarden Euro in die Bank einzahlen, um ihr Überleben zu sichern. Jetzt kommen neue Risiken hinzu.

Wefers wird bei Gericht vom Tübinger Anwalt Andreas Tilp vertreten. Tilp strebt einen Musterprozess an, in dem alle anhängigen Verfahren zusammengefasst werden. Beim Münchner Landgericht stapeln sich inzwischen Klagen aus ganz Deutschland gegen die HRE. Allein die Münchner Kanzlei Rotter vertritt 62 Anleger, die Geld zurückverlangen.

dpa

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