Bafin-Entscheidung zur Hochtief-Übernahme erwartet

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Ein Mitarbeiter von Hochtief steht am Mittwoch in Hamburg auf der Baustelle der Elbphilharmonie im Großen Saal.

Essen - Der Kampf um die Hochtief-Übernahme geht in die entscheidende Phase. Die Finanzaufsicht Bafin wollte noch Montagabend eine Entscheidung zum Übernahmeantrag des spanischen ACS-Konzerns treffen.

Der Streit um die Übernahme des Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Großaktionär ACS ist in die entscheidende Phase gegangen. Die Finanzaufsicht Bafin kündigte am Montag an, sie werde noch im Laufe des Tages eine Entscheidung über das Angebot von ACS treffen. Die Bekanntgabe wurde für Montagabend erwartet. Bei der Bonner Behörde liegt das Angebot seit dem 11. November zur Genehmigung vor.

Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ hatte am Wochenende berichtet, die Finanzaufsicht habe schwerwiegende Bedenken und wolle das ACS-Angebot offenbar ablehnen. Die Bafin hatte den Bericht nicht kommentieren wollen. Der größte deutsche Baukonzern sperrt sich gegen den als feindlich eingestuften Übernahmeversuch.

Nach “Spiegel“-Angaben stört sich die Bafin an den Risiken bei der Finanzierung der Übernahme durch ACS. So sei der Konzern in Spanien wegen Bilanzfälschung verklagt worden. Probleme mache auch eine Klage spanischer Kleinaktionäre, die eine Kapitalerhöhung bei ACS für ungültig erklären lassen wollen. Die Spanier gingen am Montag noch von einer positiven Entscheidung aus.

ACS hatte kurz vor Erreichen der börsenrelevanten Beteiligungsschwelle von 30 Prozent ein freiwilliges Übernahmeangebot vorgelegt. Ziel ist die Mehrheit an Hochtief. Eine Ablehnung der Bafin bedeutet nach Angaben von Experten aber noch nicht das Aus für die Spanier. ACS könne abwarten, bis die von der Bafin angeführten Probleme gelöst seien, dann weitere Aktien bis zur 30-Prozent- Schwelle zukaufen und das notwendige Pflichtangebot vorlegen, sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings müsste ACS dann die aktuelle Kursentwicklung in das Angebot übernehmen. Es würde etwas teurer, da der Hochtief-Kurs zuletzt gestiegen war.

Dass ACS Hochtief auch bei einer Ablehnung immer noch schlucken könnte, bestätigte auch Peter Homberg von der Anwaltskanzlei Raupach & Wollert-Elmendorff. Sobald die Spanier dann ihren Anteil an dem Essener Konzern auf 30 Prozent erhöht haben, müssten sie ein Pflichtangebot den Hochtief-Aktionären vorlegen. Dieses Angebot muss nach der Veröffentlichung innerhalb von vier Wochen wieder der Bafin vorgelegt werden. Dann wird erneut über den Antrag entschieden. Die Bafin bestätigte, dass auch der Pflichtantrag geprüft würde.

Auf Hochtiefseite verringern sich unterdessen die eigenen Abwehrmöglichkeiten. Am Montag lehnte die australische Übernahmeaufsicht einen Berufungsantrag von Hochtief zum Fall ihrer Tochtergesellschaft Leighton ab. Damit muss ACS bei einem Angebot für Hochtief nicht auch noch ein Zwangsgebot für die teure Baugesellschaft Leighton abgeben. Hochtief wollte über diesen Umweg die Übernahme für ACS unerschwinglich machen. Leighton ist an der Börse mehr wert ist als der gesamte Mutterkonzern.

Bleiben noch die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung oder die Verschmelzung von Hochtief mit Leighton. Letztere Möglichkeit lehnt Hochtief bislang ab, weil dann Leighton das Sagen haben könnte. Bei einer Kapitalerhöhung müsste ein “weißer Ritter“ das neue Aktienpaket übernehmen und eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent anstreben.

dpa

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