Gysi will vermitteln

Verdi setzt Streiks bei Amazon auch im neuen Jahr fort

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Amazon streikt weiter.

Bad Hersfeld - Der Online-Versandhändler Amazon muss sich auf längere Streiks in Deutschland einstellen. Die Gewerkschaft Verdi wolle den Ausstand auch im kommenden Jahr fortsetzen.

Das sagte eine Sprecherin am Freitag in Bad Hersfeld. Dort und in Leipzig legten Amazon-Beschäftigte am Freitag am fünften Tag in Folge die Arbeit nieder. Es ist der bislang längste Dauerstreik seit Beginn des Kräftemessens im Sommer. In laufenden Weihnachtsgeschäft hat der Tarifkonflikt seinen Höhepunkt erreicht. In Leipzig beteiligten sich am Freitag laut Verdi 500 Mitarbeiter, in Bad Hersfeld 600. Laut Amazon waren es viel weniger.

Der aktuelle Ausstand ist vorerst noch bis einschließlich Samstag geplant. Ein Verdi-Sprecher wollte aber nicht ausschließen, dass nach Weihnachten auch das arbeitsaufwendige Umtauschgeschäft bestreikt werde. Nach dem Weihnachtsgeschäft erwartet Amazon eine ähnlich intensive Phase im Umtauschgeschäft, wenn etwa Fehlkäufe zurückgeschickt werden. „Amazon wird bis Mitte Januar noch genug zu tun haben“, bewertete Verdi-Vertreter Reimann. Laut Experten liegt die Retourenquote zwischen 5 und 15 Prozent im Versandhandel, bei Textilien und Schuhen sogar bis zu 70 Prozent.

Gregor Gysi bietet sich als Vermittler an

Der Linken-Politiker Gregor Gysi hat sich im Tarifkonflikt beim Online-Versandhändler Amazon als Vermittler angeboten. Das gab der Chef der Bundestagsfraktion am Freitag in Leipzig bekannt, wie die Linken-Landesgruppe berichtete. Der gelernte Jurist sei bereit, nach Seattle zu reisen und zwischen den verhärteten Fronten zu vermitteln. Bedingung sei aber, dass der US-Branchenriese willens sei, sich auf die Forderungen der Gewerkschaft Verdi und der Beschäftigten zu zubewegen. Amazon sieht laut ihrem Deutschland-Chef Ralf Kleber keinen Anlass für Gespräche.

Ziel des Ausstands ist ein Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Amazon lehnt dies kategorisch ab und orientiert sich an den günstigeren Konditionen der Logistikbranche

Streit Schuld an verzögerten Lieferungen?

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mehren sich die Anzeichen, dass etliche Amazon-Kunden Mails bekommen mit Hinweisen auf eine verzögerte Lieferung. „Betroffen sind nach unseren Kenntnissen mehrere Tausend Lieferungen pro Tag“, sagte Heiner Reimann von Verdi Hessen. „Wir können und wollen nicht ausschließen, dass dies auch mit den Streiks an Amazon-Standorten in Deutschland zusammenhängt.“

Eine Amazon-Sprecherin in München dagegen erklärte: „Die Ankündigungen sind nicht auf die Streiks zurückzuführen. Das hat etwas mit der Warenbeschaffung im allgemeinen zu tun, nicht mit der Logistik.“ Gründe dafür könnten sein, dass Artikel aufgrund hoher Nachfrage ausverkauft sind oder Lieferanten nicht so schnell wie erwartet Ware beziehen können. Generell wolle Amazon aber sein Lieferversprechen einhalten und Artikel pünktlich zum Fest liefern, die bis Freitagabend kurz vor Mitternacht bestellt worden sind.

Handelsfachmann Gerrit Heinemann, Professor an der Hochschule Niederrhein, sagte: „Es ist glaubhaft, wenn Amazon mitteilt, dass die Streiks keine Auswirkungen auf den Versand an Kunden haben. Dass in Einzelfällen dennoch Warensendungen nicht rechtzeitig ankommen, ist auch normal. Eine Quote für eine rechtzeitige Lieferung von mehr als 98 Prozent ist erfahrungsgemäß gar nicht möglich.“ Für Amazon sei es ohnehin leicht gewesen, sich auf die Streiks einzustellen. Gebraucht würden nur mäßig qualifizierte Leiharbeiter. In dieser Saison hat Amazon zu seinen 9000 Mitarbeitern in den acht Lagern bundesweit noch 14 000 Aushilfen engagiert.

Experte: Streiks sind kontraproduktiv

Heinemann kritisierte, die Streiks seien kontraproduktiv: „Langfristig sehe ich durch den Streik zwei Folgen. Erstens: Amazon wird verstärkt auf die drei Lager setzen, die gerade in Polen an der Grenze zu Deutschland gebaut werden. Zweitens: Amazon wird künftig weitgehend automatisierte Lager aufbauen“, sagte der Experte. „Dafür wurde vor kurzem mit Kiva Systems eine Firma gekauft, die auf Lager-Roboter spezialisiert ist. In drei Jahren könnten sie wahrscheinlich schon zum Einsatz kommen. Dann braucht Amazon ohnehin nur noch einen Teil seiner Lagerarbeiter. Die Streiks werden diese Entwicklung beschleunigen.“.

Unterdessen richtet sich auch Protest von Amazon-Mitarbeitern gegen die Gewerkschaft Verdi. Sie haben nach Angaben des Unternehmens etwa 700 Unterschriften gesammelt und erklären sich damit nicht einverstanden mit den Zielen, Argumenten und Äußerungen von Verdi.

Auch Onlinehandelsexperte Patrick Palombo (Düsseldorf) ist überzeugt, dass Amazon den Streik und die Belastung des Weihnachtsgeschäfts, „abgesehen von einer kleinen Profit-Delle vielleicht“, gut überstehen werde. „Amazon hat ausreichend Möglichkeiten, Aufträge an andere Versandlager umzudisponieren.“ Aber der Branchenriese müsse aufpassen, dass er seine Versprechen einhalte: „Die Kunden sind bereits jetzt verunsichert. Wenn etwas schief geht, bestellen sie beim nächsten Mal woanders.“

dpa

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