Aktienmärkte auf wildem Zick-Zack-Kurs

Frankfurt/New York - Nach den Kursstürzen vom Montag herrscht an den Börsen Unsicherheit. Zunächst machte sich Hoffnung breit: Der Dax konnte ein Minus von 7 Prozent aufholen und schloss fast auf Vortagsniveau.

Das rasante Auf und Ab an den Weltbörsen hat auch den deutschen Leitindex Dax voll erfasst: Das wichtigste deutsche Börsenbarometer verlor am Dienstag zeitweise mehr als 7 Prozent - und erreichte am Ende fast genau den Vortagswert. Der Dax schloss mit 0,10 Prozent im Minus bei 5917,08 Punkten. Deutlich wird die ausgeprägte Unsicherheit an den extremen Ausschlägen des Leitindex: Zwischen dem Hoch und dem Tief lagen im Tagesverlauf mehr als 500 Punkte. Der Dow Jones Index in New York erholte sich zunächst kräftig, fiel nach pessimistischeren Aussagen der Notenbank Fed zur US-Konjunktur aber deutlich ins Minus.

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New York: Erholung nach rasanter Talfahrt

Nervöse Aktienmärkte: Dax zeitweise minus 7 Prozent

In Deutschland hatte ein freundlicher Auftakt an der Wall Street zunächst dafür gesorgt, dass sich die Kurse von den Abstürzen zuvor erholten. Schnäppchenjäger nutzten demnach die Kurse zum Einstieg, wie Händler sagten. Im späten Handel ging es noch weiter aufwärts, die Blicke richteten sich aber auf die Aussagen der US-Zentralbanker: Diese ließen die Leitzinsen am Abend auf ihrem extremen Niedrigstand von 0,0 bis 0,25 Prozent und erklärten, sie wollten die Zinsen mindestens bis Mitte 2013 äußerst niedrig halten. Der Leitzins liegt bereits seit rund zweieinhalb Jahren auf seinem Rekordtief.

Gleichzeitig äußerte sich die Fed negativ zur Konjunktur: Die Abwärtstrends der US-Wirtschaft hätten sich verstärkt. Das Wachstum in diesem Jahr sei erheblich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich verschlechtert. Das wichtigste Börsenbarometer, der Dow Jones Index, brach seine kräftige Erholung daraufhin ab. Nachdem er zuvor heftige Ausschläge nach oben und unten gezeigt hatte, lag er anderthalb Stunden vor Börsenschluss wieder klar 1,8 Prozent im Minus.

An der Frankfurter Börse hatte die Indizes aus der zweiten Reihe zuvor ihre zehntägige Durststrecke beendet: Der zuvor noch zeitweise um knapp 6 Prozent abgerutschte MDax schloss 2,86 Prozent höher bei 8783,61 Punkten. Der TecDax gewann 3,16 Prozent auf 700,99 Punkte.

Die hohe Nervosität der Anleger zeigte sich insbesondere am VDax, der die Schwankungsbreite des Leitindex abbildet. Er erreichte am Dienstag den höchsten Stand seit 2009, als die Weltwirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite abflaute. Derweil ging die Rekordjagd des Goldpreises weiter, was auch die hohe Risikoscheu der Anleger signalisiert. Chefvolkswirt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank sagte mit Blick auf die aktuellen Kurskapriolen: “Es ist kein rationaler, sondern ein emotionaler Markt.“ Es sei eine Situation eingepreist worden, die so gar nicht eingetreten sei.

Zyklische Industrie- und Technologiewerte gehörten nach den kräftigen Verlusten der vergangenen Tage zu den größten Gewinnern. BMW-Aktien etwa kletterten als Spitzenwert um 6,33 Prozent auf 58,26 Euro. Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon rückten um 6,16 Prozent auf 5,788 Euro vor.

Einige Einzelwerte standen jedoch mit ihrer Bilanzvorlage im Blickfeld. So rutschten RWE nach ihrem Halbjahresbericht auf den tiefsten Stand seit Ende 2003 und schlossen am Dax-Ende 6,34 Prozent tiefer bei 28,745 Euro. Der Energieversorger hatte im ersten Halbjahr wegen des Atomausstiegs wie erwartet weniger verdient. Titel des Konkurrenten Eon standen dem nur wenig nach und büßten fast 6 Prozent ein.

Auf europäischer Bühne beendeten die wichtigsten Indizes den Handel höher. Der EuroStoxx 50 gewann 0,32 Prozent auf 2294,24 Punkte. In Paris und London legten die Indizes noch deutlicher zu. Die US-Börsen haben nach ihrer rasanten Talfahrt zu einer Erholung angesetzt. Gestützt wurden die Kurse von Spekulationen über vertrauensbildende Maßnahmen für die Finanzmärkte durch die US-Notenbank (Fed). Der Leitindex Dow Jones Industrial (DJIA), der tags zuvor um mehr als 600 Punkte eingebrochen war und damit den größten Tagesverlust seit Ende 2008 erlitten hatte, legte zwischenzeitlich mehr als 2 Prozent zu.

In Asien ging es zuvor zumeist abwärts. So fiel der Hang Seng-Index in Hongkong um zeitweise bis zu 7 Prozent. Er erholte sich dann nur leicht wieder und schloss mit einem Minus von 5,66 Prozent. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fuhr aber geringere Verluste als am Vortag ein und ging mit einem Minus von 1,68 Prozent aus dem Handel.

Trotz schlechter Inflationszahlen in China und anfänglicher Verluste beendeten hingegen die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen den Handelstag eher ausgeglichen. Der Shanghai Composite Index schloss mit einem geringen Minus von 0,03 Prozent. Der Shenzhen Component Index stieg minimal um 0,02 Prozent. Auch die Börsen in Neuseeland und Australien hatten eine weitere Aktien-Talfahrt erlebt.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,07 (Vortag: 2,15) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,29 Prozent auf 127,79 Punkte. Der Bund Future verlor 0,53 Prozent auf 132,38 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,4267 (Montag: 1,4225) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7009 (0,7030) Euro.

dpa

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