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Weizen-Export aus Indien gestoppt: Bei Brot droht heftige Preissteigerung

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Von: Kristina Köller

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Die Preise für Weizen steigen derzeit extrem an. Müssen Verbraucher daher mit höheren Kosten bei Brot, Mehl, Nudeln und Co. rechnen?

Hamm - Der Krieg in der Ukraine hatte die Preise für Weizenprodukte in den vergangenen Wochen bereits in die Höhe schießen lassen. Verbraucher merkten das in Supermärkten und Discountern. Eine Hitzewelle in Indien und ein damit einhergehendes Exportverbot verschärfen das Problem jetzt aber nochmals enorm: Der Preis für Weizen ist am Montag, 16. Mai, auf einen neuen Rekord gestiegen. Im europäischen Handel an der Börse Euronext kostete eine Tonne Weizen 435 Euro.

LandIndien
HauptstadtNeu-Delhi
Bevölkerung1,38 Milliarden (2020)

Weizen wird teurer: Bei Brot droht heftiger Preisanstieg

Weizenprodukte wie Nudeln und Brot sind bei den allermeisten Menschen Bestandteil der Ernährung. Und die Engpässe am Weizenmarkt sind auch in Deutschland und Nordrhein-Westfalen spürbar. „Die Preise im Supermarkt für Mehl, Haferflocken, Müsli und Cerealien, aber auch Teigwaren sind bereits gestiegen“, hieß es kürzlich etwa seitens des Verbandes der Getreide-, Mühlen-, und Stärkewirtschaft (VGMS).

Doch was steckt überhaupt dahinter? Der Ukraine-Krieg hat zur Verknappung von Weizen auf dem Weltmarkt geführt und damit zu stark steigenden Preisen. In der Ukraine lagern nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums 20 Millionen Tonnen Getreide, die angesichts blockierter Lieferwege und Häfen nicht exportiert werden können. Weitere bis zu 40 Millionen Tonnen Getreide könnte die kommende Ernte bringen. Der Krieg verhindert aber vielerorts die Aussaat.

Steigende Weizenpreise: Brot wird teurer - Versorgungsengpässe

Indien bekam deshalb zuletzt eine wachsende Bedeutung bei der Frage, wie Ländern geholfen werden könnte, die besonders stark von Importen aus der Ukraine oder Russland abhängen - beispielsweise in Nordafrika und im Nahen Osten. Indien hatte ursprünglich in Aussicht gestellt, die im Zuge des Ukraine-Kriegs entstandenen weltweiten Versorgungsengpässe, die durch Preissteigerungen bei Dünger und Energie noch weiter angetrieben werden, durch eine Steigerung seiner Weizen-Exporte von sieben Millionen auf rund zehn Millionen Tonnen lindern zu können.

Denn Indien ist der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt - 2021 waren es 110 Millionen Tonnen - und verfügt über große Vorräte. Die Hitzewelle kam aber dazwischen. Die Regierung in Neu-Delhi begründete das Exportverbot mit den Auswirkungen auf die Ernte. Für dieses Jahr wurde die Ertragsschätzung bereits nach unten korrigiert.

Weizen wird teurer: Preissteigerung bei Brot und anderen Produkten

Die Regierung will die Versorgungssicherheit im Land gewährleisten. Handelsminister BVR Subrahmanyam betonte aber, dass Ausfuhren mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung weiter erlaubt seien: „Wir wollen nicht, dass Weizen unreguliert verkauft wird und dann entweder gehortet oder nicht in dem von uns erhofften Sinne genutzt wird: nämlich die Nöte verletzlicher Staaten und verletzlicher Menschen zu lindern.“

Eine Frau erntet Weizen am Rande von Jammu. Eine ungewöhnlich frühe, rekordverdächtige Hitzewelle in Indien hat die Weizenerträge verringert und Fragen darüber aufgeworfen, wie das Land seinen Inlandsbedarf mit den Bestrebungen zur Steigerung der Exporte in Einklang bringen und die durch Russlands Krieg in der Ukraine bedingten Ausfälle ausgleichen wird.
Der Preis für Weizen ist Mitte Mai 2022 gestiegen - wegen einer Hitzewille in Indien. © Channi Anand/dpa

Während Verbraucher in Deutschland die Lebensmittel-Engpässe und steigenden Kosten verhältnismäßig noch halbwegs abfangen können, sieht die Situation in anderen Teilen der Welt sehr viel kritischer aus. Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, befürchtet Hungersnöte. „Länder wie Ägypten, Kenia, der Südsudan, der Libanon und viele andere Staaten waren bislang direkt oder indirekt stark von russischen und ukrainischen Exporten abhängig“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Diese Länder erhalten jetzt nicht die bestellten Mengen oder müssen dafür sehr viel mehr bezahlen.“ Besonders betroffen seien arme Menschen, die viel Geld für Lebensmittel ausgeben müssten.

Weizen wird teurer - wie wirkt sich das auf den deutschen Brot-Markt aus?

Und wie schaut es in Deutschland aus? Wie es beim WDR heißt, handelt es sich bei den 436 Euro pro Tonne Weizen um sogenannte Warenterminkontrakte. Das bedeute, dass es sich um Preise für jenen Weizen handle, der jetzt noch auf den Feldern wächst. Der Bäcker kaufe sein Weizen natürlich nicht an der Warenterminbörse in Paris, sondern Mehl oder Backmischungen bei Zwischenhändlern. Und der Preis, den diese wiederum zahlen, hänge vom Zeitpunkt des Einkaufs ab.

Der WDR liefert auch eine Beispielrechnung: Wenn sich der Preis für ein Weizenbrot am Preis vom 16. Mai an der Warenterminbörse orientierte, so würde ein Kilo Brot allein durch den Preisanstieg beim Weizen etwa 16 Cent teurer. Denn für ein 1000-Gramm-Weizenbrot müssten Landwirte dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft zufolge rund 850 Gramm Weizen ernten. Bei einem Weizenpreis von 436 Euro pro Tonne müsste der Bäcker für ein Kilo Brot Weizen für 37 Cent kaufen. Vor Kriegsbeginn hätte er bei einem Weizenpreis von 250 Euro pro Tonne 21 Cent bezahlt.

Weizen-Preise steigen - und auch andere Kosten explodieren

Allerdings sind noch weitere Kosten gestiegen. So explodieren auch Energiepreise - was wiederum dazu führt, dass das Backen und der Transport des Brotes ebenfalls teurer werden. Ganz zu schweigen von steigenden Lohnkosten, die auch Bäcker zu tragen haben.

Letztlich werden Verbraucher also mit steigenden Preisen für Weizenprodukte leben müssen - wie deutlich diese ausfallen, bleibt aber abzuwarten. Im Supermarkt gelten übrigens Rechte und Pflichten - die größten Einkaufs-Mythen im Check. Jedenfalls könnte insbesondere der Blick ins Kühlregal zu Ernüchterung führen. Denn nach 80 Jahren verschwindet eine Traditionsmarke.

Sie hatten Mehl zuhause und haben gebacken? Dann umtreibt Sie vielleicht auch die Frage, ob die Backofentür zum Abkühlen des Geräts besser offen oder geschlossen sein sollte. - Mit Material von AFP und dpa

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