Händler verzweifelt, Kunden genervt

Einkaufen vor Corona-Weihnachten: Geschäfte voll, Händler verzweifelt

Lange Schlangen vor den Geschäften und scharfe Regeln machen das Einkaufen in NRW kurz vor Corona-Weihnachten schwierig. Die Händler sind verzweifelt.

Hamm - Chaos beim Shopping in den Innenstädten, dichtes Gedränge vor den Geschäften und in Einkaufszentren von NRW: Kurz vor Weihnachten gehen viele Menschen Geschenke einkaufen. Lange Schlangen bildeten sich vor den Geschäften, teilweise wurde es eng. Die neuen verschärften Regeln, die ab 1. Dezember mit der neuen Corona-Schutzverordnung gelten, verstärken die Schwierigkeiten für Kunden und Händler. Wegen abgesagter Veranstaltungen fehlt oftmals die Laufkundschaft. Schutzmaßnahmen, die ergriffen werden müssen, fordern zudem einiges an Mehraufwand.

LandNRW
LandeshauptstadtDüsseldorf
Fläche34.110,26 Quadratkilometer
Gründung23. August 1946

Einkaufen in der Corona-Pandemie: Geschäfte sind voll - Händler kämpfen trotzdem mit Schwierigkeiten

So wichtig es ist, Menschenansammlungen zu vermeiden - das lokale Shopping in NRW ist trotzdem gerade kurz vor Weihnachten wichtig. Viele Händler leiden unter den Anti-Corona-Maßnahmen. Sie sind stark abhängig von einem gelungenen Weihnachtsgeschäft. Währenddessen ziehen die großen Online-Versandhändler ihre Vorteile aus den Entwicklungen der Pandemie. Doch auch wer alles im Paket bekommt, ist vor Menschenmassen nicht unbedingt sicher.

Shopping in der Corona-Pandemie: Innenstädte können sehr voll werden

Zunächst einmal die gute Nachricht: Nach den neuen Maßnahmen gegen das Coronavirus bleibt der Groß- und Einzelhandel in NRW auch im Dezember geöffnet. Es gibt jedoch Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen beim Shopping.

Die neuen Corona-bedingten Regeln für den Dezember sehen so aus: In Geschäften mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern darf sich höchstens eine Person je 10 Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten. Ist das Geschäft größer, darf höchstens eine Person pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche im Ladenlokal sein. Die Maskenpflicht gilt nicht nur in den Läden und im Einkaufszentrum, sondern auch in den Warteschlangen vor den Geschäften und auf dem Parkplatz.

Shopping in der Corona-Pandemie: Wenn Einkaufen in der Vorweihnachtszeit zu Tumulten führt.

Dass es trotz aller Maßnahmen zu Chaos beim Shopping kommen kann, zeigt das vergangene Wochenende in NRW. Selbst im sonst eher beschaulichen Bielefeld kam es zu Tumulten. Durch die zahlreichen Black-Friday-Angebote sind zahlreiche Menschen in die Innenstadt gezogen worden, wie owl24.de berichtet.* Dann griff das Corona-Krisenteam hart durch und ließ die Shopping-Passagen durch das Ordnungsamt räumen. Auch auf das Centro in Oberhausen gab es einen großen Ansturm. Kunden wurden weggeschickt, weil die Geschäfte zu voll wurden.

Shopping in der Corona-Pandemie: Am Black Friday weniger los als in den Vorjahren

Dass es vielerorts voll war, diesen Eindruck bestätigt auch Markus Kaluza, Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Projektmanagement beim Handelsverband NRW (Westfalen-Münsterland). „Es war am Black Friday voll - und auch voller als an ‚normalen‘ Freitagen. Im Vergleich zu den Black Fridays der Vorjahre allerdings nicht.“

Durch die Beschränkung der Personenzahlen hätten sich vor den Geschäften beim Shopping zwar Schlangen gebildet, unterm Strich sei aber weniger los gewesen als an vergangenen Black Fridays.

Shopping während Corona: Werden ein Drittel der Geschäfte die Pandemie nicht überstehen?

Das wiederum spüren natürlich die Händler in NRW. Die Corona-Pandemie setzt vielen stark zu. So geht der Handelsverband laut Kaluza davon aus, dass viele Geschäfte die Pandemie nicht überleben werden. „Bei vielen Händlern sind die Rücklagen aufgebraucht. So mancher überlegt, ob er wirklich sein privates Eigenheim zugunsten des Geschäfts ein weiteres Mal belasten soll, oder ob er eher die Reißleine zieht“, so Kaluza im Gespräch mit unserer Redaktion. Insgesamt sähen sich ein Drittel der Händler in ihrer Existenz bedroht. Vergleichsweise gut ständen inhabergeführte Geschäfte in Vorort-Lagen da. Deren Stammkunden kämen trotz Pandemie.

Bei diesem insgesamt eher düsteren Gesamtbild muss eben berücksichtigt werden, dass es „Licht und Schatten“ gibt, betont der Experte. Während der Markt für elektronische Geräte vom Smartphone bis zum Fernseher - besonders auch am Black Friday und in der Vorweihnachtszeit - boomt, haben es insbesondere Einzelhändler schwer, die Textil- und Lederwaren verkaufen. Markus Kaluza erklärt das mit zweierlei Aspekten.

Shopping in der Corona-Pandemie: Boom bei Elektrogeräten, schwere Zeiten für Textilbranche

Der Bereich Textil sei auf Frequenz angewiesen, auf Gelegenheitskäufer, die auch spontan etwas Schönes für sich oder ihre Lieben entdecken. Die Frequenz beim Shopping in NRW aber fehle wegen abgesagter Veranstaltungen, gecancelter Weihnachtsmärkte und des Lockdowns in der Gastronomie. Auch dass keinerlei Reisen stattfinden, mache sich hier bemerkbar. Spontane Ausflüge in die Innenstadt im Rahmen einer privaten oder geschäftlichen Reise fallen flach.

Der zweite Grund ist Kaluzas Einschätzung nach, dass die Menschen in der Corona-Pandemie aufgrund mangelnder Gelegenheiten zum Tragen neuer Kleidung diese auch nicht kaufen. Gleiches sei im Kosmetikbereich festzustellen. Dass weniger dekorative Kosmetik gekauft werde, liege sicherlich auch daran, dass die Menschen viel zu Hause bleiben.

Hoch im Kurs stünde unterdessen alles für die eigenen vier Wände: Möbel, (Weihnachts-)Deko, Einrichtungsgegenstände, aber auch Gegenstände wie Fernseher oder Waschmaschinen.

Abstand halten im vollen Geschäft - Shopping in Corona-Zeiten wird zur Herausforderung

Jene, die es also trotz allem noch in die Innenstädte und deren Geschäfte zieht, müssen beim Shopping in Corona-Zeiten natürlich einiges beachten. Dazu gibt es zahlreiche Tipps.

Insgesamt sollte man sich beim Einkaufen selbst schützen und auf die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln achten, erklärt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. Ist die Schlange vor den Geschäften zu lang, sollte man über einen erneuten Besuch in der Stadt nachdenken. „Es ist ja auch eine Zeitfrage“, so Tryba. „Sonst heißt es wie im Phantasialand, ab hier eine Stunde.“

Um lange Wartezeiten und den Kontakt zu vielen Menschen zu vermeiden, und um effizient einzukaufen, rät Tryba in diesem Jahr den Weihnachtseinkauf besonders gut zu planen. Am besten wähle man Zeiten, die nicht so beliebt sind - etwa unter der Woche morgens oder kurz vor Ladenschluss. Außerdem sollte man wissen, was man sucht, um die Shopping-Runde effizient zu gestalten. Das gilt übrigens auch für den Online-Handel: Wer viel im Internet bestellt, muss oft zur Post und steht dort zu den Stoßzeiten in vergleichbaren Schlangen wie in der Stadt.

Coronavirus und Einkaufen: Kleine Tipps helfen bei der Hygiene

Kleine Tipps helfen, Viren beim Shopping zu vermeiden: Dazu zählt natürlich regelmäßiges Desinfizieren der Hände und der Einkaufskörbe. Auch auf Bargeld sollte man verzichten, sondern mit Karte zahlen. „Am besten hat man seinen eigenen Kuli dabei“, sagt Tryba. Damit verzichtet man den Kontakt mit potenziellen Virenschleudern wie den öffentlichen Kugelschreibern.

Einige Ratschläge, die sowohl den Händlern als auch den Kunden selbst helfen, hat auch Markus Kaluza vom Handelsverband parat: Randzeiten nutzen - und sich an den Abstand von mindestens 1,50 Metern zum nächsten Kunden halten. „Wenn beide die Arme zueinander ausstrecken würden, dürften sich die Fingerspitzen nicht berühren“, nennt Kaluza einen Maßstab, der vorstellbar macht, wie groß der Abstand mindestens sein muss.

Shopping in der Corona-Pandemie: So wird das Einkaufen für Kunden und Händler leichter

Wenn etwa im Lebensmitteleinzelhandel jeder Kunde aufgefordert ist, einen Einkaufswagen mit ins Geschäft zu nehmen, sei das keine Schikane, sondern seitens der Händler ein Instrument zur Kundenzählung. „Die große Mehrheit der Kunden denkt schon toll mit und hält sich an die Auflagen“, sagt Kaluza. Er appelliert gleichzeitig an alle, sich die Aushänge zu den Bestimmungen in den Geschäften durchzulesen und diese zu berücksichtigen. Denn letztlich sei der Händler für die Einhaltung verantwortlich - und ihm drohen empfindliche Strafen, wenn die Regeln nicht befolgt werden.

In diesem Zusammenhang gibt der Sprecher des Handelsverbandes auch zu bedenken, wie viel Aufwand all die Corona-Maßnahmen für die Einzelhändler bedeuten - sowohl materiell, etwa für Desinfektionsmittel und Acrylglaswände, als auch personell für die Umsetzung und Kontrolle der Maßnahmen. Wenn jeder Kunde die Regeln beherzige und Verständnis zeige, erleichtere das die Einkaufssituation erheblich für alle Seiten. Laut Kaluza ist es daher sinnvoll, für den Einkauf einfach etwas mehr Zeit einzuplanen.

Einkaufen in der Corona-Pandemie: Black Friday und erstes Adventswochenende - lohnend für die Händler?

Wie die Bilanz aus dem Black Friday und dem ersten Adventswochenende - sei es im stationären oder im Online-Handel - ausfällt, dazu lässt sich laut Kaluza im Detail noch nichts sagen. Wie oben angedeutet hängt das eben sehr von der Branche ab.

Ob sich der Werbeaufwand, den viele Geschäfte zum Black Friday und Cybermonday betrieben, letztendlich lohnt, daran schürt Tryba Zweifel. Zwar werde ein höherer Umsatz durch die extreme Werbung generiert, jedoch seien die Marketing-Kosten gerade im Internet sehr hoch. Fest steht: „Amazon und Google sind auf jeden Fall die Gewinner.“

Wer vor Weihnachten möglichst wenig aus dem Haus möchte, oder gar das Pech hat, unter Quarantäne gestellt zu werden, sollte diese Dinge im Haus haben - unsere Einkaufsliste bietet den Überblick.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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