Strahler an Säulen und Wänden

UV-Licht soll Coronaviren im Supermarkt töten - doch es gibt viele Bedenken

UV-C-Strahlen gegen Corona? Ein erster Supermarkt in Deutschland setzt bestimmte Lampen ein, mit denen Viren und Bakterien abgetötet werden sollen. Doch diese Art der Desinfektion ist umstritten.

NRW - Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus warten immer mehr Unternehmen mit bestimmten Methoden und technischen Hilfsmitteln auf - darunter sind etwa Luftfilter sowie Oberflächen, die Viren keine Chance geben. Besonderes Augenmerk liegt derzeit auf dem Einsatz von UV-C-Licht. Ein Edeka-Markt in Hamburg setzt dieses nach eigenen Angaben als erster Supermarkt in Deutschland ein, um Viren und Bakterien abzutöten. Diese Art von Schutz gegen Corona ist wiederum umstritten. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

UV-C-Licht gegen Corona: Mit ultravioletten Strahlen gegen Viren und Keime

Dass immer mehr Firmen Lösungen zur Desinfektion von Luft und Flächen entwickeln, hat sich Anfang November auch bei der Messe „pro.vention“ in Erfurt (Thüringen) gezeigt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Etwa 120 Firmen und Aussteller präsentierten dort Ideen und Produkte im Kampf gegen Viren und Keime - also auch gegen das Coronavirus.

Neben der Reinigung von Luft in Räumen durch Filteranlagen stand auch der Einsatz von UV-C-Strahlen im Fokus. Eine Firma aus Radebeul bei Dresden stellte zum Beispiel ein selbst fahrendes Gerät vor, das seine Umgebung und Oberflächen desinfiziert. Für diese Desinfektion nutzt das Gerät UV-C-Licht. Ähnlich funktionieren offenbar diverse Geräte eines Unternehmens aus Mannheim, die Gegenstände oder Textilien desinfizieren können. Eine große Hoffnung also im Kampf gegen Corona?

UV-C-Licht gegen Corona: Edeka-Markt testet Strahler von Hersteller Signify

Einen Schritt weiter geht jetzt ein Edeka-Markt in Hamburg. Medienberichten zufolge hat der Supermarkt in Winterhude - nach eigenen Angaben als erster in Deutschland - UV-C-Lampen installiert, die Viren und Bakterien abtöten und damit Kunden und Mitarbeiter vor Corona schützen sollen. Wie der Geschäftsführer Dr. Dirk-Uwe Clausen laut merkur.de* sagte, stamme die UV-C-Lösung vom Unternehmen Signify, das zur Philips-Gruppe gehört.

Die UV-C-Strahler hängen einer Pressemitteilung von Edeka-Nord zufolge in einer Höhe von 3,2 bis 3,5 Metern Höhe an Säulen und Wänden. In Kombination mit Abschirmung und Optik sei sichergestellt, dass Menschen sich unbedenklich in dem Markt aufhalten könnten. Durch Messungen und Kontrollen werde regelmäßig sichergestellt, dass die Strahlenbelastung unter den Grenzwerten bleibe.

UV-C-Licht gegen Corona: Desinfektion vorbeiströmender Luft im oberen Bereich des Raumes

„Die UV-C-Strahler desinfizieren kontinuierlich die vorbeiströmende Luft ausschließlich im oberen Bereich des Raumes, die durch die Gerätewärme, Personenbewegung, Klima- und Lüftungstechnik, beim Lüften und gegebenenfalls auch mittels kleinerer Ventilatoren gegeben ist. Die Luftzirkulation im Raum stellt sicher, dass sich die desinfizierte Luft mit den unteren Luftschichten vermischt“, schreibt Edeka-Nord in der Mitteilung, in der es um die „neue Technik gegen Corona“ geht.

Diese permanente und lautlose Wirkungsweise führe laut Studien zu sehr hohen Desinfektionsraten von bis zu 99,999 Prozent. Die Wirksamkeit der UV-C-Technologie von Signify sei in Bezug auf die Inaktivierung von SARS-CoV-2 auf Oberflächen von der Universität Boston bestätigt worden, heißt es weiter.

UV-C-Licht gegen Corona: Unternehmen verweist auf Desinfektion von Luft, Oberflächen und Wasser

Edeka-Nord erklärt in der Mitteilung, wie UV-C-Strahlen gegen Corona wirken können. „UV-C bezeichnet die kurzwellige Form von ultraviolettem Licht, in einer Wellenlänge von 200 bis 280 Nanometern. Dieses Licht kann künstlich erzeugt und dazu eingesetzt werden, um Viren, Bakterien und Keime zu deaktivieren.“

Auch das Unternehmen Signify selbst weist auf die UV-C-Strahlung als Desinfektionsmittel für Luft, Oberflächen, Gegenstände und Wasser hin. „UV-C-Licht wird seit über 40 Jahren ausgiebig von Wissenschaftlern genutzt“, heißt es dazu auf der Internetseite der Firma.

UV-C-Licht gegen Corona: Sind Menschen einer Strahlenbelastung ausgesetzt?

Signify thematisiert auch die Sicherheit - ähnlich wie Edeka-Nord darauf verweist: Die Leuchten zur Raumluftentkeimung seien unbedenklich für im Raum anwesende Personen, da diese den UV-C-Lichtquellen durch die Installationshöhe sowie durch Abschirmungen nicht ausgesetzt seien.

„Die Luft im oberen Teil des Raums wird durch die UV-C-Strahlung sowie die natürliche Konvektion der Luftströmung kontinuierlich desinfiziert“, heißt es wörtlich. Dadurch könnten die Leuchten „optimal in Schulen, Büros, Sporthallen, im Einzelhandel sowie in anderen Bereichen mit hoher Kontaktdichte eingesetzt werden“.

UV-C-Strahlen im Kampf gegen Corona nicht unumstritten

Ganz unumstritten sind Techniken mit UV-Strahlen allerdings nicht. Zum Beispiel das Umweltbundesamt riet kürzlich von Geräten ab, die Luftreinigung mit Methoden wie Ozon oder UV-Licht zum Abtöten von Viren kombinieren - „aus gesundheitlichen ebenso wie aus Sicherheitsgründen“.

Dass das Sars-CoV-2-Virus mit ultraviolettem Licht inaktiviert werden kann - was unter anderem eine Studie der Universitätsmedizin Essen zeigt - macht natürlich dennoch Hoffnung im Kampf gegen Corona. So kann mit UV-C-Lampen beispielsweise medizinische Ausrüstung dekontaminiert werden.

Doch das Bundesamt für Strahlenschutz warnt: „Da UV-Strahlung Haut und Augen schädigen kann und nachgewiesenermaßen krebserregend ist, sollten UV-C-Desinfektionsgeräte grundsätzlich nur so angewandt werden, dass keine Menschen der Strahlung ausgesetzt sind.“

UV-C-Licht gegen Corona: Schädlich für Haut und Augen

Auch das ZDF bringt das „Aber“ auf den Punkt: „Das Licht hat es in sich: UV-Licht des Unterbereiches C. Ein sehr kurzwelliges, energiereiches Licht, das es normalerweise von der Sonne nicht durch die Atmosphäre schafft. Aus gutem Grund: Es ist für Haut und Augen schädlich. Fünf Minuten reichen schon für leichte Verbrennungen“, heißt es. Doch genau diese Kraft kann demnach aber auch genutzt werden. „Wenige Sekunden reichen und das Licht hat die RNA - also das Erbgut - von Viren und Bakterien deaktiviert.“

Manche Städte setzen im Zuge von Maßnahmen gegen Corona dennoch auch auf diese Technik, etwa das hessische Hanau. Die Stadt schloss im August eine „strategische Partnerschaft“ mit einer ortsansässigen Firma, die UV-C-Strahlen zur Entkeimung einsetzt. Die Geräte saugen Luft ein, entkeimen sie mittels der Strahlung und geben sie wieder in den Raum ab. Der Anbieter betont, die Geräte seien so ausgelegt, dass weder Ozon freigesetzt werde noch Strahlung austrete.

In Zeiten von Corona: Ablenkung und Freude in schwierigen Zeiten

So ernst die Corona-Situation ist, auch in solch schwierigen Zeiten braucht es manchmal etwas Ablenkung und einen Stimmungsaufheller. So landete ein Krankenhaus-Team aus Hamm (NRW) einen Internet-Hit - mit dem „Jerusalema“-Tanz.

Im Schnellverfahren soll unterdessen am Mittwoch (18.11.) die Gesetzesbasis für Corona-Maßnahmen geschaffen werden - die Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist allerdings umstritten. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa/picture alliance

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