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Tempolimit auf Autobahnen: Wieviel Benzin und Diesel gespart werden könnten

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Von: Bjarne Kommnick

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In Deutschland wird das Tempolimit auf Autobahnen wieder heiß diskutiert. Aber wie viel Diesel und Benzin würde sich damit eigentlich sparen lassen?

Berlin – Diesel und Benzin sind so teuer wie nie, Politikerinnen und Politiker fordern wieder vermehrt ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Denn: Je schneller ein Auto fährt, desto mehr Treibstoff verbraucht es. Der Grund dafür ist der Luft- und Rollwiderstand, der sich bei zunehmender Geschwindigkeit erhöht. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass sich mit einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen jährlich große Mengen von Diesel und Benzin einsparen lassen würden. Doch wie groß ist dieser Effekt eigentlich wirklich, wird Deutschland mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung unabhängiger von russischen Rohstoffimporten? Und wie beeinflusst ein Tempolimit CO₂-Ausstoß und Unfallzahlen?

BehördeUmweltbundesamt
HauptsitzDessau-Roßlau, Sachsen-Anhalt
Gründung1974
Bedienstete1600

Tempolimit auf Autobahnen: 1,5 bis 4 Prozent weniger Diesel und Benzin

Vergangenes Jahr habe Deutschland laut dpa rund 81 Millionen Tonnen Rohöl importiert, davon würden rund 28 Millionen Tonnen aus Russland kommen, wie kreiszeitung.de* berichtet. Bereits bis Ende 2022 wolle die Bundesregierung in diesem Bereich vollständig unabhängig von russischen Handelspartnern seien. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums hätten Autos in Deutschland 2020 rund 23,8 Milliarden Liter Benzin und 18,3 Milliarden Liter Diesel verbraucht. Das Potenzial, durch ein Tempolimit Diesel und Benzin zu sparen, scheint offenbar groß zu sein. Zuletzt erklärte Bundesverkehrsminister Volker Wissing, dass ein Tempolimit aufgrund von Schildermangel jedoch gar nicht möglich sei.

Eine Studie des Umweltbundesamtes soll Aufschluss darüber geben, wie groß der Effekt eines Tempolimits wirklich wäre. Aus den Daten geht hervor, je strenger das Tempolimit sei, desto mehr Treibstoff könnte sich damit sparen lassen. Doch laut Berechnungen des Umweltbundesamtes würden sich mit einem Tempolimit von 130 auf deutschen Autobahnen gerade einmal 600 Millionen Liter Sprit jährlich sparen lassen, also gerade einmal rund 1,5 Prozent des Gesamtverbrauches. Zu wenig?

Tempolimit auf der Autobahn.
Ein Tempolimit auf Autobahnen könnte Milliarden von Litern Treibstoff in Deutschland sparen. © Thomas Frey/dpa

Umweltbundesamt: Effekt mit im Ausland getankten Autos „um 14 Prozent höher“

Bei einem Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde könnten sich laut Umweltbundesamt rund 800 Millionen Liter Kraftstoff sparen lassen. Bei 100 km/h seien es rund 1,7 Milliarden Liter Sprit, also circa vier Prozent des Gesamtverbrauches. Würden auch die im Ausland getankten und in Deutschland genutzten Kraftstoffe eingerechnet werden, läge der Effekt laut Umweltbundesamt jedoch „um 14 Prozent höher“. Damit könnte man den Verbrauch auf deutschen Straßen zwar signifikant verringern, die deutsche Abhängigkeit von Russland allein mit diesem Schritt aber wohl eher nicht.

Jedoch weist das Umweltbundesamt auch darauf hin, dass es sich bei den Zahlen um Daten aus der Coronakrise handelt. In diesem Zeitraum seien deutlich weniger Autos unterwegs gewesen als vor der Pandemie. Würde man die Rechnung auf Daten aus 2018 anwenden, zeigt sich, dass das Potenzial noch deutlich größer sein kann. Aufschluss darüber liefert ein Blick auf das eingesparte CO₂ bei einem potenziellen Tempolimit.

Umweltbundesamt: Tempolimit 2018 hätte bis zu 5,4 Millionen Tonnen CO2 gespart

Während 2020 laut Umweltbundesamt rund 1,5 Millionen Tonnen CO₂ mit einem Tempolimit von 130 km/h hätten eingespart werden können, wären es 2018 immerhin 1,9 Millionen gewesen. Bei einem Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde hätten 2020 2 Millionen Tonnen CO₂ gespart werden können, 2018 wären es 2,6 Millionen Tonnen gewesen. Bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Kilometern pro Stunde wären es anstatt 2020 4,3 Millionen gespartes CO₂ 2018 sogar 5,4 Millionen.

Überträgt man diese Zahlen auf den Treibstoff-Verbrauch, könnte mit einem Tempolimit der Diesel und Benzinverbrauch dann immerhin auf rund 6 Prozent reduziert werden, vorausgesetzt die Verkehrsauslastung erreicht mit Ende der Corona-Maßnahmen wieder ein Niveau wie vor der Pandemie. Um Verbraucherinnen und Verbraucher zu entlasten, hat die Bundesregierung zuletzt das Entlastungspaket 2022 beschlossen. Darin ist auch die Preissenkung von Diesel und Benzin an deutschen Tankstellen geplant. Ein Verkehrsrückgang sei laut ADAC durch die hohen Spritpreise jedoch nicht zu verzeichnen.

Tempolimit: Kleiner Effekt für die Rohstoff-Unabhängigkeit – gut für Sicherheit und Umwelt

Ein Tempolimit scheint bestenfalls ein Zwischenschritt in Sachen Unabhängigkeit zu russischen Rohstoffen sein zu können. In Bezug auf Umwelt und Verkehrssicherheit würde es allerdings signifikante Vorteile mit sich bringen. Denn in diese Rechnung würden auch Autos aus dem Ausland mit eingerechnet werden, der Effekt wäre hier also deutlich größer, auch wenn der Rohstoff-Import mit einem Tempolimit in Deutschland nur leicht verringert werden könnte.

Ein Tempolimit rette laut der Deutschen Umwelthilfe sogar Leben. „Beispiele aus der Praxis zeigen, dass ein Tempolimit die Sicherheit erhöht: Auf der A4 zwischen Köln und Aachen gab es seit Einführung eines Tempolimits keinen Unfall mit Todesfolge“, erklärt die Deutsche Umwelthilfe. Zuvor seien auf dem Abschnitt neun Menschen ums Leben gekommen. Auch in Brandenburg zwischen den Dreiecken Havelland und Wittstock habe sich die Unfallzahl nach der Einführung eines Tempolimits halbiert.

Deutsche Umwelthilfe: Deutsche Autobahnen überdurchschnittlich unsicher

Im Vergleich zu Deutschland Nachbarländern, in denen ein Tempolimit herrscht, sterben noch überdurchschnittlich viele Menschen auf Autobahnen in Deutschland laut Deutscher Umwelthilfe „mit jährlich drei Verkehrstoten pro 100 Kilometern Autobahn“. Durch ein Tempolimit würde sich der Bremsweg im Notfall deutlich verringern, zudem würde der Verkehr flüssiger laufen und somit Staus reduzieren, die auch eine häufige Unfallursache in Deutschland seien.

Haben Sie übrigens gewusst, dass es zwischen dem Sicherheitsgurt des Fahrers und dem des Beifahrers in vielen Autos einen Unterschied gibt? Das hat einen bestimmten Grund. *kreiszeitung.de ist wie wa.de ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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