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Sturm in NRW: Was Arbeitnehmer und Eltern wissen müssen

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Von: Kristina Köller

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Wieder hat ein Sturm in NRW gewütet. Es wurde ungemütlich und gefährlich draußen. Was müssen Arbeitnehmer und Eltern wissen? Rechte und Pflichten.

NRW - Über NRW fegten in dieser Woche bereits drei Stürme, zuletzt Tief Antonia mit Orkanböen. Schon bei vergangenen Unwetterlagen hat sich oft genug gezeigt: Das bringt Probleme mit sich - neben Sturmschäden auch Schwierigkeiten, rechtzeitig und vor allem heile bei der Arbeit anzukommen. Und wie steht es um Schulkinder? Muss ich mein Schulkind bei Wind und Wetter in die Schule schicken? Arbeitnehmer und Eltern sollten auch im Sturmtief ihre Pflichten kennen.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
MinisterpräsidentHendrik Wüst (CDU)
Bevölkerung17,9 Millionen (2021)

Sturm und Orkan in NRW: Pflichten von Arbeitnehmern und Eltern

Rechtsanwalt Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen stellt klar, dass Arbeitnehmer auch bei Sturm und Verkehrsstörungen pünktlich im Büro oder im Betrieb erscheinen müssen. Auch im Falle eines Unwetters liege das arbeitsvertragliche Wegerisiko beim Mitarbeiter. „Sie müssen - insbesondere bei vorhersehbaren Störungen - zusätzliche Anfahrzeit, alternative Transportmöglichkeiten einkalkulieren oder die Fehlzeiten - einvernehmlich - mit Urlaub/Überstunden verrechnen“, so der Rechtsanwalt.

Tief Ylenia kam in der Nacht zu Donnerstag, am Freitag und in der Nacht zu Samstag hat Orkan Zeynep in NRW gewütet und in der Nacht zu Montag Tief Antonia - da ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass man doch zu spät am Arbeitsplatz eintrifft. In diesem Fall hat man für die ausfallende Arbeitszeit keinen Lohnanspruch, wie Kempgens betont. Unterm Strich müsse man die Arbeitszeit nacharbeiten, Abzüge hinnehmen oder die Zeiten mit Überstunden oder Urlaub abdecken.

Sturm rollt über NRW: Das müssen Arbeitnehmer beachten

Das gelte übrigens auch dann, wenn die Verspätung vollkommen überraschend war, da dies verschuldensunabhängig gilt. Es gehe nämlich beim Lohn- und Gehaltsanspruch nur um die Frage, ob der Arbeitnehmer die eigene Arbeitskraft zur vertraglichen Zeit am vertraglichen Arbeitsort angeboten hat oder nicht.

Bei einer Verspätung ist den Rechtsanwalt zufolge eine Abmahnung - und bei Wiederholung eine Kündigung - möglich. Das geht aus ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hervor. In diesem Fall kommt es aber wohl darauf an, ob der Arbeitnehmer die Verspätung verschuldet hat oder nicht. Beim Verschulden wiederum komme es auf die Vorhersehbarkeit der Verkehrsstörung an. Nur wenn Ausmaß und Umfang deutlich größer sind als erwartet und vorhersehbar, könne dem Arbeitnehmer kein Verstoß vorgehalten werden.

Sturm in NRW: Eltern fragen sich, ob Kinder in die Schule müssen

Die Menschen müssen sich auf die Unwetter einstellen. Viele Eltern machen sich aber auch an anderen stürmischen Tagen Sorgen, und fragen sich, ob sie ihr Kind in die Schule schicken müssen - und ob womöglich ein Verstoß gegen die Schulflicht besteht, wenn sie es nicht tun. Die Angst vor einem solchem Verstoß ist verständlich, denn je nach Bundesland können dem Rechtsanwalt zufolge Bußgelder von im Schnitt 100 bis 200 Euro pro Kind und Tag drohen.

Sturmtief Nadia - Drönnewitz
Dürfen bei einem Sturm Kinder aus der Schule bleiben? © Jens Büttner

In dieser Sachen gibt Arndt Kempgens ein Stück weit Entwarnung: „Schulrechtlich dürfen die Eltern selbst entscheiden, ob bei Unwetterlagen der Weg zur Schule zumutbar ist oder ob er unter den gegebenen Bedingungen als zu gefährlich erscheint.“

Sturm in NRW: Muss mein Kind in die Schule?

Der Rechtsanwalt rät dazu, dass wenn Kinder aus Sicht der Eltern zu Hause bleiben müssen, die Eltern „unverzüglich“ die Schule darüber informieren sollten. Bußgelder drohen dem Rechtsexperten zufolge nur dann, „wenn die Einschätzung der Eltern bezogen auf den Entscheidungszeitpunkt grob falsch und nicht vertretbar war“.

Viele Eltern und Kinder haben es in der Vergangenheit auch schon mal erlebt: Schulen und Schulträger vor Ort können auch in eigener Verantwortung den Schulbetrieb aussetzen. Mit Blick auf den bevorstehenden Sturm hat das Schulministerium NRW ihnen diese Entscheidung schon mal abgenommen.

Sturm-Warnung: Nicht in den Wald gehen - so schützen Sie sich und Ihr Hab und Gut

Und auch im privaten Bereich gibt es einiges zu beachten. So warnt Wald und Holz NRW laut come-on.de* mit einem eindringlichen Appell davor, bei und nach einem Sturm die Wälder zu betreten. Denn ein Notfall im Wald ist ein Horrorszenario. Entscheidend ist für sehr viele Menschen auch die Frage, wie sie Haus, Garten, Auto und sich selbst schützen können.

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