1. wa.de
  2. Verbraucher

Böser Verdacht: Salmonellen-Fall in Ferrero-Fabrik lange vor Rückruf bekannt

Erstellt:

Kommentare

Ferrero wusste offenbar schon seit Monaten von einem Salmonellen-Fall in einer belgischen Fabrik. Warum werden die „Kinder“-Produkte erst jetzt zurückgerufen?

Luxemburg/Hamm - Es begann mit einem Rückruf von Überraschungseiern in Großbritannien und anderen europäischen Ländern; dann ging es um noch mehr Produkte aus der „Kinder“-Palette - und um mehr Länder. Der Salmonellen-Verdacht im Hause Ferrero hat nun eine neue Dimension angenommen.

HerstellerFerrero
HauptsitzAlba, Italien
Gründung1946

Denn schon im Dezember ist dem Süßwaren-Riesen ein Salmonellen-Fall in jener Fabrik im belgischen Arlon bekannt geworden, die seit einigen Tagen im Fokus der Lebensmittelbehörden steht. Dies geht laut Deutscher Presse-Agentur aus einer Mitteilung von Ferrero France in Luxemburg hervor. Wegen der Salmonellen-Fälle muss der Süßwaren-Riese Ferrero die Produktion vorerst stoppen. Die Aufsichtsbehörde Afsca kündigte am Freitag (8. April) an, die Produktionslizenz für die Fabrik in Arlon in Folge von Ermittlungen zu entziehen. 

Salmonellen: Wusste Ferrero schon lange vor Rückruf von Fällen?

Der Mitteilung zufolge wurden am 15. Dezember am Standort Arlon Salmonellen in einem Sieb am Auslass von zwei Rohstofftanks festgestellt. Die daraus gefertigten Produkte seien daraufhin zurückgehalten worden. Der Filter sei ausgetauscht und Kontrollen der unfertigen und fertigen Produkte seien gesteigert worden, so Ferrero.

Warum Ferrero nicht schon damals die bereits im Umlauf befindlichen Produkte zurückrief, geht aus der Mitteilung nicht hervor, so dpa. In den vergangenen Tagen hat das Unternehmen in etlichen Ländern Produkte seiner „Kinder“-Süßwarenserie zurückgerufen - nun auch in den USA, wie aus einer Unternehmensmitteilung hervorgeht, die die US-Lebensmittelbehörde FDA am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichte.

Betroffen von den Rückrufen der vergangenen Tage ist auch der deutsche Markt, unter anderem mit ausgewählten Chargen von „Kinder“-Überraschungseiern und „Kinder“-Schoko-Bons sowie einigen Osterartikeln.

Rückruf von Kinder-Produkten: Ferrero-Fabrik in Belgien Ausgangspunkt

Es sind nur reine Vorsichtsmaßnahmen, wie das Unternehmen mehrfach betonte. Obwohl keines der „Kinder“-Produkte positiv auf Salmonellen getestet worden sei, nehme Ferrero die Angelegenheit sehr ernst, „denn der Schutz der Verbraucher hat für uns oberste Priorität“. Doch allein der Verdacht eines Salmonellen-Befalls könnte Spuren in den Supermarktregalen hinterlassen - zumal das Ostergeschäft bei Süßwarenherstellern als lukrativ gilt.

Aber was war überhaupt der Auslöser für die vielen Rückrufe der vergangenen Tage? Zu Beginn der Woche waren zunächst in Großbritannien und Frankreich Fälle von Salmonellen-Erkrankungen bekannt geworden. In Großbritannien waren vor allem kleine Kinder an einer Salmonellen-Infektion erkrankt, wie die Nachrichtenagentur PA am Montag meldete. Kurz darauf rief Ferrero einige Chargen an Kinder-Überraschungseiern zurück. Die Lebensmittelsicherheitsbehörde teilte mit, der Rückruf habe „eine mögliche Verbindung zu einem Salmonellen-Ausbruch“.

Dutzende Salmonellen-Erkrankungen Auslöser für Ferrero-Rückruf

Auch in Frankreich hatte Ferrero zu Wochenbeginn nach 21 Infektionsfällen Produkte zurückgerufen, wie die Gesundheitsbehörden in Paris mitteilten. Nach deren Angaben handelt es sich genetisch um dieselben Salmonellen, die für einen Ausbruch von Salmonellen-Erkrankungen in Großbritannien und Irland verantwortlich sind. Hergestellt werden die betroffenen „Kinder“-Schokoprodukte alle demnach in besagter Fabrik im belgischen Arlon.

Belgische Behörde entzieht Ferrero vorerst Lizenz
Ein Polizeifahrzeug steht vor der Ferrero-Fabrik. Aufgrund von Salmonellen-Fällen in mehreren Ländern muss der Süßwarenhersteller Ferrero die Produktion in einer Fabrik in Belgien vorerst stoppen. © Eric Lalmand/picture alliance/dpa/BELGA

Durch die Zusammenarbeit mit Lebensmittel- und Gesundheitsbehörden in Europa habe Ferrero neue Daten erhalten, die eine Übereinstimmung zwischen den in Europa gemeldeten Salmonellenfällen und dem eigenen Werk in Arlon zeigten, hieß es nun von dem Unternehmen.

Am Donnerstag weitete Ferrero seinen Produktrückruf in Deutschland auch auf einige Weihnachtsartikel aus. Es handelt sich unter anderem um spezielle Überraschungseier und Adventskalender, jeweils mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 20. April 2022, wie aus einer am Donnerstag im Portal lebensmittelwarnung.de veröffentlichten Übersicht hervorgeht.

Ferrero-Rückruf: EU-Behörden nehmen Untersuchungen auf

In Europa nahmen die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC Untersuchungen auf. Die beiden Behörden hatten am Mittwoch von 105 bestätigten Salmonellenfällen und 29 Verdachtsfällen gesprochen, die meisten davon bei Kindern im Alter von unter zehn Jahren. Bestimmte Schokoladenprodukte seien als wahrscheinlicher Infektionsweg identifiziert worden.

„Eine Salmonellen-Erkrankung äußert sich innerhalb weniger Tage nach der Infektion mit Durchfall und Bauchschmerzen, manchmal mit Erbrechen und leichtem Fieber“, teilt die Verbraucherzentrale mit. Bei Gesunden klingen die Beschwerden demnach in der Regel nach einigen Tagen wieder ab. In bestimmten Fällen könne es jedoch zu schweren Krankheitsverläufen kommen, insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern, alten Menschen und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem. - dpa

Auch interessant

Kommentare