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„Mogelpackung des Jahres“ – Rama trickst dreister als andere

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Von: Simon Stock

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Rama wurde zur „Mogelpackung des Jahres“ gewählt. So viele Beschwerden über ein Produkt gab es nie zuvor. Auf der Liste stehen viele weitere Markenartikel.

Hamm - Dreist, dreister, Rama: Der beliebte Brotaufstrich belegt den ersten Platz einer Liste, auf der kein Unternehmen überhaupt nur erwähnt werden möchte. Die Verbraucherzentrale hat das Streichfett der Firma Upfield zur „Mogelpackung des Jahres 2022“ gekürt. „Nie zuvor haben wir so viele Beschwerden zu einem Produkt erhalten“, schreiben die Verbraucherschützer.

MarkeRama
MuttergesellschaftenUpfield Holdings, Kohlberg Kravis Roberts & Co.

Mogelpackung des Jahres 2022: Rama vor Leerdammer und Calgon

Versuche, Kunden im Supermarkt oder Discounter durch versteckte Preiserhöhungen mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, sind fast so alt wie die Lebensmittelindustrie selbst. Mit einem besonders frechen Abzock-Versuch ist im Jahr 2022 das Unternehmen Upfield aufgefallen.

Das Bild zeigt das Produkt der Marke Rama des Herstellers Upflield.
Dreiste Mogelei: Der Preis für einen Becher Rama bleibt bei 2,19 Euro. Aber der Inhalt ist geschrumpft. Die Bechergröße wurde beibehalten. © Verbraucherzentrale Hamburg

Der Preis für einen Becher Rama blieb unverändert, dafür bekam der Käufer plötzlich nur noch 400 statt 500 Gramm. Das macht den Brotaufstrich um 25 Prozent teurer. Zu erkennen war das auf den ersten Blick nicht, denn die Packungsgröße blieb gleich. Identischer Preis, weniger Inhalt - so etwas nennt man „Shrinkflation“. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort „shrink“ (schrumpfen) und Inflation zusammen. 

Mogelpackung des Jahres 2022: Rama hat bei gleichem Preis weniger Inhalt

„Upfield hat den Bogen überspannt und Rama die Wahl zur ,Mogelpackung des Jahres‘ mehr als verdient! Wenn der Inhalt schrumpft, die Packung aber nicht, haben Verbraucherinnen und Verbraucher kaum eine Chance, die Weniger-drin-Trickserei zu bemerken“, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Neben Rama standen vier weitere Produkte als mögliche „Mogelpackung des Jahres 2022“ zur Wahl. Zweitplatzierter ist der Scheibenkäse Leerdammer, dessen Inhalt von 160 auf 140 Gramm schrumpfte, obwohl „dauerhaft 1 Scheibe mehr“ versprochen war. Im Zusammenspiel mit einem höheren Preis führte das laut Verbraucherzentrale Hamburg zu einer Preiserhöhung von bis zu 43 Prozent.

Auf den Plätzen drei bis fünf landen der Wasserenthärter Calgon, Goldbären von Haribo und Pringles Chips, die im April 2022 zur Mogelpackung des Monats gekürt wurden.

Mogelpackung des Jahres 2022: Die Hitparade der Schande

Für das Jahr 2022 registrierten die Verbraucherschützer deutlich mehr Hinweise auf Mogelpackungen. Dabei meldeten Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur Markenartikel, sondern immer öfter auch Produkte von Eigenmarken des Handels. Mit insgesamt 34.293 abgegebenen Stimmen nahmen 2022 im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viele Personen an der Wahl zur „Mogelpackung des Jahres“ teil. 

Die Verbraucherzentrale fordert von der Politik mehr Schutz für Kunden vor versteckten Preiserhöhungen. Es brauche strengere Regeln: Packungen müssten prinzipiell voll befüllt sein, nur in Ausnahmefällen sollte ein technisch notwendiger Luftraum erlaubt sein. Bei reduzierten Füllmengen müssten auch die Packungen entsprechend kleiner werden.

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