1. wa.de
  2. Verbraucher

Droht Preisschock beim Bäcker? Wie teuer bald ein Brötchen sein könnte

Erstellt:

Von: Daniel Schröder, Hannah Decke

Kommentare

Das Leben wird teurer, das merken Verbraucher aktuell überall. Nun trifft es auch das Frühstück: Die Brötchen werden teurer.

Soest/Hamm - Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine sind die Kosten für Energie, Rohstoffe und damit auch für unsere alltäglichen Produkte gestiegen. Der bewaffnete Konflikt im Osten Europas und der daraus resultierende Exportstopp Russlands haben die Preise aber noch einmal deutlich nach oben getrieben. Das kommt jetzt auch bei den Bäckereien in Deutschland an. Die Brötchen, für viele ein elementarer Bestandteil der Ernährung, werden teurer.

Heiko Klapp, stellvertretender Obermeister der Bäcker- und Konditoren-Innung Soest-Lippstadt (NRW), rechnet nach Gesprächen mit der Mühle, die ihn beliefert, mit Preissteigerungen beim Mehl um 50 Prozent: „Das ist eine richtige Nummer. Das tut richtig weh und wird eine große Herausforderung für das Bäckerhandwerk“ unterstreicht Klapp, der in Ense-Bremen im Kreis Soest selbst eine Bäckerei betreibt.

Droht der Preisschock beim Bäcker? So teuer könnte bald ein Brötchen sein

Die Lieferanten erhöhen ihre Preise - und das bei allen Rohstoffen, nicht nur bei Mehl. Und auch die Preissteigerung beim Öl macht sich bei der Produktion in den deutschen Bäckereien bemerkbar. Hinzu kommt noch der steigende Mindestlohn und die Bäcker sind mit einer Vielzahl steigender Kosten konfrontiert.

Das zwingt die Betriebe dazu, die Preise für ihre Waren zu erhöhen. „50 Cent für das Brötchen werden dieses Jahr definitiv getoppt. Da wird man nicht drumherum kommen, wenn man kostendeckend für den Betrieb arbeiten möchte“, erklärt Bäcker Heiko Klapp.

Backwaren werden teurer: Große Sorge vor steigenden Produktionskosten

Auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks äußerte bereits die große Sorge vor steigenden Produktionskosten. Eine pauschale Aussage über eine Preissteigerung für den Endverbraucher könne allerdings nicht getroffen werden, heißt es in einer Mitteilung des Verbands. Ob die Betriebe ihre Preise anpassen, entscheide jedes Unternehmen individuell.

„Die Preisbildung von Backwaren ist immer von der Kalkulation und Kostenstruktur des jeweiligen Unternehmens abhängig. Jeder Betrieb ist unterschiedlich aufgestellt und Produktpreise werden individuell kalkuliert“, so Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider. Eine Anpassung sei aufgrund der enormen Kostensteigerung aber vermutlich für viele Betriebe „unabdingbar“.

Der Zentralverband fordert ein schnelles Durchgreifen der Politik, „um mittelfristig auch eine Gefährdung von Betrieben und Arbeitsplätzen zu vermeiden.“

Verschiedene mit Körnern bedeckte Brötchen liegen in der Auslage eines Bäckers.
Das Brötchen beim Bäcker könnte bald immer teurer werden. (Symbolbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bereits im Oktober 2021 warnte die „Allgemeine Bäckerzeitung“ (ABZ) aufgrund der hohen Inflation vor Brötchenpreisen „weit über einen Euro“. Der Ukraine-Krieg hat die Lage weiter verschärft.

Hamsterkäufe: Gibt es bald Engpässe in der Bäckerei?

Eine Sorge kann den Backwaren-Liebhabern aber genommen werden: Weder Bäcker Klapp noch der Zentralverband fürchten Engpässe. „Mit einem Selbstversorgungsgrad an Getreide von teilweise über 100 Prozent sind Sorgen unbegründet, dass die Handwerksbäcker bald nicht mehr genügend Backwaren anbieten können“, heißt es von Verbandspräsident Michael Wippler.

Und auch im Kreis Soest zeigt man sich noch gelassen beim Thema Engpässe. Allerdings: „Die Lieferanten berichten, dass es langsam losgeht und das ein oder andere eng werden könnte“, so Klapp, der dafür auch Hamsterkäufe verantwortlich macht. „Einige Betriebe fangen auch schon mit dem Hamstern an, doch die Großhändler geben oft nur die Mengen heraus, die schon vorher bestellt worden sind und offenbar ausreichend waren.“

Viele Lebensmittel werden aktuell im Supermarkt wieder knapp. Der Grund: Hamsterkäufe. So ist aktuell das Sonnenblumenöl betroffen, das allerdings mit Alternativen ersetzt werden kann. *wa.de und soester-anzeiger.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare