Für immer mit Maske?

Maskenpflicht auch nach Corona? Ärztechef nennt es an bestimmten Orten eine „Option“

Die Maske ist im Kampf gegen das Coronavirus alltäglicher Begleiter. Und auch danach könnte die Maskenpflicht dauerhaft eine Option sein, sagt der Ärztechef.

Hamm - Seit April 2020 trägt die Bevölkerung in Deutschland einen Mund-Nasen-Schutz. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, gilt an vielen Orten die Maskenpflicht. Das hat positive Nebeneffekte wie etwa weniger Grippe- oder Durchfallerkrankungen - und könnte daher laut Experten auch auf Dauer eine Option sein. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)
Bundeskanzlerin Angela Merkel

Maskenpflicht auch nach Corona? Ärztechef sieht es an bestimmten Orten als „Option“

Die Maske gehört mittlerweile zum Alltag. Der Mundschutz muss beim Einkaufen, in Arztpraxen und im öffentlichen Nahverkehr getragen werden. Seit dem zweiten Lockdown ist die Maskenpflicht sogar noch einmal verschärft worden. Reichten im vergangenen Jahr noch einfache Stoffmasken, sind inzwischen medizinische Masken Pflicht. Ein Bundesland hat die Regeln sogar verschärft und eine Maskenpflicht in Autos verhängt.

Und ein Ende der Maskenpflicht ist vorerst nicht abzusehen. Zwar sinken die Corona-Zahlen in Deutschland allmählich. Einen Grund für Lockerungen sehen Politiker kurz vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen dennoch nicht. Kanzlerin Angela Merkel deutete jüngst in einem Interview an, dass die Maßnahmen eher in die Verlängerung gehen werden. Sowieso kann davon ausgegangen werden, dass die Maskenpflicht einer der letzten Maßnahmen sein wird, von der die Menschen erlöst werden.

Maskenpflicht auch nach Corona? Mundschutz dämmt auch andere Krankheiten ein

Und wenn nicht? Das kollektive Tragen der Maske überall dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, hat positive Nebeneffekte. Neben Covid-19 werden auch andere Infektionskrankheiten durch den Mundschutz ausgebremst.

Laut einer Datenanalyse der AOK Nordost konnte etwa die Ausbreitung der Grippe im Herbst 2020 durch die AHA-Regeln stark eingedämmt werden. Dies habe eine Auswertung der Krankmeldungen auf Basis von Versichertenzahlen ergeben. Laut der Krankenkasse haben sich von Ende September bis Mitte November knapp 50 Prozent weniger AOK-Versicherte wegen einer Grippe krankschreiben lassen als in den Vorjahren.

Gleiches sei auch bei Magen-Darm-Infektionen, Lungenentzündungen und Bronchitis zu beobachten. Hier habe die Zahl der Krankschreibungen um mehr als ein Drittel niedriger gelegen als im Vorjahr.

Maskenpflicht auch nach Corona? Grippewelle durch Schutzmaßnahmen deutlich abgeschwächt

Auch die Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) bekräftigen die positiven Nebeneffekte der Infektionsschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Schon in einem Bericht aus April 2020 teilte das RKI mit, dass sich die Dauer der Grippewelle Anfang des Jahres um mindestens zwei Wochen verkürzt hatte und die Influenza-Aktivität schneller abgeklungen war. Und auch 2021 liegt die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen laut RKI „weiterhin deutlich unter dem Niveau der Werte der Vorsaisons“.

In der Corona-Pandemie ist der Nebeneffekt der AHA-Regeln und somit auch der Maske besonders erfreulich: Weniger Erkrankungen mit der Influenza bedeuten mehr Kapazität in Krankenhäusern und Praxen für Covid-19-Patienten. Aber könnte die Maske uns deshalb auch nach Ende der Pandemie erhalten bleiben?

Maskenpflicht auch nach Corona? Mundschutz dämmt auch andere Krankheiten ein

Laut Welt fordern die ersten Ärzte, auch nach Corona an der Maskenpflicht in Praxen festzuhalten. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes, des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, sieht den Vorschlag als „eine Option“. Allerdings fügt er hinzu, dass das Tragen einer Maske kein Allheilmittel sei, da Praxen keine Infektionsherde wären.

Aus Sicht des Vichowbundes solle das Maskengebot daher insbesondere dort gelten*, wo es zu größeren Ansammlungen von Menschen kommt – wie etwa im öffentlichen Nahverkehr, berichtet auch fr.de*.

Also die Maske für immer? Wäre das überhaupt möglich? „Nur im Rahmen des Erforderlichen“, sagt Arndt Kempgens, Rechtsanwalt aus Gelsenkirchen, auf Anfrage. „Die Maskenpflicht ist eine erhebliche Beeinträchtigung der Grundrechte.“ Die Corona-Schutzverordnung erlaube zwar, dass die zuständigen Behörden solche Maßnahmen ergreifen können - aber eben nur, so lange es nach dem Infektionsschutzgesetz erforderlich sei. - *fr.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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