Kunden seien Schuld

Lidl und Kaufland: Preise werden erst teuer - jetzt gibt‘s wieder billiges Fleisch

Lidl und Kaufland hatten den Preis für Fleisch- und Milchprodukten nach Bauern-Protesten erhöht. Jetzt kommt die Rückkehr zum Billig-Fleisch, schuld sollen die Kunden sein.

Hamm - Die „Geiz ist geil“-Mentalität schien eigentlich überwunden: Selbst der Discounter Lidl und der Supermarkt Kaufland machten Produkte mit Fleisch und Milchprodukten teurer. Nach acht Wochen war es mit der Preiserhöhung vorbei. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, verweist bei diesem Schritt auf ihre Kunden.

HandelsunternehmenSchwarz Gruppe
Muttergesellschaft von Lidl, Kaufland
LeitungKlaus Gehrig

Lidl und Kaufland: Erst werden die Preise teurer, dann wieder billig - Schuld ist der Kunde?

Eigentlich waren die höheren Preise ein Zugeständnis an die Landwirte. Mitte Dezember hatten diese hauptsächlich gegen Lidl protestiert. Bauern blockierten das Zentrallager in Cloppenburg und Verteilzentren des Discounters wie etwa in Bönen. Die Kritik der Landwirte richtete sich gegen zu niedrige Preise für ihre Erzeugnisse. Besonders Fleisch vom Schwein und Milch-Produkte würden in Deutschland verramscht.

Lidl reagierte und kündigte an die Preise für zehn Schweinefleisch-Artikel in den Läden um einen Euro pro Kilogramm zu erhöhen. Außerdem sagte die Schwarz-Gruppe 50 Millionen Euro für die Initiative Tierwohl zu. Durch diese Hilfe wolle man besonders Landwirte unterstützen, die durch die Corona-Pandemie und die afrikanische Schweinepest verursachten Probleme im Markt abzufedern.

Keine acht Wochen später aber zeichnet sich die Rückkehr zum billigen Fleisch ab: Der Marktdruck sei zu hoch, die Nachfrage der Kunden nach den betreffenden Produkten eingebrochen. Es lohne sich für Lidl nicht mehr. „Die Entwicklung der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass der Markt unserem Preissignal nicht gefolgt ist. Dadurch ist uns ein erheblicher Wettbewerbsnachteil entstanden“, erklärt eine Sprecherin von Lidl.

Lidl und Kaufland: Andere Supermärkte passen Fleisch-Preis nicht an

Doch laufen mit den erhöhten Preisen für Fleisch- und Milch-Produkte wirklich die Kunden weg? Lidl und Kaufland haben die Preiserhöhung zumindest wieder rückgängig gemacht.  Es sei dem Unternehmen nicht möglich, die Preise dauerhaft und allein auf erhöhtem Niveau zu halten, hatte eine Unternehmenssprecherin von Lidl im Gespräch mit wa.de bestätigt.

Sowohl Landwirte als auch die Supermärkte der Schwarz-Gruppe waren wohl davon ausgegangen, dass andere Lebensmittelhändler nachziehen. Nur die Rewe-Gruppe (Rewe-Märkte und Penny-Discounter) hatte nach der Aktion angekündigt, Preise wie vor dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest zu zahlen.

Die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland ist der größte Lebensmittelhandelskonzern in Europa. Weltweit betreibt die Supermarkt-Gruppe mehr als 12.000 Filialen und erreichte zuletzt einen Umsatz von mehr als 110 Milliarden Euro, berichtet dpa. Supermärkte und Discounter gehören zu den großen Profiteuren der Corona-Pandemie, die Rewe-Gruppe berichtete, dass sie 2020 erstmalig den Umsatz von 75 Milliarden Euro geknackt hatte und hofft nun an Aldi und Carrefour vorbei auf Platz zwei von Europas großen Lebensmittelhandelskonzernen zu rücken.

Kaufland und Lidl brechen Fleisch-Preis-Experiment ab - Kunden kaufen nicht genug

Eigentlich sind Umweltschutz, Tierwohl und bessere Haltungsbedingungen im Interesse von vielen Menschen - mehr zahlen wollen viele Kunden wohl trotzdem nicht. Zumindest jetzt ist das Experiment des Discounters Lidl und des Supermarkts Kaufland gescheitert. Die Konkurrenz zog nicht mit und die Kunden seien aufgrund der höheren Preise abgewandert.

Eine Untersuchung von Greenpeace zeigte, dass das Fleisch bei Netto, Edeka, Rewe, Aldi, Penny, Kaufland und Lidl zu 88 Prozent den zwei schlechtesten Haltungsstufen 1 und 2 entspricht. „Der Einzelhandel ist also Teil des Problems beim Billigfleisch“ urteilen die Umweltschützer.

Untersuchungen der Verbraucherzentrale zeigen, das berichtet merkur.de, dass Fleisch im Supermarkt ruhig teurer werden darf, auch wenn die Konkurrenz nicht mitzieht. Aber: Den Kunden muss gezeigt werden, warum sich die Preise erhöhen. Das sei etwa durch eine bessere Kennzeichnung der Waren möglich.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene / dpa

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