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Krankenkasse erhöht Beitrag: Diese Möglichkeiten haben Versicherte

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Von: Daniel Großert

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Manche Krankenkassen werden teurer. Millionen Versicherte müssen 2022 mehr Beitrag bezahlen. Welche Möglichkeiten sie bei einer Erhöhung haben.

Hamm - Viele gesetzlich Versicherte werden keine Freude gehabt haben, als sie zuletzt Post von ihrer Krankenkasse im Briefkasten gefunden haben. Denn 19 Krankenkassen haben ihren Beitrag für das Jahr 2022 erhöht, wie aus der aktuellen Liste des GKV-Spitzenverbandes hervorgeht. Etwa ein Viertel der gesetzlich Versicherten muss daher nun für die eigene Krankenversicherung tiefer ins Portemonnaie greifen. Welche Möglichkeiten haben sie jetzt?

KrankenkasseAOK
CEOMartin Litsch
GründerOtto von Bismarck

Krankenkassenbeitrag erhöht: Welche Möglichkeiten Versicherte haben

Vor allem AOK-Versicherte müssen im neuen Jahr höhere Beiträge zahlen. Neun der insgesamt elf Allgemeinen Ortskrankenkassen (kurz: AOK) haben ihren Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel erhöht, was ein Vorstandsmitglied bereits im Sommer angekündigt hatte. Den können die gesetzlichen Krankenkassen frei festlegen und zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz (14,6 Prozent) erheben. Die Erhöhung bei den AOKs liegt zwischen 0,2 und 0,5 Prozent. Bezahlen müssen sie der Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte. Bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro müssen Versicherte also zwischen 36 und 90 Euro mehr pro Jahr zahlen.

Lediglich die AOK Niedersachsen und die AOK Plus (Sachsen und Thüringen) haben ihren Zusatzbeitrag 2022 nicht erhöht. Das gilt auch für die drei größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland: Die Beiträge der Techniker Krankenkasse, der Barmer und der DAK bleiben im neuen Jahr jeweils stabil. Elf Krankenkassen haben ihren Zusatzbeitrag im Vergleich zum Vorjahr sogar gesenkt - darunter aber einige Betriebskrankenkassen, bei denen sich nur Mitarbeiter der jeweiligen Unternehmen versichern können.

Viele gesetzlich Versicherte, die nun mehr für ihre Krankenversicherung bezahlen müssen, fragen sich nun, welche Möglichkeiten sie haben. Klare Antwort: Sie haben ein Sonderkündigungsrecht, wie die Verbraucherzentrale klarstellt. Darauf muss die Krankenkasse sie im Zuge der Beitragserhöhung hinweisen. Bis zum Ende des Monats, in dem der Zusatzbeitrag erhöht wird, können sie ihre Mitgliedschaft kündigen. Im aktuellen Fall haben sie also bis Ende Januar Zeit dazu.

Erhöhung der Krankenkassenbeiträge: Diese Frist müssen Versicherte beachten

Die Mitgliedschaft endet dann allerdings nicht sofort, sondern erst zwei Monate später. Diese Kündigungsfrist gilt bei den gesetzlichen Krankenkassen ohnehin. Einen Vorteil bringt das Sonderkündigungsrecht vor allem den Versicherten, die seit weniger als einem Jahr Mitglied bei ihrer Krankenkasse sind: Neue Versicherte sind normalerweise zwölf Monate an die Krankenkasse gebunden. Das entfällt bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrags jedoch.

Eine Kündigung an die alte Krankenkasse müssen sie seit dem vergangenen Jahr nicht einmal mehr schreiben. Es reicht ein Antrag bei der neuen Krankenkasse, die sich dann um alles Weitere kümmert. Bei der Auswahl einer neuen Krankenkasse haben Versicherte grundsätzlich die freie Wahl. Allerdings nehmen manche Versicherer nur Mitglieder aus bestimmten Bundesländern auf, die AOK NordWest zum Beispiel nur aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Folgende bundesweit geöffneten Krankenkassen haben nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes 2022 den niedrigsten Zusatzbeitrag:

hkk0,69 Prozent
BKK firmus0,84 Prozent
Securvita1,1 Prozent
IKK gesund plus1,1 Prozent
Audi BKK1,1 Prozent
BKK VerbundPlus1,1 Prozent
Heimat Krankenkasse1,1 Prozent

Krankenkasse könnte noch teurer werden: „Beitrags-Tsunami“ droht

Jedoch sollten Versicherte nicht nur auf den Zusatzbeitrag schauen. Zwar sind ein Großteil der Leistungen von gesetzlichen Krankenkassen durch das Sozialgesetzbuch identisch, doch gibt es Unterschiede bei denen, die darüber hinaus gehen. Daher sollte man sich vorab auch darüber bei den jeweiligen Krankenkassen informieren. Denn die Beitragsersparnis nützt wenig, wenn der neue Versicherer eine freiwillige Leistung, die man bisher immer in Anspruch genommen hat, nicht anbietet.

Versichertenkarten von gesetzlichen Krankenkassen liegen auf einem Tisch.
Manche Krankenkassen haben 2022 ihren Beitrag erhöht. Millionen Versicherte müssen für ihre Krankenversicherung mehr bezahlen. © Jens Kalaene/dpa

Versicherte der Krankenkassen, die ihren Beitrag 2022 nicht erhöht haben, sollten sich aber noch nicht zu früh freuen: 2023 könnte es wegen der auch durch das Coronavirus angespannten Finanzlage vieler Krankenkassen zu großflächigen Erhöhungen kommen. „Wenn die Politik nicht aktiv gegensteuert, wird es 2023 einen Beitrags-Tsunami geben“, sagte Andreas Storm, Chef der DAK, der Welt am Sonntag. Auf Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kommt 2022 neben der Pandemie also eine weitere große Aufgabe zu. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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