Riesiges Finanzloch

Steigen die Krankenkassen-Beiträge drastisch an? Chefs schlagen Alarm

Steigen die Krankenkassen-Beiträge in Deutschland 2022 drastisch an? Die Chefs der Kassen bringen eine Erhöhung ins Spiel - wenn die Politik nicht aushilft.

Hamm - Rund 73 Millionen Menschen in Deutschland sind bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Das sind etwa 90 Prozent der gesamten Bevölkerung. Auf diesen Großteil der Deutschen könnten im kommenden Jahr satte Mehrkosten für ihre Krankenversicherung zukommen.

14,6 Prozent ihres Brutto-Gehalts zahlen gesetzlich Versicherte jeden Monat an ihre Krankenkasse, die seit dem 1. Juli die Kosten für mehr Leistungen übernimmt. Das ist der gesetzlich festgeschriebene allgemeine Beitragssatz. Die Hälfte des Beitrags tragen die Arbeitnehmer selbst, die andere Hälfte zahlt der Arbeitgeber. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag, der je nach Krankenkasse variiert. Auch hier übernimmt der Arbeitgeber eine Hälfte. Im Durchschnitt liegt der Zusatzbeitrag bei 1,3 Prozent, sodass insgesamt 15,9 Prozent des Brutto-Lohns in die Krankenversicherung fließen. Der Zusatzbeitrag für gesetzliche Krankenkassen wurde 2015 in Deutschland eingeführt.

Krankenkassen-Beitrag: Droht drastische Erhöhung? Chefs schlagen Alarm

Doch 2022 könnte dieser Beitrag deutlich steigen: Wie die Bild berichtet, sei eine Erhöhung um bis zu 0,7 Prozentpunkte möglich. „Wenn die Bundesregierung keine weiteren Zuschüsse für die Krankenkassen beschließt, würde der Zusatzbeitrag von derzeit 1,3 auf 2 Prozent ansteigen“, zitiert die Zeitung den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbands, Jens Martin Hoyer.

Der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Prof. Dr. Christoph Straub, beziffert das Finanzloch der gesetzlichen Krankenkassen dem Bericht zufolge auf fast 2 Milliarden Euro. Doch wie kommt diese große Lücke zustande? Die Bild begründet sie mit gestiegenen Ausgaben der Krankenversicherer. Demnach sei die Zahl der Operationen in Krankenhäusern wieder auf das Niveau vor der Corona-Pandemie gestiegen, nachdem die Kliniken im Lockdown noch sehr viele OPs verschoben hätten. Die gestiegene Zahl von Arztbesuchen sowie deutlich gestiegene Ausgaben für Physiotherapie (plus 14 Prozent) seien weitere Gründe.

Um das Loch bei den gesetzlichen Krankenkassen, die ihren Versicherten die elektronische Gesundheitskarte zur Verfügung stellen, zu stopfen, bringen die Chefs nun also eine Beitragserhöhung um bis zu 0,7 Prozentpunkte ins Spiel. Für einen Arbeitnehmer, der 2500 brutto im Monat verdient, würden die Ausgaben für die Krankenversicherung dann um 8,75 Euro im Monat bzw. 105 Euro im Jahr steigen. Ein Beschäftigter mit 3000 Euro Brutto-Gehalt müsste 10,50 im Monat (126 Euro im Jahr) mehr berappen und für einen Angestellten mit einem monatlichen Brutto-Lohn von 5000 Euro würden 17,50 Euro monatlich (210 Euro jährlich) mehr fällig. Aktuell sehen die Beiträge ausgewählter Krankenkassen so aus, nachdem sie bei vielen Versicherern zum Jahreswechsel schon einmal erhöht wurden:

Krankenkassen-Beitrag: So hoch ist Ihr Beitrag aktuell

KrankenkasseZusatzbeitragGesamtbeitrag
hkk0,39 %14,99 %
Audi BKK1,1 %15,7 %
Techniker Krankenkasse1,2 %15,8 %
Bahn BKK1,2 %15,8 %
HEK1,3%15,9 %
IKK classic1,3 %15,9 %
AOK Nordwest1,3 %15,9 %
Barmer1,5 %16,1 %
DAK1,5 %16,1 %
Knappschaft1,6%16,2 %

Doch gibt es eine Alternative zu der satten Erhöhung der Beiträge? Barmer-Vorstand Prof. Dr. Christoph Straub nimmt die Politik in die Pflicht: „Nötig ist eine Aufstockung der Zuschüsse durch die Bundesregierung um 7 Milliarden Euro“, fordert er in der Bild. So ließe sich die Beitragserhöhung der gesetzlichen Krankenkassen verhindern. Auf diese Weise würden die Mehrkosten allerdings am Steuerzahler hängenbleiben.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene

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