Pauschale-Plan der Bundesregierung

Homeoffice wegen Corona: Wie Arbeitnehmer bei der Steuer entlastet werden sollen

Wer wegen der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeitet, darf sich Hoffnung auf Steuer-Entlastungen machen. Die Bundesregierung plant eine Pauschale für Heimarbeit. Es gibt aber einen Haken.

Hamm - Die Corona-Pandemie hat alles verändert: wie wir einkaufen, mit wem wir uns treffen, wie wir arbeiten. Millionen Menschen arbeiten von zu Hause aus - das reduziert die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken. 2020 ist das Jahr, in dem Homeoffice zum Massenphänomen wurde - und der Begriff in den aktiven Wortschatz der Deutschen rückte. (News zum Coronavirus)

HomeofficeTeleheimarbeit
Vorteileeinfach Verbindung von Familie und Beruf, freie Zeiteinteilung, kein Arbeitsweg, weniger Störungen
NachteileGefahr sozialer Isolation, schlechterer Informationsfluss, schwierige Trennung von Berufs- und Privatleben

Homeoffice in der Corona-Pandemie: Millionen Deutsche hoffen auf Steuer-Entlastung

Die Arbeit in der eigenen Wohnung bietet Vorteile. Die Chance, sich bei Arbeitskollegen mit Corona anzustecken, ist gleich null, der Weg zur Arbeit nicht existent, und der eigene Kaffee schmeckt auch meist besser als der aus der Büromaschine. Viele schätzen auch die Ruhe. Homeoffice hat jedoch auch Nachteile. Einer davon ist besonders groß: Die Teleheimarbeit, der offizielle Name für Homeoffice, führt zu höheren Stromkosten und Heizkosten, vor allem in den Wintermonaten. Die Wohnung kann während der Arbeitszeit ja nicht kalt bleiben.

Das Finanzamt erkennt die Kosten für den Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung bislang nur an, wenn ein Zimmer fast ausschließlich als Büro genutzt wird. Dann kann das zu versteuernde Einkommen um bis zu 1.200 Euro im Jahr gedrückt werden, Kosten für Büromöbel werden extra berücksichtigt. Doch sind die Vorgaben dafür erheblich strenger und sorgen regelmäßig für Auseinandersetzungen mit den Finanzbehörden.

Viele Arbeitnehmer haben in ihrer Wohnung jedoch kein Arbeitszimmer, zumindest kein amtlich anerkanntes. Sie arbeiten während der Corona-Pandemie überall da, wo es geht: im Wohnzimmer, am Küchentisch, bisweilen sogar im Bett mit dem Laptop auf den Beinen. Bis auf erhöhte Stromkosten können sie nach bisheriger Regelung fast nichts in der Steuererklärung angeben.

Homeoffice in der Corona-Pandemie: Kommt bald die Steuer-Pauschale?

Doch das könnte sich bald ändern. Finanzpolitiker der großen Koalition haben sich offenbar auf eine Entlastung für Arbeitnehmer im Homeoffice geeinigt, die in der Corona-Pandemie viel von zu Hause aus arbeiten müssen. Wie die FAZ berichtet, soll es eine Steuerpauschale von 5 Euro pro Tag geben, höchstens jedoch von 600 Euro pro Jahr.

Unklar allerdings ist noch, ob sie neben dem Arbeitnehmer- Pauschbetrag von 1.000 Euro gewährt wird. Wenn sie wie andere Werbungskosten behandelt würde, könnten nur diejenigen profitieren, die auf mehr als 1000 Euro Werbungskosten kommen. Das Finanzministerium setzt sich nach einem aktualisierten Konzept für diesen Weg ein. „Würde die Home-Office-Pauschale unabhängig, also zusätzlich zum Werbungskosten-Pauschbetrag gewährt, wäre dies eine übermäßige (und damit verfassungsmäßig zweifelhafte) Begünstigung.

Der Bund der Steuerzahler findet die Idee gut, Beschäftigte im Homeoffice bei der Steuer zu entlasten. „Arbeitnehmer, die zu Hause arbeiten und deshalb auf private Ressourcen zurückgreifen, müssen dafür einen steuerlichen Ausgleich erhalten“, sagte Präsident Reiner Holznagel. Man habe sich von Anfang für eine Werbungskostenpauschale von monatlich 100 Euro ausgesprochen. „Die 5 Euro am Tag sind also ein entsprechend guter Ansatz“, so Holznagel.

Ohne die neue Home-Office-Pauschale drohen vielen Arbeitnehmern im kommenden Jahr Steuernachzahlungen, weil Fahrtkosten zur Arbeit wegfallen. Grundsätzlich sei der Betrag von 5 Euro je Tag im Homeoffice mit einer Entfernung von 15 Kilometer je Tag vergleichbar, allerdings wegen des 600-Euro-Deckels nur bis 120 Tage, urteilt das Bundesfinanzministerium laut FAZ. Heißt: Die Pauschale wird die in der Regel die tatsächlich anfallenden Fahrkosten als Werbungskosten nicht ausgleichen.

Homeoffice wegen Corona: Was lässt aktuell sich von der Steuer absetzen?

Doch wie ist die Situation denn überhaupt bislang? Kann man ein Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung absetzen? Wie sieht es aus mit Kosten für Büroausstattung, Telefon- und Internetverbindung? Wir geben hier einen Überblick:

„Geht es um die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer, ist die Rechtsprechung eindeutig“, sagte Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin bereits im Frühjahr 2020. Was in Sachen Homeoffice bei der Steuererklärung anerkannt wird und was nicht, dafür gibt es also auch abgesehen von Corona ziemlich starre Regeln.

Homeoffice wegen Corona: Wann sich ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen lässt - und wann nicht

Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied 2016, dass Aufwendungen für „einen in die häusliche Sphäre eingebundenen Raum, der mit einem nicht unerheblichen Teil seiner Fläche auch privat genutzt wird“, bei der Steuererklärung nicht als Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten berücksichtigt werden (Aktenzeichen.: X R 32/11). Einen Schreibtisch im Durchgangszimmer, die Arbeitsecke im Wohnzimmer oder den Laptop auf dem Küchentisch - wie viele Menschen wegen Corona kurzerhand die Arbeit zu Hause möglich machten - akzeptiert das Finanzamt also nicht. Homeoffice ist also nicht gleich Homeoffice.

Wer wegen der Corona-Pandemie viel im Homeoffice arbeitet, darf sich Hoffnung auf Steuer-Entlastungen machen.

Für die Steuer anerkannt wird das häusliche Arbeitszimmer nur, wenn es sich um einen abgeschlossenen Raum handelt, der wie ein Büro eingerichtet ist und fast nicht privat benutzt wird. Als Faustregel gilt laut Rauhöft: 90 Prozent der Nutzung sollte in etwa beruflich im Homeoffice und 10 Prozent dürfen privat sein. Daran hat auch Corona bislang nichts geändert.

Homeoffice: Arbeitszimmer von der Steuer absetzen? Nur unter diesen Bedingungen

Wenn man nachweisen kann, dass für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, sind demnach im Jahr bis zu 1.250 Euro als Werbungskosten absetzbar. Für einige Menschen ist Homeoffice immerhin auch unabhängig von Corona das Mittel der Wahl. Wenn das häusliche Arbeitszimmer sogar der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ist, können die Kosten in voller Höhe als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. In der Regel ist das aber nur bei Freiberuflern der Fall.

Homeoffice wegen Corona: Miete, Energiekosten und mehr von der Steuer absetzen?

Im Homeoffice entstehen natürlicj auch noch andere Kosten: Werden die Voraussetzungen erfüllt, können die Aufwendungen für Miete, Energiekosten, Grundsteuer, Versicherungen, Müllabfuhrgebühren oder den Schornsteinfeger im Rahmen der Steuererklärung anteilig geltend gemacht werden. Wer ein Arbeitszimmer in seinem selbst genutzten Haus oder seiner Eigentumswohnung eingerichtet hat, kann auch die auf das Arbeitszimmer entfallenden Kreditzinsen steuerlich geltend machen. Corona hin oder her - das dürfte für einige Menschen eine Option sein.

„Die anstelligen Kosten richten sich dabei nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche“, hieß es vom Bund der Steuerzahler. Macht das Arbeitszimmer also beispielsweise 20 Prozent der Wohnfläche aus, können auch 20 Prozent der anfallenden Kosten steuerlich abgesetzt werden.

Homeoffice wegen Corona: Ausstattung von Arbeitszimmer und Arbeitsecke von der Steuer absetzbar

Ausgaben für die Ausstattung des Arbeitszimmers können hingegen in voller Höhe berücksichtigt werden. Gut zu wissen: Auch wenn mehrere Personen ein häusliches Arbeitszimmer für das Homeoffice nutzen, kann jeder von ihnen seine Aufwendungen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen.

Wer sich - etwa für Arbeit im Homeoffice während Corona - nur eine Arbeitsecke eingerichtet hat, kann all diese Kosten nicht geltend machen. Hier wirkten sich nur Arbeitsmittel, wie Computer, Schreibtisch oder Bürostuhl steuermindernd aus, so der Bund der Steuerzahler. Hat der Gegenstand weniger als 800 Euro netto gekostet, kann er direkt im Jahr der Anschaffung von der Steuer abgesetzt werden. Teurere Arbeitsmittel müssen über mehrere Jahre abgeschrieben werden - je nachdem wie die Nutzungsdauer des Gegenstandes ist.

Homeoffice wegen Corona: Eigenen Telefon- und Internetanschluss genutzt? Bei der Steuererklärung daran denken

Wer für dienstliche Belange im Homeoffice während Corona jetzt auch seinen eigenen Telefon- und Internetanschluss nutzt, kann einen Teil der Ausgaben ebenfalls absetzen. Arbeitnehmer können 20 Prozent der jeweiligen Monatsrechnung, maximal aber 20 Euro pro Monat als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Alternativ können auch Arbeitgeber die Kosten pauschal steuerfrei erstatten.

Corona hat in Sachen Homeoffice natürlich schnellen Handlungsbedarf erfordert. Wer aber nicht die Möglichkeit hat oder hatte, seine Waschküche, Vorratsräume oder Abstellkammer kurzerhand in ein Arbeitszimmer umzuwandeln, sollte sich trotzdem nicht entmutigen lassen. Die Kosten für das Arbeitszimmer kann man auch noch bei der Steuererklärung im kommenden Jahr geltend machen.

Homeoffice wegen Corona: Arbeitnehmer sollte für Steuererklärung Vorbereitungen treffen

Beschäftigte, die jetzt wegen Corona notgedrungen im Homeoffice arbeiten, sollten sich für die Steuererklärung 2020 vorbereiten. So lautete der Rat vom Bund der Steuerzahler bereits in der ersten Pandemie-Hochphase, Fotos von der Arbeitssituation zu machen „Am besten, Sie machen Fotos an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Uhrzeiten, damit klar wird, dass das nicht nur einmalig war“, hieß es.

Arbeitnehmer sollten sich außerdem eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers ausstellen lassen, in welchem Zeitraum ihr Arbeitsplatz im Unternehmen nicht zur Verfügung stand und deshalb im Homeoffice gearbeitet werden musste, riet der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH).

Homeoffice wegen Corona: Noch einmal gut überlegen, was sich von der Steuer absetzen lässt

Auch eine Aufzeichnung, wann der häusliche Arbeitsplatz wie genutzt wurde, kann bei der Dokumentation gegenüber dem Finanzamt im kommenden Jahr helfen. „Je detaillierter die Aufzeichnungen und die Nachweise sind, desto größer sind die Chancen, dass die Finanzämter die Aufwendungen anerkennen“, erklärte die VLH.

Es lohnt sich alles in allem also, noch einmal darüber nachzudenken, welche Kosten aus dem Homeoffice während der Corona-Zeit sich absetzen lassen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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