Schließung gefordert

Steuerzahler zahlen für Flüge ab Kassel Airport drauf - „Jeder einzelne Passagier dort ist sehr teuer erkauft“

Menschen steigen aus einem Flugzeug am Flughafen Kassel-Calden.
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Die Passagierzahlen am Kassel Airport sind in der Corona-Krise drastisch eingebrochen - doch auch schon vorher hatte der Regionalflughafen Kassel-Calden Probleme. Der Bund der Steuerzahler hat ausgerechnet, wie viel für jeden einzelnen Passagier drauf gezahlt werden muss.

Die Corona-Pandemie hat die gesamte Reisebranche hart getroffen. Für jeden Passagier ab Kassel Airport sind laut einer Studie 2020 enorme Kosten entstanden.

  • Eine „Plusminus“-Reportage zieht nach der Corona*-Krise eine vernichtende Bilanz für Regionalflughäfen in Deutschland.
  • Auch der Kassel Airport steht in der Kritik.
  • Pro Passagier müsse der Steuerzahler draufzahlen, kritisiert der Bund für Steuerzahler.

Kassel - Fast alle Unternehmen haben durch die Corona-Krise wirtschaftliche Einbußen. Vor allem die Reisebranche ist durch Reisebeschränkungen und Flugausfälle besonders betroffen. Eine „Plusminus“-Reportage zieht eine vernichtende Bilanz für Regionalflughäfen in Deutschland. Auch der Kassel Airport kommt dabei nicht gut weg.

Die ARD-Reportage bezieht sich in den Berechnungen auf Daten des Bundes für Steuerzahler. „Wir haben uns die Zahlen für 2018, die Bilanzen und Jahresabschlüsse angeguckt. Da mussten wir konstatieren, dass rund 100 Millionen Euro Steuergeld in die Regionalflughäfen geflossen ist“, sagt Matthias Warneke vom Bund der Steuerzahler. Aufgrund der Corona-Pandemie sei dies noch gestiegen.

Kassel Airport: Steuerzahler zahlen pro Passagier drauf

Schon vor der Corona-Pandemie kämpfte der Kassel Airport mit Verlusten. 2018 erreichte der Kassel Airport mit 132.000 Fluggästen* einen Rekord-Wert an Passagieren, erwirtschaftete jedoch trotzdem ein Defizit von 5,9 Millionen Euro. 2019 lag die Zahl der Passagiere mit etwa 120.000 Passagieren knapp unter dem Vorjahresniveau.

Die Gesamtpassagierzahl und die Jahresbilanz für das Jahr 2020 stehen noch aus, sind aufgrund der Corona-Pandemie aber wohl massiv eingebrochen. Von Januar bis Oktober flogen etwa 27.000 Passagiere ab Kassel Airport, so die ARD-Reportage.

Die daraus entstehende Berechnung von „Plusminus“ und dem Bund für Steuerzahler klingt dramatisch. Pro Passagier am Kassel Airport seien 2018 etwa 130 Euro an Steuerzahlerkosten angefallen, in diesem Jahr aufgrund der niedrigen Passagierzahlen etwa 650 Euro. Die Rechnung geht von einem Defizit von 17,7 Millionen Euro im Jahr 2018 aus, dabei rechnet der Bund der Steuerzahler Zuschüsse der Anteilseigner mit ein.

BUND fordert ebenfalls Schließung des Kassel Airport - Land Hessen weist Kritik zurück

Das Land Hessen ist mit 68 Prozent größter Anteilseigner des Kassel Airport. Weitere Anteilseigner sind die Stadt und der Kreis Kassel mit jeweils 14,5 Prozent. Die restlichen drei Prozent hält die Gemeinde Calden. Der Bund der Steuerzahler fordert angesichts der Verluste eine Stilllegung des Flughafens. „Jeder einzelne Passagier dort ist sehr teuer erkauft. Deswegen ist Kassel-Calden sicherlich einer der ersten Flughäfen, die eigentlich stillgelegt werden müssten“, so der Bund der Steuerzahler in der ARD-Reportage.

Die Umweltorganisation BUND und das das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) haben die fehlende Wirtschaftlichkeit des Flughafen Kassel-Calden* ebenfalls kritisiert. Sie fordern eine sofortige Schließung der Hälfte der 14 untersuchten Regionalflughäfen, zu denen auch der Kassel Airport gehört. Der Verein Pro Kassel Airport und der Reisebüroverbund Region Kassel wiesen diese Forderung deutlich zurück.

„Dass der BUND und das Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft gerade vor diesem Hintergrund ihre aktuelle Forderung, sofort die Hälfte der Regionalflughäfen zu schließen, in die Welt posaunen, zeugt schon von einem ganz schlechten Stil und einer nicht vorhandenen Empathie gegenüber vielen Einzelschicksalen“, sagten sie gegenüber der HNA*.

Kassel Airport: „Es gilt langfristig zu denken“

„Wir brauchen den Flughafen in der Region Nordhessen. In der Vergangenheit war diese Region verkehrsmäßig sehr schwer zu erreichen und der Flughafen schafft die Möglichkeit der Erreichbarkeit“, so das Land Hessen zur „Plusminus“-Recherche. Ähnlich reagierte der hessische Finanzstaatssekretär Martin Worms, Aufsichtsratsvorsitzende des Kassel Airport, auf die Kritik von BUND und FÖS. „Wie bei jedem Infrastrukturprojekt, gilt es auch beim Kassel Airport, langfristig zu denken“, sagte Worms. (sne) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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