Klare Regelung

Festivals 2021 abgesagt: Geld zurück oder Gutschein? Anwalt erklärt Rechtslage

Prominente Festivals wurden wegen Corona auch für 2021 bereits abgesagt. Bekommen Ticket-Inhaber nun ihr Geld zurück oder einen Gutschein? Ein Rechtsanwalt klärt auf.

Hamm - „Rock am Ring“ am Nürburgring, „Rock im Park“ in Nürnberg, „Deichbrand“ und „Hurricane“ in Niedersachsen, „Southside“ in Neuhausen ob Eck in Baden-Württemberg, „SonneMondSterne“ in Thüringen oder Schweizer „Greenfield Festival“. All diese Festivals wurden für 2021 abgesagt und fallen erneut dem Coronavirus zum Opfer. (News zum Coronavirus)

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Festivals 2021 abgesagt: Geld zurück oder Gutschein? Anwalt erklärt Rechtslage

„Angesichts der weiterbestehenden epidemischen Lage und verbundener Auflagen mussten wir jetzt jedoch schweren Herzens einsehen, dass Festivals dieser Größenordnung zur Zeit noch nicht durchführbar sind“, sagte Frithjof Pils, Geschäftsführer von Eventim Live.

Aber was bedeutet das für die Besucher der Festivals, die schon ihre Tickets bereits gekauft haben? Bereits im Vorjahr waren Festivals wegen Corona abgesagt worden. Die meisten Karten konnten für die Auflage im Jahr 2021 umgebucht werden - wo es aber abermals keine großen Live-Musik-Veranstaltungen geben wird.

Bekommen die Käufer bei Bedarf nun ihr Geld zurück? Ja, sagt Rechtsanwalt Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen. „Ticket-Inhaber haben grundsätzlich einen Anspruch auf Rückzahlung der Ticket-Preise“, erklärt der Rechtsexperte.

Geld zurück oder Gutschein nach Festival-Absage? Rechtliche Lage ist eindeutig

Der Veranstalter dürfe die Ticket-Inhaber in diesem Fall nicht mehr mit Gutscheinen abspeisen. „Die sogenannte Gutschein-Lösung, bei der ein Veranstalter das Recht hat, statt Geld einen Gutschein auszustellen, gelte nur für Kartenkäufe vor dem 8. März 2020“, erläutert Arndt Kempgens. Er verweist auf das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsvertragsrecht und im Recht der Europäischen Gesellschaft (SE) und der Europäischen Genossenschaft“.

Das bedeutet: „Wer nach diesem Datum das Ticket gekauft hat, muss jetzt seinen gezahlten Ticket-Preis zurückbekommen.“ Die Regelung „Geld zurück statt Gutschein“ gelte auch für alle, „die einen Gutschein aus einem anderen, vorher abgesagten Konzert für die neue nunmehr ebenfalls abgesagte Veranstaltung eingelöst haben“, sagt der Rechtsanwalt aus NRW. Was im Fall der Festivals 2021 der Fall wäre.

„Denn auch in diesen Fällen“, erklärt der Experte, „handelt es sich nicht um einen Erwerb vor dem 8. März 2020, auch wenn der Gutschein aus einem vorherigen Erwerb stammt.“

Geld zurück nach Absage von Festivals und Konzerten? Hier ist die Rechtslage umstrittener

Rechtlich umstrittener könnte es laut Arndt Kempgens dann werden, in denen Inhaber eines vor dem 8. März 2020 erworbenen Tickets für ein Konzert bzw. eine Veranstaltung einen Ersatztermin akzeptiert haben, der nun erneut abgesagt wird. „Die Streitfrage ist, ob in diesen Fällen ein Erwerb vor dem 8. März oder ob durch die bloße Verlängerung des Tickets ein neuer Erwerb nach dem 8. März 2020 anzunehmen ist, für den die Gutschein-Lösung nicht gilt“, sagt der Rechtsanwalt. „Nach der hiesigen Rechtsauffassung dürfte aber wohl eher ein einheitlicher Erwerb anzunehmen sein mit der Folge, dass dieser Teil der Betroffenen sich erneut auf einen Gutschein einlassen müssten.“

Für die Veranstalter ist die Situation nach den erneut abgesagten Festivals währenddessen „ernst wie nie“, wie etwa Scorpio-Geschäftsführer Folkert Koopmans erläuterte. Zumal es am Donnerstag (11. März) weitere Festival-Absagen gab. Es ist davon auszugehen, dass 2021 weitere Veranstaltungen aufgrund der Corona-Lage abgesagt werden. So machte etwa NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) keine Hoffnung auf Schützenfeste in diesem Jahr.

Rubriklistenbild: © Thomas Frey/dpa

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