Konzerte und andere Events

Eventim: Konzerte und Co. nur für Personen mit Corona-Impfung - ist das erlaubt?

Eventim erwägt Veranstaltungen nur für Personen mit Corona-Impfung. Sind solche Sonderrechte erlaubt? Dürfen Menschen ausgeschlossen werden? Ein Experte klärt auf.

Hamm - Die Hoffnung auf Konzerte, Festivals und andere Veranstaltungen ist groß angesichts der sinkenden Zahlen. Was wegen der Coronavirus-Pandemie seit Monaten nicht erlaubt ist, könnte für einige Menschen bald wieder Realität werden - wenn auch nicht für alle. (News zum Coronavirus)

UnternehmenCTS Eventim
Kundenservice0180 6 533933
CEOKlaus-Peter Schulenberg (seit 2000)
HauptsitzBremen

Eventim erwägt Veranstaltungen nur für Personen mit Corona-Impfung - ist das erlaubt?

Denn der Ticket-Verkäufer und Konzertveranstalter CTS Eventim will eine Corona-Impfung zur Voraussetzung für die Teilnahme an Veranstaltungen machen. „Wenn es genug Impfstoff gibt und jeder sich impfen lassen kann, dann sollten privatwirtschaftliche Veranstalter auch die Möglichkeit haben, eine Impfung zur Zugangsvoraussetzung für Veranstaltungen zu machen“, regte Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg in der Wirtschaftswoche an. Das Unternehmen habe bereits seine Systeme so eingerichtet, dass diese auch Impfausweise lesen könnten.

Dieser Vorstoß wäre gleichzusetzen mit Sonderrechten für Geimpfte. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hält dies nicht für ausgeschlossen. „Es macht einen großen Unterschied, ob der Staat Grundrechte einschränken muss oder ob Private Angebote für bestimmte Personengruppen machen möchten“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Weiter erläuterte sie: „Private dürfen im Grundsatz selbst bestimmen, mit wem sie Geschäfte machen möchten. Juristen sprechen hier vom Grundsatz der Privatautonomie. Wenn zum Beispiel die Restaurants wieder öffnen dürfen und ein Restaurant-Inhaber dann ein Angebot nur für Geimpfte machen möchte, wird man ihm dies nach geltender Rechtslage schwerlich untersagen können.“

Eventim erwägt Veranstaltungen nur für Personen mit Corona-Impfung - Rechtsanwalt klärt auf

Genauso erklärt es Rechtsanwalt Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen (NRW). Eventim dürfte nicht-geimpfte Personen tatsächlich abweisen. „Es gelten Privatautonomie und Vertragsfreiheit“, führt der Jurist aus: „Außerdem hat Eventim beziehungsweise der . Veranstalter Hausrecht. Sie dürfen entscheiden, unter welchen Voraussetzungen Zutritt gewährt wird.“

Eine Grenze der Privatautonomie bilde allenfalls das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), erklärt Arndt Kempgens. „Das verbietet aber nur Ungleichbehandlung nach zum Beispiel Herkunft, Geschlechts, Religion. Eine Ungleichbehandlung wegen Nicht-Impfung ist dort nicht genannt, also nicht geregelt.“

Anders als Privat-Veranstalter wie Eventim, dürfte der Staat eher keine Unterschiede zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften machen. Zumindest sei dies sehr umstritten, erläutert der Rechtsanwalt.

Eventim als Privatveranstalter dürfte Geimpfte bevorzugen - beim Staat wäre das kritischer

„Bei staatlichen Leistungen beziehungsweise Angeboten gibt es einen Gleichbehandlungs- und Teilhabeanspruch“, sagt Arndt Kempgens: „Ein Ungleichbehandlung ist nur möglich, wenn eine solche zum Wohle der Allgemeinheit erforderlich ist und sich auch entsprechend begründen lässt.“ Rechtsstreitigkeiten seien programmiert.

Konzertkarten des Veranstalters CTS Eventim.

Auf einem anderen Blatt stehe jedoch, wie sinnvoll die von Eventim ins Spiel gebrachte Idee tatsächlich ist. Schließlich werde es wohl noch einige Zeit nicht genügend Personen mit einer Corona-Impfung geben, „dass sich solche Unterscheidungen für die Wirtschaft lohnen würden“, meint Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. „Und je weiter die Impfungen voranschreiten, desto eher werden wir alle zur Normalität zurückkehren können. Wir sprechen hier also nur über einen relativ kurzen Übergangszeitraum.“

Eventim regt Großveranstaltung für Geimpfte ab - SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rät dringend ab

Kritik gab es aber auch - unter anderem vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Auf Twitter schrieb er: „Wenn Eventim Großveranstaltungen mit Geimpften macht, wäre dies der optimale Brutkasten für südafrikanische und brasilianische Escape-Varianten. Wie im Labor braucht man dafür ungeschützte mit Teilschutz durch Impfung. Das will doch keiner.“

Derzeit ist CTS Eventim vom Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein mit der Vergabe von Impfterminen beauftragt. Für das Unternehmen ist das ein neues Geschäftsfeld in Zeiten, in denen durch die Corona-Beschränkungen die Veranstaltungsbranche weitgehend brach liegt. Rund eine Woche vor der nächsten Bund-Länder-Konferenz machte Kanzlerin Angela Merkel kaum Hoffnung auf Lockerungen des Lockdowns. Viel mehr deutet auf eine Verlängerung der strengen Regeln hin. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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