Mangel an Lkw-Fahrern

Engpässe in Supermärkten und an Tankstellen in Großbritannien - bald auch in Deutschland?

Wegen des Mangels an Lkw-Fahren gibt es in Großbritannien herbe Engpässe in Supermärkten, Discountern und Tankstellen. Droht Deutschland ein ähnliches Szenario?

Hamm - In Großbritannien gibt es kaum Branchen, die aktuell nicht klagen. Große Lücken klaffen in Supermärkten. Milchbauern bleiben auf ihrer Milch sitzen. Bei Ikea gehen die Matratzen aus. Wichtige Chemikalien fehlen in Kläranlagen. An den Tankstellen gibt es kein Benzin mehr. Der Grund dafür ist überall der gleiche: Es fehlen Personen, die all diese Dinge von A nach B transportieren. Es fehlt an Lkw-Fahrern.

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,24 Millionen (2020)
PräsidentFrank-Walter Steinmeier

Engpässe in Supermärkten und an Tankstellen in Großbritannien - bald auch in Deutschland?

Jetzt hat Großbritanniens Premier Boris Johnson sogar die Hoffnungen auf ein Weihnachten ohne Engpässe an Tankstellen und Supermarktregalen gedämpft. Er teile die Einschätzung von Finanzminister Rishi Sunak, dass die Krise noch bis in die Festtage andauern könnte, sagte Boris Johnson in einem BBC-Interview. Gleichzeitig gab der Premier zu, dass sich ein Mangel an Lastwagenfahrern schon seit Langem abgezeichnet hatte. Aktuell fehlen in Großbritannien Schätzungen zufolge etwa 100.000 Lastwagenfahrer.

Die Gründe dafür seien vielschichtig, sagte der Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr und Logistik, Dirk Engelhardt, im ntv-Podcast „Wieder was gelernt“. Auch der Brexit sowie die Corona-Pandemie hätten die Krise beschleunigt. „Viele osteuropäische Fahrer, die in Großbritannien beschäftigt waren, haben mit dem Brexit das Land verlassen“, sagte Dirk Engelhardt: „Wegen Corona konnten Ausbildungen für neue Führerscheine nur verzögert ausgegeben werden.“

Auch in Deutschland würden Tausende Trucker folgen. Drohen also auch hierzulande Engpässe im Supermarkt bzw. Discounter oder an den Tankstellen wie in Großbritannien? Danach sehe es - zumindest nach aktuellem Stand - nicht aus, wie der Verbandschef erläuterte: „Weil vor allem in Deutschland die ganze Transportbranche sehr stark geprägt ist von mittelständischen Unternehmen, die das in Eigenverantwortung übernehmen“, so Dirk Engelhardt. Im Zweifel würden sich einige Unternehmer „selbst auf den Lkw setzen“ oder Rentner aktivieren.

Mangel in Lkw-Fahrern in Deutschland „auf gleichem Nivea wie Großbritannien“

In Deutschland fehlten bereits zwischen 60.000 und 80.000 Fernfahrer, wie der Verbandschef zuletzt auch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur schilderte.  „Das heißt, wir sind schon fast auf dem gleichen Niveau wie Großbritannien.“ Tendenz steigend. Jährlich gingen rund 30.000 Fahrer in Rente - und nur rund 15.000 Nachwuchskräfte kämen nach. „Es gibt eine weltweite Not an Fahrern.“

Weil kaum noch Fahrer zu finden sind, müssten einige Logistikfirmen sogar Aufträge zurückgeben. Eine Hürde sei nach Ansicht von Dirk Engelhardt auch der Preis: Wer heutzutage einen Lkw-Führerschein machen möchte, komme „schnell über 10.000 Euro“, rechnete er vor. Früher hätten ihn viele im Rahmen ihres Wehrdienstes bei der Bundeswehr kostenlos bekommen. Doch der Grundwehrdienst ist mittlerweile abgeschafft - dieser Weg zum Lkw-Führerschein ist also weggebrochen.

Rubriklistenbild: © Frank Augstein/dpa

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