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Dispo-Zinsen könnten steigen: Millionen Bankkunden droht der Kosten-Schock

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Von: Daniel Großert

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Millionen Bankkunden in Deutschland droht ein Kosten-Schock. Die Dispo-Zinsen könnten schon bald steigen. Die Kontoüberziehung wird dann noch teurer als bisher.

Hamm - Für Menschen, die gerade etwas knapp bei Kasse sind, bietet er eine einfache Möglichkeit, den finanziellen Engpass zu überbrücken: Mit dem Dispositionskredit - kurz: Dispo - können Bankkunden ihr Konto überziehen, um liquide zu bleiben. Doch das hat seinen Preis - und die Zinsen könnten bald noch weiter steigen.

Dispo-Zinsen könnten steigen: Millionen Bankkunden droht Kosten-Schock

Rund sechs Millionen Deutsche - also knapp neun Prozent der Bevölkerung - nutzt nach Angaben der Bild im Schnitt den Dispo. Ihre Konten sind also im Minus. Zwar ist das der einfachste Weg, um kurzfristige finanzielle Engpässe zu beheben. Die Überziehung kostet aber auch ordentlich Geld.

Fast zehn Prozent Zinsen verlangen die Banken im Durchschnitt von ihren Kunden, die den Dispo nutzen - und das, obwohl es seit mehreren Jahren eine Niedrigzinsphase gibt. Das bedeutet konkret: Überzieht eine Person ihr Konto um 1000 Euro, muss sie dafür pro Jahr knapp 100 Euro Zinsen zahlen. Drei Viertel der Dispo-Nutzer gleichen ihr Minus zwar innerhalb von drei Monaten aus, doch der Rest braucht deutlich länger, um das Konto auszugleichen - eine wahre Kostenfalle.

Alexander Artopé, Geschäftsführer des Kreditportals Smava, rät daher, den Dispokredit nur im Notfall in Anspruch zu nehmen. „Sobald sich abzeichnet, dass ich mein Konto nicht innerhalb von zwei, vielleicht drei Monaten ausgleichen kann, sollte ich realistisch sein und zu einer günstigeren Alternative wechseln. Das kann zum Beispiel ein Ratenkredit sein“, sagte er der Bild. Dafür zahlen Kunden der Zeitung zufolge im Schnitt etwa 5,5 Prozent Zinsen.

Der negative Kontostand ist auf einem Kontoauszug mit einem roten Markierungsstift gekennzeichnet
Bannkunden, die ihr Konto überziehen, zahlen oft hohe Dispo-Zinsen. Bald könnten sie noch weiter steigen. © Jens Büttner/dpa

Dispo-Zinsen: Erhöhung des Leitzinses könnte Folgen für klamme Bankkunden haben

In Zukunft könnte dieser Tipp sogar noch mehr an Bedeutung gewinnen. Denn die Dispo-Zinsen könnten schon bald weiter steigen. Die Europäische Zentralbank (EZP) hat bereits eine Erhöhung des Leitzinses in Aussicht gestellt. In der Folge würden die Sparkassen, Volksbanken und Co. wahrscheinlich auch ihre Zinsen für Dispokredite anheben. Deren Höhe orientiert sich nämlich am Leitzins der EZB oder am sogenannten 3-Monats-Euribor - dem Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Dessen Entwicklung war zuletzt aber ähnlich wie die des Leitzinses.

Experten rechnen für die Zukunft damit, dass der durchschnittlichen Dispo-Zins auf rund 11 Prozent steigen könnte. „So viel kosteten Dispokredite, als der Leitzins das letzte Mal bei 0,25 bis 0,5 Prozent lag“, erklärte Artopé. Der Bundestag habe zwar 2014 über eine Deckelung von Dispo-Zinsen beraten, passiert sei bis heute allerdings nichts.

Eine Kostenfalle droht Verbrauchern auch beim Online-Shopping: Wer bei Amazon, Otto und Co. auf Raten einkauft, muss zum Teil horrende Zinsen zahlen. Produkte können dadurch über 30 Prozent teurer werden.

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