Kopfschmerzen, Müdigkeit

Biontech-Impfstoff gegen Corona: Diese Nebenwirkungen drohen

Biontech und Pfizer sind mit der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes weit fortgeschritten. Doch es gibt Nebenwirkungen, zu denen sich Biontech geäußert hat.

Mainz - Der Corona-Impfstoff soll nach Angaben der Hersteller, Biontech aus Mainz und dessen US-Partner Pfizer, eine Wirksamkeit von bis zu 95 Prozent bieten. Die Daten basieren auf einer Studie mit etwa 43.000 Probanden. Demnach soll der Impfstoff unabhängig vom Alter der Geimpften und über demografische Unterschiede hinweg funktionieren. Doch in den Köpfen vieler Menschen bleiben Fragen und Bedenken. Ist der Impfstoff gegen das Coronavirus wirklich ungefährlich? Die Unternehmen haben sich zu Nebenwirkungen und Risiken geäußert. (News zum Coronavirus)

UnternehmenBiontech
CEOUğur Şahin
Gründung2008, Mainz
HauptsitzDeutschland

Biontech-Impfstoff: Von diesen Nebenwirkungen spricht das Unternehmen

Nach Abschluss letzter Analysen hatten Biontech und Pfizer in der mitgeteilt, der Impfstoff gegen Corona, der zweimal im Abstand von drei Wochen verabreicht wird, zeige praktisch keine Nebenwirkungen. Von Teilnehmern der weltweiten Studie sei er gut vertragen worden, ernste Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden.

Dennoch hat es offenbar schon Nebenwirkungen gegeben, wie Biontech und Pfizer bekannt gaben. 3,8 Prozent der Studienteilnehmer hätten von Müdigkeit und 2,0 Prozent von Kopfschmerzen berichtet, nachdem ihnen der Impfstoff verabreicht worden war. Basis dafür sind Angaben von mindestens 8000 zufällig ausgewählten Teilnehmern. Zur Gefahr der Nebenwirkungen* berichtet auch heidelberg24.de.

Biontech-Impfstoff: Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Müdigkeit - Infos zur Studie

Ein Blick auf die Bedingungen der Erprobung, bei der auch die Nebenwirkungen im Fokus stehen: Bei der immer noch in zahlreichen Ländern laufenden Studie erhält eine Hälfte der insgesamt 43.000 Teilnehmer den Biontech-Impfstoff, die andere Hälfte fungiert als Kontrollgruppe und bekommt ein Placebo-Mittel.

Bislang erkrankten den Angaben zufolge insgesamt 170 Teilnehmer an Covid-19. Davon entfielen nur acht Fälle auf die tatsächlich geimpften Probanden, 162 Fälle wurden in der Placebo-Gruppe diagnostiziert. Daraus errechnet sich eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent. Dem Bericht zufolge gab es unter allen Covid-19-Erkrankungen zehn schwere Verläufe - neun in der Kontroll- und einen in der Impfgruppe.

Das Präparat von Pfizer und Biontech ist - übrigens genau wie jenes des Herstellers Moderna - ein sogenannter mRNA-Impfstoff - mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure, auch Boten-RNA genannt. Es enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt, im Falle des Coronavirus das „Spike“-Protein auf der Oberfläche des Virus. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren. Auch wenn sich diese Methode vielversprechend anhört, haben viele Skeptiker Angst vor einer Impfpflicht. Wie es um eine Impfpflicht steht, und wo in NRW schon bald geimpft werden soll, dazu hat sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) geäußert.

Biontech-Impfstoff hat Nebenwirkungen: Beschleunigte Zulassung im Rolling-Review-Verfahren

Für Corona-Impfstoffe gilt wegen der besonderen Dringlichkeit ein beschleunigter Zulassungsprozess: Bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA können Hersteller schon vor dem kompletten Zulassungsantrag einzelne Teile zu Qualität, Unbedenklichkeit (Stichwort Nebenwirkungen) und Wirksamkeit eines Impfstoffs einreichen. Ein solches Rolling-Review-Verfahren hat neben Biontech/Pfizer und Moderna auch das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca für seinen Impfstoff-Kandidaten gestartet.

Biontech und Pfizer wollen noch in diesem Jahr bis zu 50 Millionen Impfdosen und bis zu 1,3 Milliarden Dosen bis Ende nächsten Jahres produzieren. Beide Partner haben nach eigenen Angaben spezielle Kühlbehälter für die Auslieferung des wärmeempfindlichen Impfstoffs bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius entwickelt. Sie sollen durch das Nachfüllen mit Trockeneis 15 Tage auch als Übergangsbehälter dienen können. Jede Auslieferung und ihre jeweilige Kühltemperatur könnten mithilfe von GPS genau verfolgt werden.

Biontech-Impfstoff: Experte spricht von vorübergehenden Nebenwirkungen

Auch Experten haben sich zu den Impfstoffen von Pfizer und Biotech sowie Moderna geäußert. Wissenschaftler betonten die Ähnlichkeit des Moderna-Impfstoffes zu dem von Pfizer und Biontech. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln, sprach mit Blick auf den Fortschritt der Herstellers Moderna von einem starken Indiz, dass die neue Technologie der RNA-Impfstoffe tatsächlich gegen den Corona-Erreger funktioniere. „Wenn man nach den Ergebnissen von Biontech große Hoffnung in die Wirksamkeit der Impfstoffe setzen konnte, so ist diese Hoffnung jetzt noch ein deutliches Stück größer geworden.“ Von der überraschenden Wiksamkeit und möglichen Nebenwirkungen berichtet auch das Portal ruhr24.de*.

Florian Krammer, Professor im Bereich Impfungen an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York, schätzte das Risiko des Impfstoffes ebenfalls als niedrig ein. „Es gibt transiente, also vorübergehende Nebenwirkungen wie erhöhte Temperatur, Müdigkeit, Kopfweh und Schmerzen an der Einstichstelle, die unangenehm, aber (...) ungefährlich sind. Ernstzunehmende Nebenwirkungen traten bisher weder in der Pfizer- noch in der Moderna-Studie auf.“

Impfstoff von Moderna - die möglichen Nebenwirkungen im Überblick, ähnlich wie bei Biontech:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • erhöhte Temperatur
  • Schmerzen an der Einstichstelle

Allerdings stammen die Daten zum Moderna-Impfstoff wie auch die von Pfizer und Biontech zunächst nur aus einer Pressemitteilung und nicht aus einer wissenschaftlichen Publikation. Noch fehlen etwa genaue Informationen zum Schutzeffekt in bestimmten Altersgruppen und dazu, wie lange ein Impfschutz anhält. Moderna teilte zumindest mit, dass vorläufige Ergebnisse ein „weitgehend konsistentes Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil“ für alle bewerteten Untergruppen nahelegten.

Impfstoff von Biontech und anderen Herstellern: Paul-Ehrlich-Institut wirft Impfgegnern Angstmache vor

Während viele Wissenschaftler also mit Blick auf die Erfolge von Biontech und Pfizer guter Dinge sind, gibt es dennoch Skeptiker und Kritiker, die Wissenschaftler den Kopf schütteln lassen. Das Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für Impfstoffe verantwortlich ist, sowie deren Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit überwacht, sah sich kürzlich zu einer Äußerung gezwungen. Das Institut trat Befürchtungen entgegen, dass die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 zulasten der Qualität gehen könnte.

Präsident Klaus Cichutek sagte der Berliner tageszeitung (taz) die zuständigen Experten hätten jahrzehntelange Erfahrung bei präventiven Humanimpfstoffen. „Wir haben bei Herstellung und Qualität von Covid-19-Impfstoffen exakt die gleiche Vorgehensweise wie bei anderen Humanimpfstoffen“, betonte er.

Biontech-Impfstoff: Nebenwirkungen werden bei Studie entdeckt

Die vergleichsweise schnelle Entwicklung eines Impfstoffes erklärte Cichutek unter anderem damit, dass bestimmte Untersuchungen, die sonst vorher stattfinden, jetzt parallel zu den klinischen Tests gemacht wurden. Bei den klinischen Prüfungen der Covid-19-Impfstoffe etwa von Biontech seien sogar mehr Probanden dabei als sonst üblich.

Auch eine vorläufige Zulassung lege zugrunde, dass ein ausreichender Datensatz vorhanden ist. Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit könnten damit beurteilt werden. Cichutek sagte: „Die Datenbasis wird sehr groß sein, es gibt ja zwischen 30.000 und 60.000 Probanden bei den Tests.“ Wenn 3.000 Menschen geimpft wurden, könnten seltene Risiken für Nebenwirkungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1.000 erkannt werden, sagte der PEI-Präsident. Druck durch politische Prozesse oder eine öffentliche Erwartungshaltung schloss Cichutek aus: „Die Auswertung ist rein wissenschaftlich und unterliegt keinem öffentlichen Einfluss.“

Biontech-Impfstoff: Erbgut-Schäden als Nebenwirkungen? Paul-Ehrlich-Institut hält dagegen

Impfstoff-Gegnern warf das Paul-Ehrlich-Institut zudem Angstmache vor. „Warnungen vor Erbgutschäden sind falsch und verursachen unbegründete Ängste“, sagte Cichutek im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Befürchtungen, die neuen mRNA-Impfstoffe könnten das Erbmaterial des Menschen verändern, „entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand“, so Cichutek.

Auch Angaben von Impf-Skeptikern, es gebe noch keinerlei humanmedizinische Erfahrungswerte mit Gen-Impfstoffen, widersprach der PEI-Präsident. „Es gibt schon Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen beim Menschen im Rahmen klinischer Prüfungen, etwa mit einem therapeutischen Tumorimpfstoff. Dabei haben sich keine besorgniserregenden Nebenwirkungen gezeigt. Auch bei umfangreichen Tierversuchen mit mRNA-Impfstoffen gab es keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen oder Schäden.“
Um in die menschliche Erbinformation (DNA) eingebaut zu werden, müsste die RNA aus dem Impfstoff zudem „zurückgeschrieben“ werden, sagte Cichutek. „Dazu wären zwei Enzyme notwendig, die normale menschliche Zellen nicht haben.“

Unterdessen rückt der Tag der Entscheidungen näher - am Mittwoch werden sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder erneut besprechen. Es geht um die Corona-Maßnahmen über den November hinaus. Entschieden wird dann vermutlich auch, wie Weihnachten und Silvester 2020 aussehen könnten. - *heidelberg24.de und ruhr24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/picture alliance

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