Schutz von Risikogruppen

Antigen-Test: So funktioniert der Corona-Schnelltest - diese Menschen haben Anspruch darauf

Der Schutz von Risikogruppen steht in der zweiten Corona-Welle besonders im Fokus. Immer häufiger ist die Rede von Antigen-Schnelltests. Wie sie funktionieren und wer getestet wird.

Hamm - Testen, testen, testen. Das scheint aktuell im Kampf gegen das Coronavirus das Gebot der Stunde zu sein - neben den üblichen Hygieneregeln und Maßnahmen. Dabei besonders im Blick: Risikogruppen. Eine völlige Abschottung etwa von Pflegeheimbewohnern soll sich nicht noch einmal wiederholen. Also sollen Bewohner, Besucher und Beschäftigte in Pflegeheimen und Kliniken mehr getestet werden. Zum Einsatz kommt dabei der sogenannte Antigen-Schnelltest. (News zum Coronavirus)

PCR-TestAntigen-Test (POC; Point-of-Care)
Auswertung nur im LaborAuswertung vor Ort
Ergebnis nach ein bis zwei TagenErgebnis nach 15 bis 20 Minuten
weist Erbgut des Virus nachweist Protein des Virus nach
sicherstes Verfahren, eine Infektion nachzuweisendient der frühen Diagnose und Unterbrechung der Übertragung, ist kostengünstiger

Antigen-Test: So funktioniert der Corona-Schnelltest - die Unterschied zum PCR-Test

Seit Mitte Oktober gibt es in Deutschland eine neue Corona-Testverordnung. Damit hat die Bundesregierung ihre nationale Teststrategie für den Herbst und Winter 2020/2021 angepasst. Die Verordnung regelt, wer unter welchen Voraussetzungen Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test hat. Ein Schwerpunkt: Antigen-Schnelltests.

Mit dem Ausdruck „Corona-Schnelltest“ ist meist ein Antigen-Schnelltest oder auch Point-of-Care-Test (POCT) gemeint. Er unterscheidet sich wesentlich in vier Punkten vom „normalen“ PCR-Test:

  • Auswertung: Der Antigen-Schnelltest wird vor Ort, zum Beispiel in einem Heim oder Krankenhaus, ausgewertet. Der klassische PCR-Test muss in einem Labor ausgewertet werden.
  • Ergebnis: Bei dem Antigen-Schnelltest gibt es das Ergebnis nach 15 bis 20 Minuten. Beim PCR-Test dauert es in der Regel ein bis zwei Tage bis ein Ergebnis vorliegt.
  • Nachweis: Der Antigen-Test weist Eiweißfragmente (Proteine), der PCR-Test Erbgut des Coronavirus nach.
  • Verlässlichkeit/Einsatz: Der Antigen-Schnelltest dient der frühen Diagnose und Unterbrechung der Übertragung des Coronavirus. Er ist allerdings nicht so zuverlässig wie PCR-Tests. Diese gelten als sicherstes Verfahren, eine Infektion nachzuweisen. Sie sind dementsprechend aber auch teurer.

Corona: Antigen- oder PCR-Schnelltest nicht mit Antikörper-Schnelltest verwechseln

Es gibt im Übrigen auch noch den PCR-Schnelltest, der ebenso wie die klassischen PCR-Tests Erbgut des Coronavirus nachweist. Er muss wie der Antigen-Schnelltest nicht im Labor ausgewertet werden, und die Ergebnisse liegen schnell vor. Er ist allerdings deutlich teurer als die POC-Alternative und weniger zuverlässig als klassische PCR-Tests.

Nicht zu verwechseln sind die PCR- und Antigen-Schnelltests mit dem Antikörper-Schnelltest. Er wird unter anderem beim Drogerie-Riesen „dm“ verkauft und soll eine bereits durchgemachte Infektion mit dem Coronavirus nachweisen. Das ist mit Blick auf Immunität nur bedingt sinnvoll.

Antigen-Test: So funktioniert der Corona-Schnelltest - und wer überhaupt Anspruch darauf hat

Nun sollen die Antigen-Schnelltests in der Zweiten Welle der Corona-Pandemie vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich zum Einsatz kommen. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CD) gehe es darum, zuerst einmal die „Meistgefährdeten“, wie Pflegebedürftige, Patienten und Beschäftigte im Gesundheitswesen zu schützen.

In der neuen Corona-Testverordnung ist genau festgelegt, wer Anspruch auf einen der kostenlosen Corona-Tests hat. Laut Bundesgesundheitsministerium beschränkt sich dies im Rahmen eines einrichtungs- und unternehmensbezogenen Testkonzepts auf folgende Personengruppen:

  • Patienten, Betreute, Pflegebedürftige, Untergebrachte, vor allem in medizinischen Einrichtungen der stationären und ambulanten Versorgung (ohne Praxen der human-, zahnärztlichen oder sonstigen humanmedizinischen Heilberufen), in (teil)stationären Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter und pflegebedürftiger Menschen, von ambulanten Pflegediensten und Diensten der Eingliederungshilfe; ohne COVID-19-Fall - entsprechend des Testkonzeptes der Einrichtung.
  • Besucher vor allem in medizinischen Einrichtungen der stationären und ambulanten Versorgung (ohne Praxen der human-, zahnärztlichen oder sonstigen humanmedizinischen Heilberufen) sowie in (teil)stationären Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter und pflegebedürftiger Menschen; unmittelbar vor dem Besuch der Einrichtung.
  • Personal von medizinischen Einrichtungen der stationären und ambulanten Versorgung wie Krankenhäuser, Dialyseeinrichtungen, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Arzt- und Zahnarztpraxen, Personal ambulanter Pflegedienste, Personal von (teil)stationären Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer, behinderter und pflegebedürftiger Menschen, Personal der ambulanten Dienste der Eingliederungshilfe; als Prävention.

Durchführen darf einen Antigen-Schnelltest nur Personal, das über grundlegende pflegerische oder medizinische Kenntnisse verfügt.

Antigen-Test: So funktioniert der Corona-Schnelltest - MDK Westfalen-Lippe mit anschaulichem Video

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Westfalen-Lippe schult nach eigenen Angaben Pflegefachkräfte und Ärzte in der korrekten Anwendung des Corona-Schnelltests. In einem Video auf der Homepage des MDK erklären die Pflegewissenschaftlerin und Pflegefachkraft Laura-Josephin Kalus und Dr. Stephan Knoblich vom Fachreferat Pflege, wie der Antigen-Schnelltest funktioniert und angewendet wird.

Zunächst einmal, so erklärt Kalus, wird empfohlen, dass sich der Proband vor dem Test die Nase putzt. Dann soll er den Kopf in einem 45 bis 75 Grad-Winkel zurücklehnen und die Augen schließen.

Der Antigen-Schnelltest wird mit einem Stäbchen durchgeführt und die Probe aus dem Rachen entnommen. Wie in einem Video vom MDK Westfalen-Lippe sehr anschaulich zu sehen, muss das Stäbchen nicht etwa nach oben, sondern waagerecht eingeführt werden. „Man ist geneigt, das Stäbchen nach oben einzuführen, weil die Nase führt ja auch scheinbar nach oben“, erklärt Dr. Knoblich. „Tatsächlich funktioniert das aber nicht so.“

Antigen-Test: So funktioniert der Corona-Schnelltest - Erklärung im Video

Als Orientierungshilfe müsse das Nasenloch und untere Ohrläppchen genommen werden. Ein Querschnitt eines Kopfes demonstriert im Video, weshalb das so ist: Führt man das Stäbchen nach oben ein, stößt man an das Nasendach und gelangt nicht in den Rachen.

Das Stäbchen sollte dann drei Sekunden im Rachen bleiben und drei bis vier Mal hin und her gedreht werden, bevor es rotierend aus der Nase gezogen wird. Dann kommt das Teststäbchen in ein Röhrchen mit der Testflüssigkeit. Das Röhrchen wird zu- und am anderen Ende wieder aufgemacht. Dort befindet sich dann eine Pipette, mit der fünf Tropfen des Röhrchen-Inhalts auf einen Teststreifen gegeben werden.

Anschließend lässt sich das Testergebnis nach 15 bis 20 Minuten ablesen. Ist das Ergebnis positiv, ist die Meldung beim Gesundheitsamt Pflicht. Dann wird zur Bestätigung ein PCR-Test veranlasst.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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