Neues soziales Netzwerk

Clubhouse: Die dunklen Seiten hinter der Hype-App

Clubhouse - das neue soziale Netzwerk überschwemmt die Instagram- und Twitter-Timelines. Viele Influencer stärken den Hype um die App. Doch schon jetzt werden dunkle Seiten bekannt.

Hamm - Es gibt einen neuen Hype im Internet. Seit wenigen Tagen wird auf Instagram und Twitter massiv Werbung für das neue soziale Netzwerk Clubhouse gemacht, viele Influencer sind schon Teil davon. Dabei funktioniert die App noch wie ein Privatclub: Nur wer eine Einladung (invite) hat, kann teilnehmen. Und noch ist sie nur für iOS verfügbar.

NameClubhouse
FormatSocial Network
BesonderheitReines Audio-Format

Clubhouse funktioniert via Audio und Gespräche in privaten (für Außenstehende geschlossene) Räume. Nutzer können sich live unterhalten, aber nicht sehen. Eine Abkehr von Eitelkeiten à la Instagram wurde schon beschworen - dabei zeigen sich bereits jetzt die dunklen Seiten des Netzwerks.

Neues soziales Netzwerk Clubhouse: Hype-App hat Probleme mit Nutzern und Datenschutz

Denn Clubhouse hat Probleme mit Hass-Botschaften. Obwohl die Gründer das Problem schon kennen, sagt Tech-Journalistin Taylor Lorenz, haben sie nichts dagegen unternommen. Es gibt Gesprächsräume für Menschen, die sich über ihren Hass auf Muslime, Mitglieder der LGBTQ+, Juden, Schwarze und Frauen austauschen wollen. Neonazis nutzen Clubhouse, Alt Right-Anhänger aus den USA. Menschen, die von Facebook, Twitter und Instagram gebannt wurden. Sind sie in der Audio-App ohne Kontrolle?

Clubhouse ist derzeit noch in der Beta-Phase. Die App ist nur auf Einladung zugänglich, bestehende Nutzer können andere per Invite hinzufügen. Einmal drin im Privatclub können die User Gespräche suchen, an denen sie teilnehmen wollen. In den Unterhaltungen spricht ein Mensch live, alle anderen Zuhörer können sich melden und erhalten dann von einem Moderator ebenfalls das Wort (oder auch nicht). Ruhr24.de verrät, wie man an eine Einladung ins Clubhouse kommt.*

Clubhouse: Das soziale Netzwerk ist derzeit nur per Invite erreichbar.

Hype um Clubhouse: Influencer und deutsche Promis treten dem sozialen Netzwerk bei

In den USA ist Clubhouse bereits ein Erfolg. Die Popularität in Deutschland wächst erst seit wenigen Tagen. Mehrere Influencer und Promis* wie Luisa Neubauer, Caro Daur und Joko Winterscheidt verkündeten, dass sie Clubhouse nutzen. Das US-amerikanische Magazin Vulture (vom New York Magazine) erklärt den Erfolg so: Clubhouse spricht mitten in der Corona-Pandemie, im Lockdown ohne Möglichkeiten Freunde zu treffen, auszugehen, Konzerte zu besuchen, unsere Angst an, etwas zu verpassen. Der Exklusiv-Club reizt dazu, Mitglied zu werden, weil das Meiste derzeit digital stattfindet.

In dieser Schein-Elite liegt das Problem der App: Die Moderation liegt in den Händen von Nutzern, einfache Melde-Funktionen gibt es derzeit noch nicht. Wer die Entwickler auf Probleme aufmerksam machen will, kann das nur live schnell machen, dann muss jedoch die Unterhaltung zeitweise aufgenommen werden. Vergangene Vorfälle können nur schlecht gemeldet werden: Die Entwickler hätten keinen Zugriff auf die Gespräche, heißt es auf der Website.

Dadurch sind Personen Mitglieder im Clubhouse, die von anderen sozialen Netzwerken bereits entfernt wurden, weil sie Hassrede oder Verschwörungstheorien verbreiten.

Willkommen im Clubhouse: In der Hype-App können Nutzer an verschiedenen Gesprächen teilnehmen.

Tech-Journalistin Taylor Lorenz aus den USA listet in einer Liste auf Twitter auf, wer alles im Clubhouse sprechen darf. Darunter sind Neonazis, Breitbart-Philosophen, Rassisten. Lorenz schreibt, dass Sexismus und Frauenfeindlichkeit überhandnehmen. Beta-Tester berichten über Vergewaltigungswitze, Holocaust-Leugnungen, rassistische Kommentare. Lorenz‘ Liste begann im September - sie wird noch immer weitergeführt.

Hype um Clubhouse: Nutzer können Falschinformationen verbreiten

Das Problem, so bringt es die Vanity Fair im Artikel „,You become hostage of their worldview‘: The murky world of moderation on Clubhouse, a playground for the elite“ auf den Punkt, ist: Es gibt immer nur einen Sprecher, die Zuhörer können erst dann mitreden, wenn ihnen das Wort erteilt wird. Es gibt weder leicht zugängliche Melde-Möglichkeiten noch Platz für Kommentare noch Like-Knöpfe.

Die Moderation von Gesprächen übernehmen die Benutzer selbst, keine Mitarbeiter des sozialen Netzwerks. Damit ist Clubhouse in Gefahr, im großen Stil dazu zu dienen, Falschinformationen und Verschwörungstheorien weiterzuverbreiten. Der Messenger Telegram zeigt, dass etwa Attila Hildmann diesen braucht, um krude Theorien über Corona (und die Welt) einem größeren Publikum näherzubringen. Und auch Michael Wendler fiel durch Falschinformationen und einem menschenverachtenden KZ-Vergleich auf.

Clubhouse in Deutschland: App gewinnt an Bedeutung - derzeit noch iOS exklusiv

Clubhouse wird auch in Deutschland immer weiter an Bedeutung gewinnen. Die App gelangte über das Wochenende auf Platz 2 der Apple App-Store-Charts. Auch die Podcast-Entwicklung - seit Corona weiter im Aufschwung - kann durch die Live-Unterhaltungen interaktiver werden.

Sind reale Privatclubs wie das Soho-House in Berlin bald out? Clubhouse verschiebt den Privatclub-Lifestyle ins Digitale.

Diskussionen um den Datenschutz im Clubhouse sind gestartet. Nutzer müssen der App den Zugriff auf ihr iPhone-Adressbuch erlauben, wer sich über ein anderes soziales Netzwerk anmeldet, gibt der App Zugriff auf diese Kontaktlisten und Follower. -*tz.de und ruhr24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Daniel Schröder/Screenshot

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